Rheinpfalz Letzte Stufe vor dem Streik

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«Mannheim.» Die IG Metall hat gestern nach zwei Warnstreikwochen 4000 Arbeitnehmer in Mannheim mobilisiert. Zwei Demonstrationszüge aus dem Norden und Süden der Stadt endeten auf dem Marktplatz, wo die zentrale Kundgebung stattgefunden hat. Sie begann sinnbildlich um „fünf vor zwölf“.

Die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie sind in der vierten Runde. Um ihrer Forderung nach sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt für alle sowie flexibleren Arbeitszeiten Nachdruck zu verleihen, gingen die Arbeitnehmer auf die Straße. „Wenn sich am Donnerstag erkennen lässt, dass die Arbeitgeberseite ihren Kurs ernsthaft ändert, dann werden wir übers Wochenende weiter verhandeln. Ansonsten werden Anfang Februar in ausgewählten Betrieben 24-Stunden-Streiks folgen“, sagte im Anschluss an die Kundgebung Klaus Stein, 1. Bevollmächtigter und Geschäftsführer der IG Metall Mannheim, gegenüber der RHEINPFALZ. Zuvor hatte Stein unter dem Beifall der Demonstrierenden deutlich das Missfallen der Metaller über den bisherigen Verlauf der Verhandlungen zum Ausdruck gebracht. „Wir sind bislang eben nicht auf einem guten Weg“, rief Stein und nannte es „geradezu menschenverachtend, wenn die Arbeitgeberseite argumentiert, sie wolle Menschen nicht fürs Nichtstun bezahlen“. Hintergrund: Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit für bis zu zwei Jahre auf maximal 28 Stunden absenken zu können, einschließlich Entgeltzuschüssen für besondere Lebenssituationen wie Pflege von Angehörigen oder Kindererziehung. Stein: „Ist das Nichtstun?“ Auch für Schichtarbeiter fordert die IG Metall flexible Arbeitszeiten mit entsprechendem Teillohnausgleich. „Für diese Kollegen gibt es im Gegensatz zu früher keine Seniorenarbeitsplätze mehr. Daher brauchen wir mehr Freischichten, damit auch ältere Mitarbeiter diese belastende Tätigkeit schaffen können“, sagte der Gewerkschafter vor den rund 4000 Beschäftigten auf dem Marktplatz. Für den geschäftsführenden Vorstand der IG Metall ergriff Hauptkassierer Jürgen Kerner das Wort. Mannheim mit eingerechnet, hätten sich mittlerweile über 800.000 Menschen den bundesweiten Warnstreiks angeschlossen. Das sei ein starkes Zeichen der Solidarität. In Mannheim waren es offenbar etwa 10.000 Menschen. „Sechs Prozent Tariferhöhung sind angesichts des Rekordhochs an der Börse und der fetten Gewinne, die die Unternehmen erwirtschaften, recht und billig. Wir lassen uns nicht mit zwei Prozent plus abspeisen“, rief Kerner und forderte die Demonstranten auf zu zeigen, was sie von diesem Angebot halten. Ein gellendes Pfeifkonzert folgte. Zudem kritisierte auch er scharf die Haltung der Arbeitgeber, die geforderten Entgeltzuschüsse im Rahmen flexibler Arbeitszeiten als „Bezahlen fürs Nichtstun“ zu bezeichnen. Die Arbeitgeber würden damit die Themen Pflege von Angehörigen oder Kinderbetreuung auf den Gesetzgeber abwälzen. „Dabei haben wir im Moment nicht mal eine Regierung in Berlin“, rief er. Die Metaller wären noch nie streiklustig gewesen und nach wie vor gesprächsbereit. Allerdings sende man mit den Warnstreiks und Kundgebungen ein kraftvolles Signal an die Arbeitgeberseite und zugleich die deutliche Aufforderung, sich zu bewegen, sonst sei Schluss mit den Gesprächen am Verhandlungstisch.

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