Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Mannheim: Neues Forschungszentrum widmet sich der Psyche

Eine der führenden Einrichtungen für Menschen mit psychischen Erkrankungen: das Zentralinstitut für seelische Gesundheit.
Eine der führenden Einrichtungen für Menschen mit psychischen Erkrankungen: das Zentralinstitut für seelische Gesundheit. Archivfoto: KUNZ

Was passiert im Gehirn, wenn die Psyche streikt? Um genauere Antworten auf diese Frage zu bekommen, sind 56 Millionen Euro in ein neues Zentrum am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim geflossen.

„Wann passiert warum was an welcher Stelle im Gehirn?“ An dieser komplexen Fragestellung wird im neuen Zentrum für innovative Psychiatrie- und Psychotherapieforschung am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) mit Hilfe neuester Technologie geforscht – eingebettet in europaweit angeblich bislang einmalige Strukturen. Geforscht wird an Menschen für Menschen mit dem Ziel, die Entwicklung neuer Wirkstoffe und Therapieansätze deutlich zu beschleunigen. Andreas Meyer-Lindenberg, der als Vorstandsvorsitzender des Instituts das Konzept federführend entwickelt hat, hofft, dass gerade Erkrankungen, die stigmatisiert und häufig wenig erkannt werden, künftig frühzeitig und besser behandelt werden.

Etwa 40 Prozent aller Menschen sind im Laufe ihres Lebens mindestens einmal von einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung betroffen. Depression, Psychose, Ess- oder Angststörung sowie andere seelische Leiden gehen häufig mit sozialer Isolation einher. Wer sich „anders“ verhält, gilt schnell als nicht belastbar. „Psychische Erkrankungen sind daher zunächst einmal für den Betroffenen schwierig, aber auch für die Volkswirtschaft problematisch“, sagt Michael Meister. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung nennt die Summe von mehr als 70 Milliarden Euro an Krankheitskosten, die dadurch pro Jahr entstehen und bezeichnet seelische Erkrankungen als Hauptursache für die Frühberentung. „Zugleich stagnieren die Behandlungsmethoden“, ergänzt Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer und unterstreicht ebenfalls die Bedeutung der Grundlagenforschung.

Ohne Probanden geht nichts

Neue Therapieansätze sowohl für die Prävention als auch die Behandlung psychischer Erkrankungen zu entwickeln, erklärt auch Meyer-Lindenberg zur Aufgabe des 21. Jahrhunderts. Damit dies gelingt und maßgeschneiderte Behandlungsmethoden eingesetzt werden können, müssen Ursachen und Mechanismen besser verstanden werden. Im Fokus der Forscher steht, was sich im Gehirn abspielt. Dort ist der Ort des Geschehens, in dem sich Effekte neuer Therapien mit entsprechender Technologie ebenso abbilden lassen wie die Reaktion von Probanden, wenn diese sich im Virtual-Reality-Labor anhand simulierter Situationen Schritt für Schritt ihren Ängsten nähern.

Mit Hilfe des Magnetenzephalographen können die Wissenschaftler vereinfacht ausgedrückt mentale Gedankenvorgänge messen und erkennen, warum das Gehirn dieselben Vorgänge unterschiedlich interpretiert. Mittels MRT können sie Hirnstrukturen ebenso erforschen wie Funktion und biochemische Vorgänge. Mit der Transkraniellen Magnetstimulation (TMS) wiederum lassen sich mittels künstlich erzeugter Magnetfelder Bereiche des Gehirns, beispielsweise bei Schizophrenie, schmerzfrei sowohl stimulieren als auch hemmen. Ebenfalls im neuen Zentrum gibt es die deutschlandweit größte psychiatrische Biobank. Eine Einrichtung zur Gewinnung, Aufbereitung und Lagerung von Biomaterialien, mit deren Hilfe Mechanismen erforscht werden können, die psychischen Erkrankungen zugrunde liegen.

Zusammenarbeit mit Klinikum und Universität

Das Zentrum wurde in dreijähriger Bauzeit auf 2500 Quadratmeter Fläche im Unter- und Erdgeschoss des Therapiegebäudes in J 5 errichtet und mit großem baulichem Aufwand eng mit den vier Kliniken des Zentralinstituts verzahnt. In das Gesamtprojekt investierte das Zentralinstitut rund 56 Millionen Euro. Fördermittel gab es von Bund und Land. Ein weiterer Förderer ist die Klaus-Tschira-Stiftung. Mit dem neuen Wissenschaftsgebäude soll darüber hinaus die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen ZI, Universitätsklinikum Mannheim und der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg intensiviert werden.

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