Rheinpfalz
Ludwigswinkel tafelt zum 300. Geburtstag seines Gründers
So ein 300. Geburtstag ist ein Anlass, an dem es ruhig auch mal größer sein darf. Das dachte sich das kleine Ludwigswinkel am 15. Dezember und feierte den Geburtstag des Dorfgründers Ludwig IX. mit einer Landgrafentafel und 80 Gästen aus nah und fern. 1783 hatte der Landgraf von Pirmasens aus das Dorf gegründet.
Die Pirmasenser hatten ihren Stadtgründer mit einem Geburtstagskuchen und Schokotalern gefeiert. In Ludwigswinkel wurde richtig lang getafelt zum 300. Wiegenfeste des Landgrafen. Ohne Ludwig IX. gäbe es wohl zwischen Reislerhof und Fischbach auch heute noch nichts außer Wald und Weihern. 1783 wurde das Dorf offiziell gegründet. Die ersten Häuser der Kolonie Ludwigswinkel gab es aber schon Jahre vorher, wie der Ortschronik zu entnehmen ist. Um 1730 kamen bereits die ersten Siedler, die allerdings mit Tücken zu kämpfen hatten. Der Sandboden war nicht so ertragreich wie andernorts.
Die Siedler kamen aus der ganzen Region. Schlettenbach, Lichtenberg, Mimbach, Thaleischweiler, Pirmasens, Herschberg, Hinterweidenthal und Hattweiler werden in der Ortschronik als Herkunftsorte der ersten Ludwigswinkler genannt. Ob der Landgraf je in dem nach ihm benannten Ludwigswinkel war, ist fraglich, wie der heutige Bürgermeister Sebald Liesenfeld erzählt. Und warum ausgerechnet Ludwigswinkel gegründet wurde, bleibt auch im Dunkel der Geschichte. Es ist jetzt aber da und lässt sich urkundlich auf den Landgrafen zurückführen, was dann auch zu feiern war am 15. Dezember. Einen steinernen Zeugen der vergangenen Zeit gibt es noch im Ort: Das Haus Leyenberger in der Ortsmitte wurde laut Inschrift im Türsturz 1783 erbaut, konnte dank des Engagements des Bausachverständigen Helmut Striffler erhalten werden und erzählt von der Zeit der Dorfgründung.
Tafeln wie zu Ludwigs Zeiten
Die Ludwigswinkler hatten eine Tafel wie zu landgräflichen Zeiten zusammengestellt. Brot und Schmalz, Linsensuppe mit magerem Speck, Rinder- und Schweinebraten mit „Tartoffelknödeln“ sowie eine Buttermilch-Mousse wurden serviert. Gekrönt wurde das ausgiebige Mahl mit einem Rosenkuchen à la Karoline, benannt nach der Gattin des Landgrafen. Als Tafelwasser gab es die Ludwigswinkler Rösselsquelle und einen Grenadierstrunk.
Wie es dereinst üblich gewesen sein soll, mussten die Gäste erst im Foyer warten, um gemeinsam in den Saal einzuziehen. Dort wurden nicht nur die Speisen gereicht, sondern auch mit Anekdoten aus der Zeit des Barock und Rokoko kurzweilige Unterhaltung geboten. Immerhin hatte Hofmeisterin Anke Vogel zahlreiches Gesinde aufgeboten.
Die vom Landgrafen geliebte Marschmusik kam ebenfalls nicht zu kurz an dem Abend. Neben dem Ortsbürgermeister mit Gattin waren Landrätin Susanne Ganster, Verbandsbürgermeister Michael Zwick, der Pirmasenser Oberbürgermeister Markus Zwick sowie die Ludwigswinkler Beigeordneten Ruven Fritzinger und Dieter Buchmann zugegen und weitere Gäste aus Obersteinbach und dem Sauertal.