Rheinpfalz Maksl hilft nicht nur Medizinern
Etwa zehnmal im Jahr treffen sich elf Ärzte aus dem Sickinger Land. Zum Gedankenaustausch. Um sich fortzubilden. Um schwierige Fälle zu besprechen. Und um die Vertretungsplanung zu regeln. Vom Medizinertreffen, das sich Maksl nennt, profitieren auch Patienten.
Aus einem lockeren Stammtisch zur Dienstplanabsprache entstand 2005 der Medizinische Arbeitskreis Sickinger Land, der sich kurz Maksl nennt. Nahezu alle Land- und Fachärzte des Landstrichs treffen sich regelmäßig, um sich auszutauschen und sich bei der Arbeit zu unterstützen. Leonhard Laschet, Facharzt für Allgemeinmedizin in Martinshöhe, nennt den Grund: „Wir haben festgestellt, dass wir die immer umfangreicher werdende Arbeit nur durch Zusammenarbeit geschafft bekommen.“ Sebastian Henn aus Miesau ergänzt: „Ab da wurden Synergien geschaffen und Reibungsverluste durch die gemeinsame Arbeit abgebaut.“ Die in anderen Gegenden beklagte Überlastung der Landärzte wird hier durch einen ausgeklügelten Vertretungsplan gemindert. Das schafft bei Patienten Vertrauen. Denn die haben in der Regel jeweils den gleichen Vertretungsarzt. Bei schwierigen Fällen werden dem Stellvertreter sogar Patientenprotokolle übergeben. Fortbildung ist ebenfalls Thema im Kreis. Der von Andrea Theobald aus Martinshöhe geleitete Maksl ist ein Qualitätszirkel, der bei der Kassenärztlichen Vereinigung angemeldet ist. Theobald, Fachärztin für Innere Medizin, erklärt: „Wir holen Fachleute aus umliegenden Kliniken, die Vorträge halten. Man lernt dabei die Chefärzte persönlich kennen.“ Die Wege zu den Klinikärzten hätten sich seitdem verkürzt, ergänzt Dorothee Ziemer, die in Bechhofen praktiziert. Die meisten im Maksl organisierten Hausärzte sind in mindestens einem Fachgebiet spezialisiert. Ziemer ist Ansprechpartnerin für Schmerzpatienten, Stefan Geyer ist Diabetologe. Bernd Hammer aus Bechhofen hat als Kardiologe an Kliniken gearbeitet. Barbara Magin-Laschet ist Frauenärztin. Johannes Burmeister, der in Bruchmühlbach praktiziert, ist Notfallmediziner und in die Organisation der Dienste der Bereitschaftsdienstzentrale am Landstuhler Krankenhaus eingebunden. Im Maksl holen sich die Ärzte auch fachliche Unterstützung von Kollegen, etwa durch anonymisierte Fallbeispiele. Die macht man, um voneinander zu lernen oder sich persönlichen Rat zu holen. Diese Form der Reflexion sei wichtig. Wenn man wegen der Probleme eines Patienten nicht schlafen könne, tue es gut, darüber zu reden. Es sei wichtig, dass auch so etwas auf den Tisch kommt. Die Ärzte sehen ihre Patienten aus einem anderen Grund im Vorteil: Jeder der im Maksl organisierten Ärzte bietet Hausbesuche an. „Es sind pro Arzt 150 bis 200 im Quartal“, schätzt Laschet. Bei diesen Besuchen werden im Sickinger Land auch Palliativpatienten, Sterbende, zu Hause betreut. Um den Nachwuchs, zumindest im Sickinger Land, machen sich die im Maksl vereinigten Ärzte weniger Sorgen als andere: Sie bieten Jungmedizinern intensive Unterstützung im Studium und in der Weiterbildung an und kooperieren mit den Unikliniken in Homburg und Mainz. Erst vor kurzem war der Arbeitskreis Entscheidungsfaktor dafür, dass ein neuer Kollege in der Runde begrüßt wurde: Sebastian Henn aus Miesau, Facharzt für Innere Medizin. Er hatte vor zwei Jahren die Wahl zwischen einer Stelle in einer Klinik oder einer Hausarztpraxis. Er ist in die seit drei Generationen bestehende Praxis seiner Familie eingestiegen, „weil es hier eine intakte Vernetzung gibt“. (thof)