Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel „Mein Blind Date mit dem Leben“ in der Festhalle

Stück nach einem Bucherfolg: „Mein Blind Date mit dem Leben“.
Stück nach einem Bucherfolg: »Mein Blind Date mit dem Leben«.

Erneut war beim Gastspiel des a.gon Theaters München am Samstag in der Wörther Festhalle ein Stück basierend auf einer realen Geschichte zu sehen. Es ist Saliya Kahawattes Geschichte, die er in seinem Buch „Mein Blind Date mit dem Leben“ aufgeschrieben hat. Bevor sich alles in einem recht kitschigen Happy End zum Guten wendet, hinterlässt es einige starke Eindrücke.

In seinem Buch beschreibt der 1969 geborene Deutsch-Singhalese Kahawatte sein Leben mit einer hochgradigen Sehbehinderung, an der er seit seinem 15. Lebensjahr leidet. Trotz seines immer geringer werdenden Sehvermögens will er nicht als behinderter Mensch behandelt werden. Deshalb weigert er sich nach der erschreckenden Diagnose, vom normalen Gymnasium auf eine spezielle Schule für Sehbehinderte zu wechseln.

Nach dem Abitur schließt er erfolgreich eine Ausbildung im Hotelfach ab, mit der Hilfe guter Freunde und seiner Lebensgefährtin, die ihn und sein lange verheimlichtes Handicap mittragen. Doch Kahawatte hat auch noch andere Schicksalsschläge zu meistern: Der Vater wendet sich von der Familie ab, was sie in den finanziellen Ruin führt, der junge Mann erkrankt an Krebs und muss dabei ständig gegen Vorurteile und Gleichgültigkeit von Behörden kämpfen. Er wird schwer depressiv und versucht sich mehrfach das Leben zu nehmen. Dank seiner buddhistischen Grundwerte, die ihm seine Großmutter in Sri Lanka als Kinder vermittelt hat, schafft er schließlich den Sprung in ein erfülltes Leben.

Starke Bühnenpräsenz

Der Dramatiker Stefan Zimmermann hat die Zeit der Ausbildung in einem Nobelhotel herausgegriffen. Dabei ist verlegt er den Hotelstandort von Hannover nach München und lässt auf der minimalistisch ausstaffierten Bühne Raum für kurze komödiantische Einsprengsel.

Glaubhaft und mit starker Bühnenpräsenz spielt Benedikt Zimmermann die schwere Rolle der Hauptfigur. In Mimik und Gestik spiegelt sich der Kampfgeist des jungen Menschen wider, der nicht in die Unselbstständigkeit gedrängt werden will. Dorothee Weingarten verkörpert die Stütze an seiner Seite, zuerst als Schwester, später als Freundin und Lebenspartnerin Sarah. Seinen Freund Robert, der nie den Glauben an Saliya verliert, auch wenn er von ihm immer wieder vor den Kopf gestoßen wird, spielt mit erfrischendem Schwung Emery Escher. Ursula Buschhorn und Stefan Rehberg scheinen manchmal kaum mit dem Wechseln ihrer vielen Rollen nachzukommen: Sie als verzweifelte Mutter, Ausbildungsleiterin und Gast, er als Arzt, Hoteldirektor und verständnisloser Beamter.

Die Rettung durch eine Talkshow wirkt aufgesetzt

Klar ist es vordergründig lustig, wenn der fast blinde junge Mann an andere Menschen stößt, Spiegel nicht sauber polieren oder Getränkekarten auswendig herunterbeten kann. Aber nachdenkliche Szenen gehen dem Zuschauer nahe: als er aus seinem Rollstuhl im Krankenhaus stürzt, sich von seiner Freundin trennt oder sich sinnlos nach einem weiteren erfolglosen Suizidversuch betrinkt.

„Wer kämpft, kann verlieren, aber wer nicht kämpft, ist schon verloren“, wird zum Lebensmotto des Protagonisten, der immer neue mehrstufige Strategien ersinnt. Die Rettung im Bühnenstück dagegen, ausgelöst durch einen Auftritt in einer Talkshow, wirkt dann doch zu aufgesetzt. Sie gipfelt nach einigen Handlungsbrüchen in der Versöhnung mit seiner Freundin und großem beruflichen Erfolg.

Trotz dieser Schwächen kommt das Stück beim Wörther Publikum an, das sich mit langem Applaus bedangt.

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