Kultur Südpfalz Meeresrauschen aus dem Akkordeon

91-85834101.jpg

Wieder ist es dem Verein „Kulturzentrum Altes Kaufhaus“ gelungen, an fünf Abenden exzellente Musiker in den romantischen Innenhof des Frank-Loebschen Hauses in Landau zu locken. Die beliebte Montagsreihe beginnt am 18. Juli mit dem Ohr an der Welt von Rio bis Tiflis.

Da wagen sich zwei deutsche Gitarristen als Café del mundo auf das weite und doch recht besiedelte Feld des Flamenco: Zwei Flamenco-Gitarristen, zwei Herzblutmusiker, die auf höchstem spieltechnischem Level die Sprache des Flamencos verinnerlicht haben, sich aber nicht von seinen rigiden Mustern einzäunen lassen. Die Rede ist von Jan Pascal und Alexander Kilian, zwei Nicht-Spanier, die sich der Energie und der Kraft der Flamenco-Gitarre bedienen und etwas ganz Eigenes damit angestellt haben. Ein klassisches Genre, wie es Flamenco nun einmal ist, neu zu denken, ist eine große Herausforderung. Umgesetzt wurde dies als Feuerwerk der Inspiration, so dass die Stücke ganz leicht daher kommen, wo wohltuend, so luftig, so feinfühlig. Die vielen Inspirationen hat Jan Pascal von seinen zahlreichen Reisen nach Spanien im Gepäck, während sein Partner für die vielfältigen Techniken der Arrangements verantwortlich zeichnet. Am Montag, 25. Juli, ist Chris Jarrett mit Jazz und Weltmusik auf dem Klavier zu Gast. Viel in der Welt herumgekommen, vom Tellerwäscher zum Pianisten, ist er nun im südpfälzischen Oberotterbach heimisch geworden. Mit 13 Jahren hatte er begonnen Piano zu spielen, so begabt, dass er kostenlosen Unterricht vom großen österreichischen Pianisten Vinzent Ruzicka bekam. Wenn man bedenkt, dass seine erste komponierte Ballettmusik „Für Anne Frank“ hieß, könnte niemand Passenderes im Frank-Loebschen Haus spielen. Stilistisch lässt er sich nicht festlegen: Wiewohl es ein Klavier ist, auf dem er spielt, hört man stets Streicher, Oboen, Posaunen und Pauken mit. Flinke, perlende, klare Tonkaskaden, intensiv-dynamische Kompositionen von lautem aggressiven Spiel bis hin zum zärtlichen Streicheln der Tasten – genau diese Bandbreite werden die Besucher zu hören bekommen. New Gypsy Art nennen die vier Musiker der Gruppe „Talisman“ ihr Repertoire, das unverkennbar seine Wurzeln in der Musik der Roma hat und viele unterschiedliche Stilelemente vereint: mal orientalisch, mal ein bisschen Jazz oder Swing, mal ein bisschen russische Folklore. Sie tritt am Montag, 1. August, auf. Die Palette der Gruppe ist schillernd bunt: Tempo-, Takt-, Dynamikwechsel sind nur äußerliche Gestaltungsmittel, vor allem sind es Bilder der Fantasie, die die „Talisman“ musikalisch malt. Da faucht das Akkordeon wie Meeresrauschen, die Geige zaubert Möwengeschrei, die Bassgitarre plätschert sanft, vielseitige Percussion liefert die exakten Akzente. „Talisman“, das sind Oleksandr Klimas (Violine und Gesang), Oleg Nehls (Knopfakkordeon und Gesang), Tom Auffarth (Bassgitarre und Gesang) und Jan Zimmermann (Percussion und Gesang). „Talisman“, das ist ein umfangreiches Repertoire, eine rasante Mischung verschiedener Musikstile zwischen russischer Folklore, Zigeunermusik, Klassik und orientalischen Einflüssen bis hin zu Flamenco und Jazz oder Rock, Fado und Avantgarde. In der Region wohlbekannt ist Marcel Adam, der zusammen mit seiner Band am 8. August seinen Auftritt hat. Der lothringische Chansonnier, Liedermacher, Autor und Mundart-Komödiant wird Melodien und Geschichten, mit Humor und Gefühl angereichert, mitten aus dem Leben gegriffen, zum Besten geben. Dieses Mal kommt er mit Band, mit dem Weltklasse-Akkordeonisten Christian di Fantauzzi und dem saarländischen Ausnahmegitarristen Christian Conrad. Deutsche wie französische Chansonklassiker von Piaf bis Moustaki, von Nena bis Rühmann werden interpretiert. Stets haben Adam und seine Kollegen neue Lieder dabei. Vincent Peirani und Emile Parisien, zwei der führenden Jazzmusikerpersönlichkeiten, beschließen die kleine Montagsreihe am 15. August. Peirani hatte eigentlich Schlagzeuger werden wollen. Dass es dann das Akkordeon wurde, war der Antrieb seines Vaters. Mit sechzehn Jahren entdeckte er den Jazz, besonders die Musik von Bill Evans und der französischen Jazz-Rock-Band „Sixun“. Heute schöpft er aus den unterschiedlichsten Genres – von Jazz, Chanson und Weltmusik über Klassik bis hin zu Heavy Rock. Zusammen mit dem Bläser Emile Parisien, dessen Sopransaxofon dem großen Sidney Bechet huldigt, taucht er tief in die Jazz-Historie ein und gibt ihr neue Konturen. Nicht umsonst heißt ihr Debüt-Album „Belle Epoque“. Ein kammermusikalisches Zwiegespräch und eine Hommage an die großen Sopransaxofonisten des Jazz wie John Coltrane oder Steve Lacy. Experimentelle Soundcollagen schütten den Graben zu zwischen der klassischen Harmonik und der jazzigen Rhythmik. Info —Alle Vorstellungen beginnen um 20 Uhr, Einlass ist um 19 Uhr, bei Regen finden die Veranstaltungen im benachbarten „Alten Kaufhaus“ statt. —Tickets gibt es bei allen Rheinpfalz-Geschäftsstellen und beim . Und es ist ein Info-Telefon eingerichtet: 0152 02137459. |rhp

91-85834102.jpg
x