Rheinpfalz leserbrief an die Lokalredaktion:

Es geht mir nicht nur um den Wald der Gemeinde Erlenbach geht, sondern ich möchte meine Zeilen in Bezug auf den gesamten Pfälzerwald verstanden wissen. Wer sich objektiv in weiten Teilen unseres Pfälzerwaldes bewegt, kann die nicht mehr nachhaltig zu nennende Abholzung und Zerstörung unseres Waldes leicht erkennen. Landauf, landab erscheinen in den Lokalzeitungen ähnliche Informationen und Aussagen. Der Erfolg eines Försters macht sich an einer Geldbilanz fest. Die Politik will es offenbar so, die Forstwirtschaft denkt inzwischen ebenfalls so. Dabei wird in den Berichten stets auf die ökologische Verträglichkeit der Wirtschaftsergebnisse hingewiesen. Diese Hinweise sind oft Indizien für das dahinter liegende Verständnis derartiger Aussagen. So wird in Berichten auf den erfreulichen Umstand hingewiesen, dass zum Beispiel fünf Prozent eines Waldes aus der Nutzung genommen wird. In diesem Zusammenhang muss aber deutlich gemacht werden, dass für jeden Prozentsatz, der aus der Bewirtschaftung genommen werde, der Rest entsprechend stärker bewirtschaftet wird. Warum eigentlich? Können doch die wirtschaftlichen Ergebnisse von staatlichen Investitionen mit den Erfolgskennziffern Wirtschaftlichkeit, Rentabilität und Produktivität in der Regel nicht ermittelt werden – was den Wald betrifft, schon gar nicht. Eine eigentlich vorzunehmende Nutzen-Kosten-Analyse gibt keine rechnerisch nachprüfbare Entscheidungsgrundlage, weil indirekte Nutzen und Kosten quantitativ nicht feststellbar sind. Nutzen-Kosten-Analysen bewerten Investitionsentscheidungen nach dem Opportunitätskostenprinzip. Deshalb ist die Aussage der Förster/Forstämter nicht nur sachlich falsch, sondern auch ein falsche Signal an die Waldbesitzer. Man darf sich in seinen politischen Entscheidungen nicht ausschließlich von Geldflüssen lenken lassen. Daran ändert auch die jüngste Bundeswaldinventur nichts. Inventuren liegen gewöhnlich Daten zu Grunde. Daten können gemessen, geschätzt oder aus beiden Verfahren kombiniert werden. Im Wald ist das so, weil nicht alles messbar ist, wie bei der Konstruktion eines Gebäudes. Statistik ist eine Welt für sich. Es kommt schon darauf an, welche Parameter wie und mit welcher politischen Absicht ermittelt werden, welche Aussagen über Perspektiven sie ermöglichen und mit welcher Wahrscheinlichkeit diese Perspektiven eintreffen können. Die Bewertung von Ergebnissen ist ein Folgeprozess, der sich der Inventur anschließt und an dem die Gesellschaft erst nach deren Veröffentlichung partizipieren kann. Je weiter die Ergebnisse einer bundesweiten Inventur auf nachgeordnete Ebenen heruntergebrochen werden, desto größer wird der statistische Fehler. Er beträgt bei einer Waldfläche von 10.000 Hektar bereits etwa drei Prozent. Was verhindert werden muss ist, dass durch die Verknappung der Ware und einen damit verbundenen höheren Preis die Ressource übernutzt wird. Das geschieht gegenwärtig, weil die rechtlichen Instrumente zu unbestimmt sind und die Kontrollen nur ungenügend greifen. Der Effekt ist: Je teurer das Holz, umso mehr wird genutzt – man kann das auch als Folge der Gier nach immer mehr sehen. Dazu kommt, dass das Preisgefüge nicht mehr stimmt. Für das minderwertigste Produkt in der Wertkaskade, nämlich das Energieholz, wird teilweise ein höherer Preis gezahlt als für höherwertige Sortimente (Bauholz, Möbelholz). Das führt dazu, dass mit dem Argument notwendiger Pflege in Jungbeständen die schwersten Geräte (Harvester-Forwarder) auf etwa 25 Prozent die Produktionsfläche Waldboden schwerst schädigen und alles in einen neuen Altersklassenwald läuft. Grundsätzlich stellt sich für mich weiter die Frage, wohin die Forstwirtschaft steuert. Wenn man den Gedanken der momentanen Forstwirtschaft weiterspinnt, dann heißt das, die restlichen Bäume werden wachsen gelassen, bis sie eine bestimmte Größe haben, dann beginnt das Abholzen wieder von vorne. Ergo wird sich nie wieder ein richtiger Wald entwickeln können. Ist dies wirklich das, was erstrebenswert ist? Letztlich ist der Wald dann wertvoll, wenn er Wald bleibt und nicht dann, wenn er im Übermaß im Sägewerk verarbeitet wird. Dort geht es unbestreitbar um Gewinn, je mehr Bäume, je größer der Gewinn. An dieser Stelle wird oftmals das Scheinargument der Arbeitsplätze ins Feld geführt. Hier lehrt uns jedoch die Vergangenheit, dass sich im Wandel der Zeit auch die Arbeitsplätze beziehungsweise deren Angebot wandeln und der Mensch diesen Wandel mitgehen muss. Man bedenke insbesondere die dritte industrielle Revolution (mikroelektronische Revolution) und die Ängste und Bedenken, die durch sie hervorgerufen wurden. Natürlich kann das, was Wald ist, per Definition festgelegt werden, aber hier möchte ich den gesunden Menschenverstand ins Spiel bringen. Dieser geht ganz sicher von anderen Voraussetzungen aus bei dem, was er Wald nennt.