Kulturtipp Matthias Brandt und Jens Thomas lehren die Zuschauer das Gruseln
„Dämon“ haben sie das neue Programm genannt, in dem sie eine „Wort-Musik-Collage über Wahn und Schrecken“ versprechen. Basis ist „Le Horla“, eine fantastische Novelle des französischen Autors Guy de Maupassant, ein frühes Meisterwerk der psychologischen Horrorliteratur von 1886. Brandt übernimmt den Part der inszenierten Lesung; Thomas spielt am Klavier und improvisiert. Der Soundtrack und die Songs stammen von ihm.
In der Gruselgeschichte, die sie für ihr Projekt ausgewählt haben, beginnt ein Mann, unter seltsamen Erscheinungen zu leiden. Er sieht Dinge, hört Geräusche, die außer ihm niemand wahrnimmt. Immer mehr steigert er sich in die Vorstellung hinein, dass ein furchtbares unbekanntes Wesen von ihm Besitz ergreift: der Horla. Er kommt in der Nacht, hockt sich auf die Brust des Schlafenden und manipuliert dessen Willen. Sind die sich selbst umblätternden Seiten eines Buches und das fehlende Abbild im Spiegel nicht untrügliche Zeichen? Für den namenlosen Ich-Erzähler beginnt der Abstieg in den Wahnsinn. Das Unsichtbare wird zur Obsession, bis er eines Tages vor der Erkenntnis steht: „Ich kann nicht mehr wollen, aber jemand will für mich.“
Brandt und Thomas haben schon einige solcher Programme zusammen auf die Bühne gebracht, angefangen 2026 mit „Psycho“ nach der literarischen Vorlage für Alfred Hitchcocks Gruselthriller. Der Untertitel: „Fantasie über das kalte Entsetzen“ – zum Fürchten schön. Daran wollen sie mit „Dämon“ anknüpfen. Auch aus Brandts erstem Roman „Blackbird“ haben die beiden einen Abend gestaltet. Es folgten „Life“, „Krankenakte Robert Schumann“ und schließlich eine Adaption von E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Die Bergwerke zu Falun“ – zu erleben war sie 2024 bei den ARD-Hörspieltagen im Karlsruher ZKM.
Termin
„Dämon“ mit Matthias Brandt und Jens Thomas am Donnerstag, 23. Januar, 20 Uhr, im Karlsruher Tollhaus.