Radsport RHEINPFALZ Plus Artikel LVM Saarland Trofeo: „Zeit, dass sich was dreht“ auf der Schlussetappe in Reinheim

Nach 112 Kilometern bejubelt der Australier Alistair Forsyth am Sonntag in Reinheim den Sieg auf der Schlussetappe der LVM Saarl
Nach 112 Kilometern bejubelt der Australier Alistair Forsyth am Sonntag in Reinheim den Sieg auf der Schlussetappe der LVM Saarland Trofeo vor dem Sieger der Gesamtrundfahrt, dem Norweger Sindre Orholm-Lonseth (rechts) und dem Slowenen Luka Maksimovic (verdeckt).

Gesamtsieger aus Norwegen, schnellster Sprinter aus Holland, bester Bergkletterer aus Österreich – und die Schlussetappe gewinnt ein Australier. Internationaler geht’s kaum.

Eine der vielen Facetten bei der 38. LVM Saarland Trofeo war das unterschiedliche Wetter. Am Donnerstag regnete es vor dem Start zur Etappe über 121 Kilometer nach Neunkirchen-Furpach. Fahren durften die Nachwuchspedaleure der Jahrgänge 2008 und 2009 danach im Trockenen, auch wenn es sich hintenraus wieder ordentlich zuzog und frisch wurde. Am Freitag, beim Grand Prix de la Moselle über 111,3 Kilometer durch Frankreich von Meisenthal nach Epping, erwischte es das Peloton dann richtig: Die komplette Etappe über, die der Niederländer Leon Brugman gewann, war es nass-kalt. „Da hab’ ich ganz schön gefroren“, gab Trofeo-Rennleiter Andreas Walzer zu, dass das Schauen aus dem Schiebedach des vorausfahrenden Jury-Autos nicht immer ein Quell der Freude war.

Die viertägige Rundfahrt für A-Junioren, die 38. LVM Saarland Trofeo, gewinnt am Sonntag der Norweger Sindre Orholm-Lonseth (Mit
Die viertägige Rundfahrt für A-Junioren, die 38. LVM Saarland Trofeo, gewinnt am Sonntag der Norweger Sindre Orholm-Lonseth (Mitte) vor dem Niederländer Splinter van’t Hoff (links) und dem Drittplatzierten, dem Schweden Elias Wändel (rechts).
Hatte am Samstag bei der Teamvorstellung auf dem Blieskasteler Paradeplatz schon gut lachen und am Sonntag erst recht: die norwe
Hatte am Samstag bei der Teamvorstellung auf dem Blieskasteler Paradeplatz schon gut lachen und am Sonntag erst recht: die norwegische Nationalmannschaft mit dem Träger des grünen Trikots des Gesamtführenden, Sindre Orholm-Lonseth.
Die dritte Etappe der 38. LVM Saarland Trofeo führte am Samstag auch durch Blieskastel. Hier fährt das Peloton – nach dem Start
Die dritte Etappe der 38. LVM Saarland Trofeo führte am Samstag auch durch Blieskastel. Hier fährt das Peloton – nach dem Start auf dem Paradeplatz – noch geschlossen und neutralisiert hinter Rennleiter Andreas Walzer (links im Autodach) die gepflasterte Gollensteinstraße hoch.
Nach dem Fahrerfeld: der lange Tross d mit den Materialwagen in Blieskasteler Gollensteinstraße.
Nach dem Fahrerfeld: der lange Tross d mit den Materialwagen in Blieskasteler Gollensteinstraße.
Das Peloton der A-Jugendlichen biegt auf der zweiten Runde am Samstag noch geschlossen in die Blieskasteler Tiergartenstraße ein
Das Peloton der A-Jugendlichen biegt auf der zweiten Runde am Samstag noch geschlossen in die Blieskasteler Tiergartenstraße ein.
Ab hier in der Blieskasteler Tiergartenstraße geht's länger bergauf für das Trofeo-Peloton.
Ab hier in der Blieskasteler Tiergartenstraße geht's länger bergauf für das Trofeo-Peloton.
Der Österreicher Michael Hettegger gewinnt die Bergwertung bei der 38. LVM Saarland Trofeo.
Der Österreicher Michael Hettegger gewinnt die Bergwertung bei der 38. LVM Saarland Trofeo.
Der Niederländer Liam Brugman gewinnt die Sprintwertung bei der 38. LVM Saarland Trofeo.
Der Niederländer Liam Brugman gewinnt die Sprintwertung bei der 38. LVM Saarland Trofeo.
Der Österreicher Michael Hettegger gewinnt die Kombiwertung bei der 38. LVM Saarland Trofeo.
Der Österreicher Michael Hettegger gewinnt die Kombiwertung bei der 38. LVM Saarland Trofeo.
Das Team der Niederlande gewinnt die Mannschaftswertung bei der 38. LVM Saarland Trofeo.
Das Team der Niederlande gewinnt die Mannschaftswertung bei der 38. LVM Saarland Trofeo.

