Rheinpfalz Medikamente „bei Metzgers“
Dass aus dem ehemaligen Gasthaus Kurz in Hütschenhausen eine Apotheke wird, ist im Grunde dem Zufall zu verdanken. Katja Trimborn ist 2015 mit ihrer Familie in das dahinter angrenzende Anwesen gezogen. Als sie erfahren hat, dass für das wohl älteste Haus des Dorfes ein Käufer gesucht wird, beschloss sie, es zu erwerben und mit viel Liebe zum Detail umzubauen. Am 1. März soll die „Kranich-Apotheke“ in der Hauptstraße 119 erstmals öffnen.
Trimborn will nicht nur einen Teil zur Nahversorgung beitragen. Sie spielt auch auf die Geschichte des Gebäudes an, dessen ältester Teil aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und damit aus einer Zeit stammt, in der sich der Landstrich langsam von der Zerstörung und Entvölkerung als Folgen des Dreißigjährigen Krieges erholte. Viele Jahre beherbergte das Gebäude im Erdgeschoss ein Gasthaus mit Tanzsaal und eine Metzgerei, was ihm die Bezeichnung „bei Metzgers“ einbrachte. Darüber befinden sich zwei Wohnungen. Die beiden Anbauten entstanden in den Jahren 1871/1872. Als sich die Familie vor vier Jahren in Hütschenhausen niederließ, gab es keine Überlegungen, dass sich Trimborn als Apothekerin selbstständig machen wollte. Ausschlaggebend für den Umzug waren die Nähe zum Arbeitgeber ihres Mannes Jens Fiedelak in Kaiserslautern, und damit weniger Pendelkilometer. „Es ist alles ganz zufällig passiert“, sagt Trimborn Mit der Schließung der örtlichen Apotheke und dem zum Verkauf stehenden Gebäude kamen die Ideen, wie sie Familie und Beruf in Einklang bringen könnte. Helfen sollen ein durchgeplanter Tagesablauf sowie eine weitere Apothekerin und eine pharmazeutisch-technische Assistentin. Mit der Unterzeichnung des Kaufvertrags im Frühjahr 2018 begannen aufwendige Sanierungsarbeiten an dem unter Denkmalschutz gestellten Gebäude. Zwar wurden auch Fachfirmen beauftragt, doch ein Großteil hat das Ehepaar selbst in Angriff genommen. Mauerwerk und Fachwerk wurde freigelegt und teils neu verputzt oder offen gelassen. Die Außenmauern wurden innen mit einer Dämmschicht versehen und erhielten Lehmputz. Eine Wandheizung wurde installiert. Die Fensterbänke sind aus alten Terrakottaplatten, auf denen teils noch Hand- und Fingerabdrücke ihrer Hersteller zu erkennen sind. Der ehemalige Eingang zur Hauptstraße hin dient künftig als Notausgang. Ein barrierefreier Zugang an der Giebelseite wird der neue Eingang. In der ehemaligen Küche des Gasthauses entsteht das Labor, das wie das Medikamentenlager zum Teil schon möbliert ist. Die Fläche der Apotheke beläuft sich auf 150 Quadratmeter. Künftige Kunden stehen im Verkaufsraum auf Parkettboden aus vergangenen Tagen, der von dem Ehepaar abgeschliffen und geölt wurde. Sie blicken auf Balken an Decke und Wänden, die mit Bohrmaschine und Drahtbürste gesäubert wurden, und auf eine Wand aus Sandsteinquadern und Ziegelsteinen. „Der eigentliche Held ist mein Mann“, gesteht sie dem Elektroingenieur lachend die Lorbeeren zu: „Er macht fast alles alleine.“ Die Apothekerin schaut der Eröffnung mit Spannung und Vorfreude entgegen. „Das wirtschaftliche Risiko kann man nicht abschätzen“, weiß sie, dass Internetapotheken eine Konkurrenz darstellen. Gerade deswegen wolle sie vor Ort präsent sein, nicht nur für ältere Mitbürger die Nahversorgung gewährleisten. „Ich möchte schöne, langfristige Beziehungen und ein persönliches Verhältnis zu Kunden aufbauen“, sagt sie, ohne außer Acht zu lassen, dass neben den modernen Bestellwegen per App und E-Mail auch der Rezepteinwurf in den Briefkasten möglich ist. Die „Kranich-Apotheke“ sei nach dem Symboltier für Glück, Gesundheit, langes Leben und nach dem Kranichwoog, ein Naturschutzprojekt, an dem gerade gearbeitet wird, benannt. Ist erst offen, will Trimborn ihr nächstes Vorhaben angehen: einen Kräuter- und Apothekergarten im ehemaligen Freigelände des Gasthauses. Er soll mit Bänken zum Verweilen einladen. „Das Haus gehört ein Stück weit dem Dorf. Es war über Jahrhunderte eines der Zentren im Ort und ich will daran anknüpfen“, betont Trimborn.