Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Leiterin des Forstamtes Kusel: Nach Wünschen der Gemeinde Rothselberg gehandelt

Wieviel vom Wald einer Gemeinde vermarktet wird – daran scheiden sich die Geister.
Wieviel vom Wald einer Gemeinde vermarktet wird – daran scheiden sich die Geister. Foto: m. hoffmann

„Die Ortsgemeinde hat damals einen anderen Ansatz verfolgt. Sie wollte nicht, dass so viel Holz eingeschlagen wird.“ Mit diesen Worten hat Gabi Kleinhempel, Leiterin des Forstamts Kusel, auf die neuen Zahlen für den Rothselberger Gemeindewald reagiert. Unter dem nunmehr privaten Pächter soll fast doppelt so viel Holz im Jahr eingeschlagen werden wie unter der Ägide des Forstamts.

Bei der Präsentation des neuen Forsteinrichtungswerks – eine Art Wirtschaftsplan für die kommenden zehn Jahre – hatte der private Gutachter Klaus Remmy unter anderem eine Erhöhung des jährlichen Hiebsatzes von 353 Festmeter pro Jahr auf 551 Festmeter festgelegt. Laut Ortsbürgermeister Rainer Mohr habe er auch gesagt, es gelte die Faustregel, wonach man innerhalb von sechs Jahren an jeder Stelle des Waldes gewesen sein und dort etwas gemacht haben sollte. Das sei offenbar zuletzt nicht geschehen im Rothselberger Wald.

Forstamtsleiterin Kleinhempel sieht allerdings keine Versäumnisse ihrer Behörde, die bis vergangenes Jahr den Rothselberger Gemeindewald bewirtschaftet hatte. Im Gegenteil: Man habe getreu den Wünschen der Gemeinde gehandelt.

Dreieck der Nachhaltigkeit

Für die Bewirtschaftung des Waldes gibt es ein Dreieck der Nachhaltigkeit, bei dem die Ökologie, der wirtschaftliche Nutzen und der soziale Wert des Waldes miteinander in Beziehung stehen. Die Gemeinden als Eigentümer des Waldes hätten dabei die Möglichkeit, sagt Kleinhempel, innerhalb bestimmter Grenzen die Richtung vorzugeben – also auf welchen der drei Faktoren in den kommenden zehn Jahren am meisten Wert gelegt werden solle.

Die Ortsgemeinde Rothselberg und ihr damaliger Ortsbürgermeister hätten größten Wert darauf gelegt, dass allein die Versorgung der Bevölkerung mit Brennholz im Vordergrund der wirtschaftlichen Vermarktung stehen solle – und ansonsten der Wald Vorrat aufbaue. Das gehe sowohl aus dem damaligen Erläuterungsbericht als auch aus einem Schreiben des damaligen Ortsbürgermeisters hervor. Daher habe das Forstamt den Hiebsatz relativ niedrig angesetzt.

Vorgesehen gewesen seien 353 Festmeter pro Jahr. Tatsächlich geerntet worden seien dann 337 Festmeter. „Das war im Prinzip eine Punktlandung“, sagt Kleinhempel. Zugleich war der Holzvorrat, also alles, was im Rothselberger Wald steht, von 190 auf 215 Festmeter pro Hektar gewachsen. Der 2008 gewünschte Effekt sei also eingetreten.

Wenn jetzt die Gemeinde mehr Wert auf die wirtschaftliche Vermarktung ihres Waldes lege, sei das ihr gutes Recht – und spiegle sich im geplanten jährlichen Hiebsatz von 551 statt 353 Festmetern wider.

„Keine Berührungsängste“

Kleinhempel sagt, sie habe überhaupt kein Problem damit, dass der Rothselberger Gemeindewald nun an ein privates Waldbauunternehmen verpachtet sei. Und sie habe auch keine Berührungsängste, was sich daran zeige, dass der vom Unternehmen Schmitz eingesetzte Förster künftig zu allen Dienstbesprechungen im Forstamt eingeladen werde.

Allerdings warnt sie auch: „Der Herr Schmitz ist Kaufmann, kein Förster. Und er wird auch dadurch kein Förster, indem er jetzt den Wald bewirtschaften lässt.“ Sie beobachte jetzt mit großem Interesse, wie sich die private Bewirtschaftung in den nächsten Jahren auf den Zustand des Waldes auswirkt, für den das Forstamt trotz der privaten Verpachtung weiterhin die Aufsicht führt.

„Wir sehen dann ja in Kappeln, Rothselberg und Krottelbach, also in einem überschaubaren Rahmen, was daraus wird.“ Die drei Gemeinden sind die einzigen unter den 94 Kommunen im Kreis mit Gemeindewald, die ihren Wald privat verpachtet haben. Kleinhempel warnte aber davor, die Erwartungen an das wirtschaftliche Ergebnis zu hoch zu setzen. Denn so seien beispielsweise Forstschutzmaßnahmen – beispielsweise der Schutz junger Eichen oder Tannen vor Verbiss – nicht durch den Vertrag mit dem Unternehmen gedeckt. Dafür müssten die Gemeinden als Waldeigentümer selbst zahlen.

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