Radsport
LVM Saarland Trofeo: „Zeit, dass sich was dreht“ auf der Schlussetappe in Reinheim
Eine der vielen Facetten bei der 38. LVM Saarland Trofeo war das unterschiedliche Wetter. Am Donnerstag regnete es vor dem Start zur Etappe über 121 Kilometer nach Neunkirchen-Furpach. Fahren durften die Nachwuchspedaleure der Jahrgänge 2008 und 2009 danach im Trockenen, auch wenn es sich hintenraus wieder ordentlich zuzog und frisch wurde. Am Freitag, beim Grand Prix de la Moselle über 111,3 Kilometer durch Frankreich von Meisenthal nach Epping, erwischte es das Peloton dann richtig: Die komplette Etappe über, die der Niederländer Leon Brugman gewann, war es nass-kalt. „Da hab’ ich ganz schön gefroren“, gab Trofeo-Rennleiter Andreas Walzer zu, dass das Schauen aus dem Schiebedach des vorausfahrenden Jury-Autos nicht immer ein Quell der Freude war.
Das Wochenende im Bliesgau entschädigte dann alle für den verregneten Freitag: mit traumhaftem Wetter und strahlendem Sonnenschein um 24 Grad am Samstag und rund 21 Grad am Sonntag. Da machte die Teamvorstellung am Samstag vor der zweiten Halbetappe des Tages auf dem Blieskasteler Paradeplatz schon viel Spaß. Nicht wenige Zuschauer gönnten sich dabei ein Eis. Der frühere Organisationsleiter Wolfgang Degott hatte sich auch ein schattiges Plätzchen gesucht. Er war noch geplättet vom Zeitfahren am Morgen über zehn Kilometer bei Medelsheim. „Der Sieger, der Brite Leon Atkins, war der einzige Fahrer, der in 11:57 die zwölf Minuten geknackt hat. Das ist eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 50 Stundenkilometern“, staunte er.
Viel los in Blieskastel
In Blieskastel war auf der zweiten Halbetappe des Tages viel los, zahlreiche Zuschauer säumten besonders in den Bergaufpassagen am Schlossberg und der Gollensteinstraße (die mit dem Kopfsteinpflaster) den Straßenrand. Mal als Stehparty, mal mit Liegestühlen, häufig mit einem Glas Sekt in der Hand, wurden die Fahrer auf jeder der drei Durchfahrten bejubelt. Im Ziel in Biesingen setzte sich nach 93,5 Kilometern in 2:13,54 Stunden der Brite Finlay Storrie vor dem Schweden Elias Wändel und dem Niederländer Splinter van’t Hoff durch.
Im Zielbereich in Reinheim merkte der aufmerksame Beobachter schon, dass am Sonntag noch ein anderes sportliches Ereignis des Tages seine Schatten vorauswarf: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft stieg ja am Abend gegen Curaçao in die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko ein. Der ein oder andere der anwesenden rund 400 Trofeo-Zuschauer wärmte – bei den herrschenden Temperaturen ganz einfach – schon mal sein schwarz-rot-goldenes Trikot an. Aus den Lautsprecherboxen dudelte – auch für die Radler passend – der alte Grönemeyer- WM-Song „Zeit, dass sich was dreht“. Zwischendurch versuchte sich eine Familie mal mit einem Probe-Zielsprint. Sie nahmen etwas Anlauf, dann sauste erst ein kleiner Radler auf seinem Mountainbike über die Ziellinie, dahinter der Papa, mit der jüngeren Tochter auf einem Sitz am Lenker – unter dem lauten Jubel der Zuschauer.
Norweger haben alles im Griff
Auf der Strecke der 112 Kilometer langen Schlussetappe von Habkirchen nach Reinheim hatte derweil die norwegische Nationalmannschaft jederzeit alles im Griff. Sie passte bei den zahlreichen Ausreißversuchen genau auf und schützte ihren Führenden im Gesamtklassement Sindre Orholm-Lonseth. Das klappte: Der Australier Alistair Forsyth gewann zwar die Etappe, Orholm-Lonseth überrollte die Ziellinie aber als Zweiter. Er gewann damit die viertägige Rundfahrt und erhielt sowohl den Siegespokal als auch die extra gefertigte Vase aus der französischen Glasbläsergemeinde Meisenthal. Nur auf die Aufforderung seiner Teamkameraden, doch die Nationalhymne mitzusingen, antwortete er bei der Siegerehrung mit einem schüchternen Lächeln. Dafür sangen die Teamkollegen vor der Bühne lautstark mit.
Der neue Trofeo-Organisationsleiter Christoph Kaldenhoff zog am Ende ein zufriedenes Fazit der Rundfahrt, trotz auch schwerer Stürze. Am Freitag hatte sich dabei ein deutscher Fahrer das Schlüsselbein gebrochen und einige Bänder in der Schulter gerissen, er musste mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden. „Es war eine erfolgreiche Rundfahrt, die von den Zuschauern gut angenommen wurde. Die Stimmung an der Strecke war super; auch dank des guten Wetters am Samstag und Sonntag“, sagt der 45-jährige Niederwürzbacher zufrieden, der in der Saarbrücker Firma „Hezo“ seines Bruders, die Fahrradschuhe aus dem 3D-Drucker herstellt, für Support und Vertrieb zuständig ist.
Wenn Sie wissen wollen, wie die Trofeo-Etappen zustandekommen, lesen Sie es hier nach.
Endstand 38. LVM Trofeo
- Gesamtwertung: 1. Sindre Orholm-Lonseth (Norwegen) 10:7,01 Stunden; 2. Splinter van’t Hoff (Niederlande) +00:21 sec; 3. Elias Wändel (Schweden) +00:40; 4. Finlay Storrie (Großbritannien) +00:57; 5. Alistair Forsyth (Australien) +00:59; 6. Lenny Karstedt (Radsportverband Thüringen) +1:10 min; 7. Daniel Kubena (Tschechien) +1:13; 8. Gijs Winters (Niederlande) +1:15; 9. Luka Maksimovic (Slowenien) + 1:20; 10. Sebastian Suppi (Estland) + 1:35
- Sprintwertung: 1. Liam Brugman (Niederlande)
- Bergwertung und Kombiwertung Sprint/Berg: 1. Michael Hettegger (Österreich)
- Beste Mannschaft: Niederlande
- Bester jüngster Fahrer des Jahrgangs 2009: 1. Finlay Storrie (Großbritannien).