Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Mannheim: Car-Sharing erfreut sich in der Region Jahr um Jahr größerer Beliebtheit

230 Leihautos stehen allein n Mannheim zur Verfügung.
230 Leihautos stehen allein n Mannheim zur Verfügung. Foto: KUNZ

Alle reden derzeit über die ausleihbaren Elektro-Roller. Ihren Anfang hat die Ausleihe von Fahrzeugen in Mannheim und der Region aber bereits vor nunmehr 30 Jahren genommen. Damals ging Stadtmobil Rhein-Neckar an den Start. So richtig Fahrt aufgenommen hat das Autoteilen aber erst vor knapp zehn Jahren.

Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude, lautet eine bekannte Redewendung. Welche der beiden Gegensätze aber ist zutreffender, wenn es um das beliebteste Fortbewegungsmittel geht: das Auto. Vor allem in Heidelberg und Mannheim erfreut sich das Car-Sharing-Angebot immer größerer Beliebtheit. „Wir wachsen stetig. Jährlich haben wir einen Zuwachs von zehn bis 15 Prozent“, kann Miriam Caroli von Stadtmobil Rhein-Neckar verkünden. Das bedeutet andererseits aber nicht, dass die Zulassungen privater Fahrzeuge in der Region zurückgehen.

Mit dem Leih-Wagen zur Arbeit, zum Arzt oder den Großeinkauf erledigen: In Heidelberg stehen mittlerweile 207 Mietmobile zur Verfügung. In Mannheim sind es 230 Fahrzeuge, in Ludwigshafen hingegen nur 35, in Kaiserslautern gerade einmal 15. „Auf der einen Seite haben wir eine Studentenstadt, auf der anderen Arbeiterstädte. Es hängt durchaus von der Bevölkerungsstruktur ab, aber auch, wie hoch der Parkdruck ist, wie gut die ÖPNV-Anbindungen und wie weit Wohnort und Arbeitsstätte voneinander entfernt liegen“, verweist Caroli auf die Unterschiede. Das Groß der Kundschaft machten aber weniger die Studenten aus. Gerade 45- bis 55-Jährige stiegen immer häufiger in die Kurzleihwagen.

In 25 Kommunen vertreten

Vor allem in den Kerngebieten ist die Nachfrage groß, also in Heidelbergs Altstadt, im Mannheimer Lindenhof oder in den Quadraten. „In den Randgebieten, etwa im Emmertsgrund und Boxberg in Heidelberg oder auf der Schönau in Mannheim, sind wir hingegen kaum vertreten“, sagt Caroli. Und auch in den kleinen Gemeinden läuft das „Autoteilen“ immer noch schleppend. Dennoch ist Stadtmobil Rhein-Neckar in der Region in insgesamt 25 Kommunen vertreten und arbeitet stellenweise mit den Stadtwerken zusammen.

So auch in Speyer und Viernheim. Dort wurde die Flotte jüngst auf 13 Fahrzeuge erhöht und nach einer Umfrage um einen Kleintransporter ergänzt. In Edingen-Neckarhausen nutzt mittlerweile die gesamte Verwaltung die Leih-Optionen – und verzichtet auf einen eigenen Fuhrpark. Dennoch steigen auch die Fahrzeug-Zulassungen in der Region: Im Rhein-Neckar-Kreis etwa stieg die Zahl binnen fünf Jahren von rund 330.000 auf fast 350.000 gemeldete Autos an.

Weiterhin stationsbasiertes System

„Es genügt nicht, wenn die Kommunen nur ein, zwei Car-Sharing-Autos hinstellen. Es muss nachhaltig für alternative Fortbewegungsmittel geworben werden. Wo Bus, Bahn und Fahrrad stark genutzt werden, wird auch verstärkt zum Mietmobil gegriffen“, zeigt Caroli auf, warum das Konzept auf dem Land meist (noch) nicht in die Gänge kommen will. Bundesweiter Car-Sharing-Spitzenreiter ist zum Beispiel Karlsruhe. „Dort wurde der öffentliche Verkehr schon in den 1950er- und 60er-Jahren extrem gestärkt. Wo die Leute multimodal unterwegs sind, läuft es auch für die Car-Sharing-Anbieter“, weiß sie.

Seit nunmehr 30 Jahren bietet das Stadtmobil-Unternehmen das Autoteilen an. Einen richtigen Schub habe es aber erst vor knapp zehn Jahren gegeben, als durch Wettstreiter wie „Car to go“ oder „Flinkster“ von der Deutschen Bahn die Konkurrenz zunahm. Vor allem die sogenannten „Free Floating“-Angebote, also die Möglichkeit, den Leihwagen irgendwo in der Stadt zu parken, nehmen zu. Stadtmobil jedoch setzt weiterhin auf das stationsbasierte System: Das geteilte Auto muss wieder dort abgestellt werden, wo man eingestiegen ist. „Das ist umweltfreundlicher, und auf lange Sicht auch wirtschaftlich rentabler – für alle“, betont Caroli.

Zur Sache: Stadtmobil Rhein-Neckar

Stadtmobil Rhein-Neckar ist der größte Car-Sharing-Anbieter in der Region und zählt nach eigenen Angaben aktuell einen Kundenstamm von 11.100 angemeldeten Personen. In 25 Kommunen stehen diesen insgesamt 580 Fahrzeuge zur Verfügung, monatlich gibt es rund 400.000 Buchungen. E-Fahrzeuge machen aktuell lediglich zwei Prozent der Flotte aus. Gründe dafür sind die hohen Anschaffungskosten und die noch zu geringe Nachfrage, teilweise gebe es auch Probleme bei der Stellplatzvergabe durch Stromversorger.

Mehr zum Thema
x