Rheinpfalz Leuchtturm in den Startlöchern

Das frühere Firmen-Areal wird zu einem modernen Wohnquartier umgewandelt. 2029 soll alles fertig sein.
Das frühere Firmen-Areal wird zu einem modernen Wohnquartier umgewandelt. 2029 soll alles fertig sein.

Im Kaiserslauterer Rathaus ging am Montag die Auftaktveranstaltung für die Fördermaßnahme Solares Bauen/Energieeffiziente Stadt über die Bühne. Dabei wurde erläutert, wie die Entwicklung des Pfaff-Areals nach neuestem technischen Stand aussehen wird. Das Projekt soll bundesweit ausstrahlen.

Bis zum Jahr 2029 soll das Pfaff-Areal an der Königstraße zu einem klimaneutralen Quartier entwickelt werden, was bedeutet, dass es in Sachen Energieverbrauch ohne Kohlendioxidausstoß auskommen soll. Das sogenannte Leuchtturmprojekt „EnStadt:Pfaff“ wird in den kommenden fünf Jahren mit Bundesmitteln in Höhe von 23 Millionen Euro bezuschusst. 16 Millionen Euro kommen vom Bundeswirtschaftsministerium, sieben Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Neun Partner sind im Boot und zeigen, wie auf dem Areal mit einem hohen Anteil eigenerzeugter erneuerbarer Energie und innovativen Technologien die Energiewende umgesetzt werden kann. Die Sektoren Strom, Wärme, Kälte und Mobilität werden dabei nicht separat betrachtet, sondern abgestimmt. Dabei sollen neue Technologien in Sachen Energieversorgung, Gebäude, Elektromobilität und Digitalisierung entwickelt werden, wobei sämtliche Erzeuger, Wandler, Speicher und Verbraucher mit Sensoren ausgestattet werden. Die Daten werden dann zur effizienten Steuerung der Strom- und Wärmenetze genutzt. Es gibt Konzepte zur Gewinnung von Strom aus Solarflächen, das Wärmenetz ist als Niedertemperaturnetz geplant, das einen Austausch von Energiemengen zwischen Netz und Gebäuden ermöglicht. Das frühere Pfaff-Gelände ist eines von sechs Projekten, die über die Fördermaßnahme Solares Bauen/Energieeffiziente Stadt vom Bund bezuschusst werden. Frank Heidrich, Ministerialdirigent im Bundeswirtschaftsministerium, erklärte am Montag im Ratssaal, das Pfaff-Gelände sei das größte der sechs Projekte. Nach den Worten von Bettina Dech-Pschorn, Leiterin des städtischen Umweltreferats, ist der Endausbau des Areals für das Jahr 2029 prognostiziert. Das Projekt „EnStadt:Pfaff“ laufe bis September 2022. Während in dieser Zeitspanne die Entwicklung und Optimierung von Technologien im Vordergrund stehe, gehe es von Oktober 2022 bis September 2027 um ein Monitoring und Betriebsoptimierung. Dabei wolle man sehen, wie die Nutzer, sprich die Bewohner des Areals, mit den Technologien zurechtkommen. Wie Gerhard Stryi-Hipp, wissenschaftlicher Projektleiter vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg, ausführte, wird es bei der Strom- und Wärmeversorgung einen hohen Anteil vor Ort erzeugter erneuerbarer Energien geben. „Einfach Ökostrom aus dem Netz zu beziehen, so einfach werden wir es uns nicht machen“, betonte er. Ebenso werde man sich Gedanken darüber machen, wie das Mobilitätssystem nach dem Jahr 2029 aussehe und dies in die Planungen einfließen lassen. Dabei gehe es beispielsweise um Elektromobilität, etwa um innovative Konzepte für die Ladeinfrastruktur. Die Umwandlung des früheren Industrieareals sei ein außergewöhnliches Projekt, bei dem versucht werde, zu sehen, wie Bauleit- und Energieplanung harmonieren, sagte Stryi-Hipp weiter. Es sei ein Leuchtturmprojekt für die Stadt, es solle Nachahmer in Rheinland-Pfalz und in ganz Deutschland finden. Die Erfahrungen aus dem Pfaff-Gelände würden so aufbereitet, dass sie nutzbar für andere Planungen sind. Oberbürgermeister Klaus Weichel sieht in dem Projekt auf 20 Hektar mitten in der Stadt und in der Nähe zur Universität und Forschungseinrichtungen eine „unglaubliche Chance“, es habe aber auch Risiken. Die Vorbereitungen für die Altlastensanierung habe drei Jahre mit vielen Gesprächen mit Ministerien beansprucht.

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