Reportage RHEINPFALZ Plus Artikel U19-Radrennen im Bliesgau: Wie Andreas Walzer die Trofeo-Strecken zusammenstellt

Beim Verkehrsschild „Fahrradverbot“ muss er doch lachen: Andreas Walzer ist seit 2023 Rennleiter des U19-Radrennens LVM Saarland
Beim Verkehrsschild »Fahrradverbot« muss er doch lachen: Andreas Walzer ist seit 2023 Rennleiter des U19-Radrennens LVM Saarland Trofeo durch den Bliesgau. 2026 startet die 38. Auflage. Hier steht der 56-Jährige an einer Schlüsselstelle der zweiten Samstagsetappe, dem Anstieg über Kopfsteinpflaster in der Blieskasteler Gollensteinstraße.

Seit 2023 ist der 56-Jährige Rennleiter der LVM Saarland Trofeo. Die 38. Auflage durch den Bliesgau und Frankreich steigt vom 11. bis 14. Juni. Was er alles beachten muss.

Gut gelaunt steigt Andreas Walzer an diesem Samstagmorgen Mitte April in sein Auto. Der Rennleiter der LVM Saarland Trofeo will mit der RHEINPFALZ eine Etappe des A-Junioren-Radrennens abfahren. Und nebenbei erklären, wie er Jahr für Jahr die einzelnen Etappen zusammenstellt, immer wieder neue Strecken im Bliesgau und der Umgebung findet, was die Regeln bezüglich solcher U19-Radrennen vorgeben – und wo auch Schwierigkeiten liegen.

„Wir legen immer am Ende des Jahres mit der Streckenplanung fürs nächste Jahr los, so Ende November, Anfang Dezember“, erzählt Walzer hinter dem Lenkrad seines Wagens. Es geht von seinem Wohnort Homburg-Schwarzenbach in Richtung Blieskastel, wo in diesem Jahr am Samstag, 13. Juni, die zweite Teiletappe des Tages stattfindet. Von Blieskastel nach Biesingen, an der Firma von Sponsor Terrag vorbei, über Erfweiler, am Golfplatz bei Rubenheim vorbei ins Ziel nach Biesingen. So eine Etappenplanung bleibe aber ein dynamischer Prozess. Immer mal wieder müsse eine Strecke noch geändert und korrigiert werden – aus verschiedensten Gründen und Unwägbarkeiten, so Walzer.

Kleine Umleitung in Blieskastel durch Baustelle

Wie auch diese dritte Etappe des Vier-Tages-Rennens der renommierten UCI Nations Cup-Serie in Blieskastel. „Wir starten neutralisiert auf dem Blieskasteler Schlossplatz. Wir wollten eigentlich am Gymnasium den Schlossberg hochfahren, haben aber einen Tipp aus dem Bauamt bekommen, dass da eine Baustelle sein wird“, berichtet Walzer. Also umplanen: erst mal auf die B423, dann wieder zurück in die Stadt, etwas oberhalb auf die Schlossbergstraße.

Kurz darauf hält Walzer an einem Stich die Gollensteinstraße hinauf an und steigt aus. „Der Stelle sieht man gar nicht an, wie steil es hier ist. 15 bis 16 Prozent“, schätzt er mit Blick auf das Kopfsteinpflaster. Und muss beim Fahrradverbot-Schild am oberen Ende der Straße lachen: „Gilt an unserem Samstag nicht.“ GPS-Daten über die gesamte Strecke, also auch diese heftige Steigung, und das Rundfahrtbuch gehen den Sportlichen Leitern der 22, 23 startenden National- und Regionalteams rechtzeitig zu.