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Das Wochenende im Bliesgau entschädigte dann alle für den verregneten Freitag: mit traumhaftem Wetter und strahlendem Sonnenschein um 24 Grad am Samstag und rund 21 Grad am Sonntag. Da machte die Teamvorstellung am Samstag vor der zweiten Halbetappe des Tages auf dem Blieskasteler Paradeplatz schon viel Spaß. Nicht wenige Zuschauer gönnten sich dabei ein Eis. Der frühere Organisationsleiter Wolfgang Degott hatte sich auch ein schattiges Plätzchen gesucht. Er war noch geplättet vom Zeitfahren am Morgen über zehn Kilometer bei Medelsheim. „Der Sieger, der Brite Leon Atkins, war der einzige Fahrer, der in 11:57 die zwölf Minuten geknackt hat. Das ist eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 50 Stundenkilometern“, staunte er.

Viel los in Blieskastel

In Blieskastel war auf der zweiten Halbetappe des Tages viel los, zahlreiche Zuschauer säumten besonders in den Bergaufpassagen am Schlossberg und der Gollensteinstraße (die mit dem Kopfsteinpflaster) den Straßenrand. Mal als Stehparty, mal mit Liegestühlen, häufig mit einem Glas Sekt in der Hand, wurden die Fahrer auf jeder der drei Durchfahrten bejubelt. Im Ziel in Biesingen setzte sich nach 93,5 Kilometern in 2:13,54 Stunden der Brite Finlay Storrie vor dem Schweden Elias Wändel und dem Niederländer Splinter van’t Hoff durch.

Im Zielbereich in Reinheim merkte der aufmerksame Beobachter schon, dass am Sonntag noch ein anderes sportliches Ereignis des Tages seine Schatten vorauswarf: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft stieg ja am Abend gegen Curaçao in die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko ein. Der ein oder andere der anwesenden rund 400 Trofeo-Zuschauer wärmte – bei den herrschenden Temperaturen ganz einfach – schon mal sein schwarz-rot-goldenes Trikot an. Aus den Lautsprecherboxen dudelte – auch für die Radler passend – der alte Grönemeyer- WM-Song „Zeit, dass sich was dreht“. Zwischendurch versuchte sich eine Familie mal mit einem Probe-Zielsprint. Sie nahmen etwas Anlauf, dann sauste erst ein kleiner Radler auf seinem Mountainbike über die Ziellinie, dahinter der Papa, mit der jüngeren Tochter auf einem Sitz am Lenker – unter dem lauten Jubel der Zuschauer.

Norweger haben alles im Griff

Auf der Strecke der 112 Kilometer langen Schlussetappe von Habkirchen nach Reinheim hatte derweil die norwegische Nationalmannschaft jederzeit alles im Griff. Sie passte bei den zahlreichen Ausreißversuchen genau auf und schützte ihren Führenden im Gesamtklassement Sindre Orholm-Lonseth. Das klappte: Der Australier Alistair Forsyth gewann zwar die Etappe, Orholm-Lonseth überrollte die Ziellinie aber als Zweiter. Er gewann damit die viertägige Rundfahrt und erhielt sowohl den Siegespokal als auch die extra gefertigte Vase aus der französischen Glasbläsergemeinde Meisenthal. Nur auf die Aufforderung seiner Teamkameraden, doch die Nationalhymne mitzusingen, antwortete er bei der Siegerehrung mit einem schüchternen Lächeln. Dafür sangen die Teamkollegen vor der Bühne lautstark mit.

Der neue Trofeo-Organisationsleiter Christoph Kaldenhoff zog am Ende ein zufriedenes Fazit der Rundfahrt, trotz auch schwerer Stürze. Am Freitag hatte sich dabei ein deutscher Fahrer das Schlüsselbein gebrochen und einige Bänder in der Schulter gerissen, er musste mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden. „Es war eine erfolgreiche Rundfahrt, die von den Zuschauern gut angenommen wurde. Die Stimmung an der Strecke war super; auch dank des guten Wetters am Samstag und Sonntag“, sagt der 45-jährige Niederwürzbacher zufrieden, der in der Saarbrücker Firma „Hezo“ seines Bruders, die Fahrradschuhe aus dem 3D-Drucker herstellt, für Support und Vertrieb zuständig ist.

Wenn Sie wissen wollen, wie die Trofeo-Etappen zustandekommen, lesen Sie es hier nach.

Endstand 38. LVM Trofeo

  • Gesamtwertung: 1. Sindre Orholm-Lonseth (Norwegen) 10:7,01 Stunden; 2. Splinter van’t Hoff (Niederlande) +00:21 sec; 3. Elias Wändel (Schweden) +00:40; 4. Finlay Storrie (Großbritannien) +00:57; 5. Alistair Forsyth (Australien) +00:59; 6. Lenny Karstedt (Radsportverband Thüringen) +1:10 min; 7. Daniel Kubena (Tschechien) +1:13; 8. Gijs Winters (Niederlande) +1:15; 9. Luka Maksimovic (Slowenien) + 1:20; 10. Sebastian Suppi (Estland) + 1:35

  • Sprintwertung: 1. Liam Brugman (Niederlande)
  • Bergwertung und Kombiwertung Sprint/Berg: 1. Michael Hettegger (Österreich)
  • Beste Mannschaft: Niederlande
  • Bester jüngster Fahrer des Jahrgangs 2009: 1. Finlay Storrie (Großbritannien).
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