Karlsruhe RHEINPFALZ Plus Artikel Luise Volkmann beschwört im Tollhaus den Geist der 68er

Mit Été Large hat Luise Volkmann die zweite Platte „When the Birds Upraise the Choir“ aufgenommen.
Mit Été Large hat Luise Volkmann die zweite Platte »When the Birds Upraise the Choir« aufgenommen.

Ein Denkmal die 68er-Generation ihrer Eltern hat die Luise Volkmann mit ihrem Ensemble Été Large eingespielt: „When the Birds Upraise the Choir“ ist ein Album, das zwischen Rock, Oper und Free Jazz oszilliert und dabei doch schlüssig wirkt. In der Reihe Feminine Perspectives in Jazz kommt sie mit der Band nach Karlsruhe ins Tollhaus.

Die Musik ist so divers, wie es auch die 13-köpfige Besetzung der Formation Été Large ist: Es gibt Cello und Kontrabass ebenso wie Posaunen und Saxofone, ein Rockgitarre, eine Querflöte, natürlich auch Keyboards und Schlagzeug und zwei ganz unterschiedliche Stimmen. Da ist zum einen die harte, sehr durchsetzungsfähige Stimme von Sängerin Casey Moir, zum andern der ausgebildete Opernsänger mit weicher Tenorstimme, Laurin Oppermann.

Kopf des Ganzen ist Luise Volkmann. Sie hat Saxofon und Komposition in Leipzig, Paris und Köln studiert. Sie arbeitet im Bereich zeitgenössischer Komposition ebenso wie in der improvisierten Musik, kennt dabei keine Grenzen und verbindet mühelos Zeiten und Genres zu neuen Klängen. Mit Été Large hat sie 2017 das erste Album „Eudaimonia“ veröffentlicht, das von der Kritik durchweg hoch gelobt wurde. Insbesondere der Überschneidung von Kammermusik und Jazz, von Arrangement und Freiräumen fand Anerkennung.

Film über WG-Leben entstanden

Das aktuelle Album „When the Birds Upraise the Choir“ ist eine Hommage an die 68er-Generation, welche die 1992 geborene Musikerin vor allem über ihren Vater kennengelernt hat. Ihr Vater, Jürgen Volkmann, Jahrgang 1950, war zunächst Facharbeiter, holte dann sein Abitur nach, wurde Fotodesigner und hat als Pressefotograf gearbeitet.

Er hat länger in einer WG gelebt, einige Mitglieder hat Luise Volkmann gut kennengelernt. Aus ihren Recherchen zu Zeit und Lebensgefühl der 68er hat sie einen Film gemacht, der auf ihrem Youtube-Kanal zu finden ist. Dafür hat sie Interviews mit dem Vater und seinen WG-Genossen aufgezeichnet. Wir hören, welche große Rolle Musik gespielt hat, wie die damaligen jungen Leute kilometerweit gelaufen sind, um Jimi Hendrix zu hören, oder das neue Cream-Album zu bekommen.

Plattenschrank des Vaters gut studiert

Auch Vaters Plattenschrank hat die Tochter gut studiert – aber diese Musik nicht einfach adaptiert, sondern künstlerisch hoch spannend verarbeitet. So blitzen in den Stücken des Albums immer wieder Sounds und Wendungen auf, deren Herkunft man erahnen kann. Stellenweise klingt das nach Progressive Rock, aber genauso nach Fusion Jazz, nach Oper und Rezitativ.

In die Melange bringen die Musiker ihre eigenen Erfahrungen ein, die Luise Volkmann offenbar wunderbar in ihre Arrangements zu integrieren versteht. Casey Moir hat zuerst Rock gesungen, Laurin Oppermann hat klassisch gesungen, Gitarrist Paul Jarrett ist mit Led Zeppelin aufgewachsen.

Mit Jarrett und der Rhythmusgruppe hat Volkmann zuerst geprobt, um ein Gefühl für Rock zu bekommen. Dann hat sie viele Monate lang an den Stücken ihres Albums gearbeitet. Und ihr ist es gelungen, den Gestus und das Gefühl der 68er aus ihrer Perspektive mit ihrer eigenen musikalischen Sprache darzustellen. Und das klingt sehr spannend. Die große Besetzung entwickelt eine enorme Energie und einen ganz großen Sound.

Termin

Karlsruhe Tollhaus, Samstag, 27. November, 20 Uhr. Es gilt 2G, Maske ist Pflicht.

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