Regularien, um junge Heißsporne zu schützen

Weiter geht’s über den Ziegelhütter Weg zurück zur B423. „Hier oben wird eine Bergwertung sein“, erläutert Walzer. Die Bankette des Straßenbelags danach findet er zwar nicht so toll, „aber die Jungs fahren beim Nations Cup auch Paris - Roubaix, die sind sowas gewohnt“. Generell sei es aber genau sein Job, die extrem motivierten Nachwuchsrennfahrer, die vielfach schon in Farmteams der Profirennställe unterwegs sind, etwas zu bremsen. „Wenn es nach denen geht, könntest du jeden Tag 160 Kilometer mit 3000 Höhenmetern fahren. Aber es sind ja immer noch Junioren“, sagt er schmunzelnd. Gerade der Samstag und Sonntag seien für die Jungs extrem anstrengend. „Aufstehen um 6, 7 Uhr, danach Zeitfahren, um 12 Uhr ist Siegerehrung, um 15 Uhr geht’s dann schon weiter. Abends um 18 Uhr ist da von denen noch keiner massiert, geschweige denn geduscht, oder hat was gegessen“, verdeutlicht er.

Es gelten daher seitens des Weltradsportverbands UCI strenge Regeln, um die 17- bis 18-Jährigen nicht zu überlasten: Ein Etappenrennen darf maximal vier Tage dauern. Eine Straßenetappe darf maximal 140 Kilometer lang sein, im Durchschnitt soll die Tagesdistanz 120 Kilometer nicht überschreiten. Ein Einzelzeitfahren darf höchstens 30 Kilometer lang sein, als Halbetappe wie bei der Trofeo nur 15 Kilometer. Und für die Jugendlichen gilt: Wer bei einer Etappe aus der Karenzzeit fällt, darf am Tag darauf nicht mehr starten.

Walzer fährt heute selbst gerne Gravel Bike

Es ist Walzers Job, auf die Einhaltung dieser Regularien zu achten. Das kann er bestens: Der Olympia-Sieger von 1992 im Bahnvierer und mehrmalige deutsche Meister kennt die Straßen im Bliesgau seit seiner Jugend wie seine Westentasche. Noch heute legt der Global Director Pro Sports der Fahrrad-Firma Canyon neben Krafttraining und Laufen zwischen 12.000 und 15.000 Kilometer pro Jahr auf dem Rad zurück. Wie unlängst 150 Kilometer bei einem Rennen auf seinem Gravel Bike am Wörthersee oder kurz danach 200 Kilometer bei Girona. „Ich bin da aber nicht mehr so ehrgeizig wie früher“, sagt er verschmitzt.

Unwägbarkeiten bei der Streckenplanung gebe es immer, plaudert er entspannt auf dem Weg zum Zielort Biesingen. Wie etwa diverse Erdrutsche nach dem Pfingsthochwasser 2024. In diesem Jahr sei der Donnerstag kein Feiertag, da sei mit deutlich mehr Verkehr auf den Straßen zu rechnen. Auch zu sperrende Autobahnauffahrten gelte es zu vermeiden, „und Bahnübergänge scheuen wir ohnehin wie der Teufel das Weihwasser“, erklärt Walzer. Die seien einfach viel zu gefährlich.

Zielankünfte sind immer eine prekäre Sache

Er fährt wieder rechts ran, parkt. Die Zieleinfahrt in Biesingen hat ihm auch nicht ganz gefallen, „aber wir haben hier keine andere Wahl“, sagt er. Die Jugendlichen seinen auf den Runden zuvor aber ja schon viermal hier vorbeigekommen, „die kennen das dann schon“.

Auch die Zielankunft der Etappe, die im französischen Epping endet, hat er sich unlängst noch mal genauer angeschaut und abgeändert. „Da gab es kurz vorher eine rechtwinklige Kurve, und es war zu eng. Vor dem jetzigen Ziel gibt es eine Rampe. Da zieht sich das Feld noch mal auseinander, und das Tempo geht runter“, erklärt er. Anders als bei der Zieleinfahrt im Vorjahr in Ballweiler, als er mit zwei, drei Fahrern vorne rechnete – und es doch zu einem Massensprint mit 50 Jugendlichen kam. „Da ist die Sturzgefahr einfach enorm groß“, weiß Walzer.

Die Trofeo hat er im Übrigen nie selbst gefahren. „In meinem letzten Juniorenjahr war die erste Trofeo. Und ich saß im Chemiesaal der Christian-Weber-Schule in Homburg“, erzählt er auf dem Rückweg nach Homburg. Etappe beendet, er steigt aus, verabschiedet sich freundlich – und steigt danach noch mal für vier Stunden selbst aufs Rad.

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