Kultur Südpfalz Müder Liebhaber

Liebe zu empfinden und Träume zu hegen, gehört auch im Alter zum Leben. Dass sich aus diesem Stoff kurzweilige Komödien mit Spannung und einer herrlichen Priese Oper kreieren lassen, erlebten die Zuschauer am Mittwoch in der voll besetzten Festhalle Wörth mit „Noch einmal verliebt“ von Joe DiPietro .
Das Ensemble der Komödie im Bayerischen Hof München lockte mit so bekannten Schauspielern wie Christian Wolff oder Gila von Weitershausen. Ihnen zur Seite: Cordula Trantow. Feine Nuancen beim Schlussapplaus zeigten, dass die Leistung der drei Schauspieler nicht auf einem Niveau lag. Alle drei wirkten glaubhaft in ihrer Rolle als älterer, einsamer, von Verlustängsten geprägter Mensch. Christian Wolff mochte man aber den heißblütigen Liebhaber nicht abnehmen, obwohl er mit italienischen Wörtern nur so um sich warf. Der 80-Jährige wirkte auf der Bühne trotz aller überschwänglich geäußerter Gefühle eher blass, fast müde. Tiefergehende Gefühle darzustellen, überließ er seinem jungen Alter ego, dem Münchner Bariton Niklas Clarin in der Rolle des jungen Bellini, der in Rückblenden Arien schmetterte. Seine angenehm unaufgeregten und durchweg warmen, hochklassischen Blitzlichter entlockten dem Publikum regelmäßig Szenenapplaus. Gila von Weitershausen steckte im Gegensatz zu Wolff voller Energie und wirbelte über die Bühne: zwar versteckt traurig, aber hungrig nach Leben und menschlicher Wärme, überschäumend verliebt und herrlich verrückt. Und auch Cordula Trantow konnte als temperamentvolle Schwester mit italienischen Wurzeln kaum gebremst werden. Fast schon dramaturgisch überzeichnet wirkte ihr Kostüm, das sie wie eine säuerliche, farblose Witwe erscheinen lassen sollte. Jene musikalisch gestalteten Rückblicke und Gedankenreisen des Protagonisten Ralph Bellini (Christian Wolff) sind eine Besonderheit des Stückes, das in Manhattan spielt. Er liebt die Oper und stand als junger Mann kurz davor, an die New Yorker Metropolitan Opera berufen zu werden. Was er im Laufe seiner verhinderten Karriere hätte singen können, kredenzt der Sänger Clarin in der Komödie. Und die Zuschauer ließen sich, genauso wie die vornehme Carol Reynolds (von Weitershausen) gerne von der Opernwelt in Bann ziehen. Zum Inhalt: Durch Zufall sieht der Witwer Ralph Bellini auf einem Hundespielplatz die gepflegte, aber einsame Carol. Sie besucht den Hundetreffpunkt regelmäßig mit ihrem Chihuahua-Mischlingshündchen Tarzan – dargestellt vom äußerst braven Bühnenhund Purzel. Um der Dame näher zu kommen, gibt Ralph sich auch als Hundebesitzer aus. Nicht die einzige Lüge der beiden über 70-Jährigen mit Frühlingsgefühlen. Während Rose (Cordula Trantow), die Schwester des Witwers, ihrem Bruder die Liaison ausreden will, umwerben sich die beiden. In all dem Liebesgeplänkel verschwindet auch noch Tarzan. Doch Ralph findet das entlaufene Hündchen wieder, was ihn einen großen Schritt weiter bringt in der Annäherung an seine Geliebte. Doch Pläne für eine gemeinsame Reise nach Mailand scheitern. Am Schluss deutet sich dennoch zart ein Happy End an.