Hainfeld RHEINPFALZ Plus Artikel Lydia Maria Bade: Eine Pianistin träumt vom fernen Osten

 Lydia Maria Bader
Lydia Maria Bader

In der Südpfalz gibt es Weinprinzessinnen, in China eine „German Piano Princess“: Lydia Maria Bader. Wie sie zu diesem ungewöhnlichen Titel kam, klärt sich am Samstag in Hainfeld.

Klaviermusik aus China? Da wird selbst den größten Fans klassischer Musik kaum ein Komponist einfallen. Und auch die Frage, wie das klingen mag, führt höchstens zu den fremd anmutenden Hörerlebnissen einer Peking-Oper. „Völlig falsch!“, bricht Lydia Maria Bader mit derart irregeleiteten Vorstellungen. Die junge Pianistin schwärmt: Die Kompositionen, die sie in ihrem fernöstlichen Programm zusammengetragen hat, seien durchaus vertraut, „nur noch schöner, melodiöser, eleganter, fließender“.

Bis zu ihrer ersten Konzertreise, die sie 2009 mit einem nordischen Programm aus skandinavischen und baltischen Kompositionen nach China führte, hatte sie allerdings selbst keine Ahnung von der klassischen Musikszene Chinas. Auf Empfehlung der Agentur habe sie ihre Konzerte damals immer mit einem kleinen chinesischen Stück, quasi als Gruß an das Gastland, eingeleitet und dabei gespürt, wie emotional und dankbar die Menschen reagierten und wie intensiv und berührend diese Musik wirkt.

„Schöne und ergreifende Melodien“

„Das sind wahnsinnig schöne, ergreifende, eingängige Melodien, die auch eine gewisse Leichtigkeit und sehr viel mit dem Element Wasser zu tun haben“, beschreibt Bader die kleinen Stücke, die sie seither gesammelt und in Verbindung mit westlichen Kompositionen im beliebten Chinoiserie-Stil auf eine CD gebrannt hat. Dieser Silberling mit dem Titel „Chinese Dreams“ sorgt seit zwei Jahren für Begeisterung in der westlichen Welt und wurde gerade in zwei Kategorien für den Opus Klassik nominiert.

Mittlerweile gilt die im Chiemgau geborene Pianistin, die an der Musikhochschule München, dem Conservatoire National Supérieur de Musique in Paris und der Kunstuniversität Graz studiert hat, als ausgewiesene Expertin fernöstlicher Klaviermusik. In China selbst wurde sie zur „German Piano Princess“ geadelt und zur „Kulturbotschafterin der Provinz Gansu ernannt. Dorthin verschlägt es eigentlich keine Touristen oder westlichen Musiker.

Kulturrevolution machte Tradition zunichte

Die junge Frau hat keine Berührungsängste. Auf langen privaten Reisen hat sie Land und Leute „auch jenseits von Flughafen, Hotel und Konzertsaal“ kennengelernt. „Das hat mich unglaublich beeindruckt, und all diese Bilder und Gefühle will ich nun mit den Menschen in meiner Heimat teilen. Weil mein Medium eben die Musik ist, kam es zu diesem Programm, das ich auch mit vielen Informationen moderiere.“

So können die Zuschauer en passant zum Musikgenuss erfahren, dass Shanghai schon im 20. Jahrhundert „eines der großen Musikzentren“ war, dass die europäische Musikliteratur schon damals eine große Rolle spielte und das Klavier dafür das beliebteste Musikinstrument war. Die Kulturrevolution, so gibt Bader Einblick in die Geschichte, habe diese Blüte gebrochen, denn alles, was europäisch klang, sei verboten worden.

Schöne Blumen, verwunschene Gärten und Wasserspiele

Die Begeisterung für das Piano habe sich jedoch nicht mehr unterdrücken lassen. Deshalb habe man den Komponisten erlaubt, weiterhin Klavierliteratur zu schreiben, dies jedoch unter der Bedingung, damit „die chinesische Nationalidentität zu transportieren. So also entstanden die kurzen Stücke, die ich wiederentdeckt habe, basierend auf chinesischen Volksliedern, aber mit westlichen Kompositionstechniken“, erzählt Bader.

Sie beschreiben die Natur, schöne Blumen, verwunschene Gärten und Wasserspiele, sind sehr romantisch und berühren in ihrer Anmut die Herzen. Trotz ihrer vermeintlichen Einfachheit sind sie sehr anspruchsvoll und loten alle Möglichkeiten aus, die das Klavier hergibt. „Nicht der virtuose Effekt, sondern ein ausgeprägtes Stilbewusstsein stehen bei ihrer Interpretation im Vordergrund.“

Im Westen bildete sich der Chinoiserie-Stil

Auch westliche Komponisten haben sich im 20. Jahrhundert mit chinesischen Stimmungsbildern beschäftigt und ihre exotischen Fantasien im sogenannten Chinoiserie-Stil niedergeschrieben. Fünf Traumdichtungen von Walter Niemann (1876-1953), vier Werke des US-Amerikaners Abram Chasins (1903-1987) und das „Lotus Land op. 47“ seines Landsmanns Cyril Scott (1879-1970) hat Lydia Maria Bader in ihr Programm mit chinesischer Musikliteratur eingewoben.

Natürlich ist die im hessischen Offenbach lebende Künstlerin schon neugierig darauf, wie diese west-östliche Melange in den Konzertsälen Chinas aufgenommen wird. Leider liegt die Kulturszene dort wegen Corona noch immer völlig am Boden. Bader selbst hat die Pandemie genutzt, um ihre Präsenz in den sozialen Medien zu intensivieren. Auf verschiedenen Kanälen (Instagram, Facebook und YouTube) gibt sie Einblicke in ihren vielseitigen Künstleralltag und unterhält die Online-Konzertreihe „Mondschein-Musik“.

Termin

Lydia Maria Bader: „Träume von Fernost – Klaviermusik aus und über China“ am Samstag, 16. Juli, 19 Uhr, Atelier 29 in Hainfeld. Es gibt Zusatztickets für den Innenhof. Vom 30. Juli bis 1. August folgt ein bulgarisches Wochenende mit einem Vortrag über Land, Kultur und Leute und Konzerten, Infos auf www.hainfeld-atelier.de.

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