Kultur Südpfalz Mach mir ein Bild vom Tod

Peter Robert Schwab kann hin und wieder die Vorzüge der Drehorte nutzen wie hier an einer Strandbar auf Teneriffa.
Peter Robert Schwab kann hin und wieder die Vorzüge der Drehorte nutzen wie hier an einer Strandbar auf Teneriffa.

Romantische Komödien wie „Ein Ferienhaus auf Teneriffa“ sind Schwabs Spezialität, vor allem Produktionen für die Prime Time um 20.15 Uhr. Der Film dreht sich um Krankenschwester Tinka, die mit dem Sohn und ihrer neuen Liebe Urlaub machen will und mit dessen langjährigen Freunden wider Willen im selben Ferienhaus landet. Zwischen intellektuellen Unterschieden, Altlasten, Beziehungsstress und pubertären Differenzen drohen Freundschaft und Liebe baden zu gehen. Wie die Schauspieler darf auch Schwab nach den Dreharbeiten hin und wieder die Vorzüge der Drehorte genießen. Aber die meiste Arbeit leiste er vor Produktionsstart, erzählt der 61-Jährige im Gespräch. Szenenbildner, das seien die Bühnenbildner des Films, neudeutsch Production Designer. Sie müssen das Budget für die Ausstattung kalkulieren – samt Autos, Tieren, Stunts, Spezialeffekten bis zum Wasserglas. Und sie helfen, das Drehbuch in Bilder umzusetzen. „Der Regisseur kann ja nicht alles die Schauspieler erzählen lassen“, sagt Schwab. „Vieles wie das Milieu der Figuren soll sich der Zuschauer assoziativ aus dem Hintergrund erschließen, etwa daraus, wie sie wohnen.“ Dass der Film nicht in San Cristóbal de La Laguna entstand, wie im Drehbuch vorgesehen, sondern im malerischen La Orotava, dazu hat Schwab dem Regisseur beispielsweise geraten. Bekommt der Szenenbildner den Auftrag für ein Konzept. Dann erstellt er Vorgaben, welche Art von Drehorten gesucht sind. Damit schickt Schwab dann seine Location Scouts vor Ort los, die im Vorschläge unterbreiten sollen für mögliche Drehorte. Und das mediterraner wirkende La Orotava mit seinen typischen kanarischen Balkonhäusern samt Innenhöfen habe viel besser in die Urlaubsstimmung der Geschichte gepasst. Zu Seite stehen Schwab zwei oder drei Requisiteure und eine Bauabteilung, die Wände einzieht oder umstreicht, wenn’s sein mus. „Manchmal braucht man eine bestimmte Perspektive oder einen Gang für eine Kamerafahrt“, erzählt Schwab. Für das öffentlich-rechtliche Fernsehen müsse zudem Werbung in den Straßen abgedeckt werden, bei historischen Filmen auch die Beschilderung von Straßen. „Bei einem Job in Thailand als Head of Department habe ich einmal ein ganzes Rebellenlager gebaut und ein Sägewerk in die Luft fliegen lassen. Da haben wir ganze Dörfer angeheuert als Statisten. In Europa geht so was nicht, das wäre viel zu teuer.“ Bis zu 20 Leute seien dann im Einsatz, auch nach dem Film, um alles wieder in den Ursprungszustand zu versetzen. Bei den hochauflösenden Digitalkameras heutzutage könne man nicht mehr einfach irgendwas im Hintergrund mit Band abkleben – „das sieht man“. Dabei orientiere sich sein Budget immer noch an den Richtwerten aus den 80er-Jahren, sagt Schwab. 30 Jahre hat der Südpfälzer in Hamburg gelebt, und das hört man seinem Zungenschlag auch an. Geboren ist er 1957 in Leimersheim. Die ersten Jahre sei er auf dem Schiff aufgewachsen – Vater und Großvater waren Binnenschiffer. Der andere Großvater habe im Ort eine Bäckerei betrieben, die inzwischen geschlossen sei. Nach dem Abitur und einer längeren Hospitanz bei einem Fotografen der Grafischen Kunstanstalt Neustadt ging Schwab zum Studium mit Schwerpunkt Kunstgeschichte nach München, wechselte später nach Hamburg. Für seinen Beruf habe es damals noch kein Studium gegeben. Als Assistent habe er sich mit Learning by Doing autodidaktisch heranarbeiten müssen: über Werbefilme, Food Design und Schulfernsehen bis zum Film. Bei 15 Folgen von „Kommissarin Lucas“ hat er inzwischen mitgewirkt, beim „Tatort“ mit Manfred Krug und mit Richie Müller, bei „Unter anderen Umständen“ mit Natalie Wörner und einmal auch in der Pfalz: 2015 bei „Pfälzisch im Abgang“ mit Chako Habekost. 2013 ist er mit seinem Partner, der als Ausstellungsgestalter für Hamburger Museen gearbeitet hat, nach Landau gezogen. Er habe ohnehin fast nur für bayerische Produktionen gearbeitet, sagt der Szenenbildner – bei der Teneriffa-Komödie etwa für die Bavaria. „In München weiß man mehr, was gute Bilder wert sind.“ In Köln oder Berlin werde sehr viel knapper kalkuliert. Drei bis maximal vier Produktionen könne er im Jahr begleiten – mehr nicht. „Wenn ein Projekt platzt, muss man auch mal ein halbes Jahr ohne Einkommen über die Runden kommen.“ Da sei man nicht besser dran als die Schauspieler. Apropos: Die Hauptdarstellerin von „Ein Ferienhaus auf Teneriffa“ ist Anna König. Auch sie ist in der Südpfalz geboren, in Kandel, und in Landau zur Schule gegangen. Jetzt lebe sie in Berlin und London, erzählt Schwab. Termin Ausgestrahlt wird „Ein Ferienhaus auf Teneriffa“ am Freitag um 20.15 Uhr in der ARD. Infos zu Peter Robert Schwab unter: www.trinitymovie.de/peter-robert-schwab.

Szene aus „Ein Ferienhaus auf Teneriffa“: Für Tinka (Anna König) und Jürgen (Janek Rieke) soll der erste gemeinsame Urlaub eigen
Szene aus »Ein Ferienhaus auf Teneriffa«: Für Tinka (Anna König) und Jürgen (Janek Rieke) soll der erste gemeinsame Urlaub eigentlich der Sprung ins Glück sein.
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