Rheinpfalz Leineweber möchte Ökumene beleben
„Liebe Mitchristen, gerne würden wir mit angenehmeren und schöneren Dingen unseren Dienst in der Pfarrei Heiliger Johannes XII beginnen. Aber: Es ist wie es ist“, haben Pfarrer Matthias Leineweber und Pfarrer Bernd Schmitt in ihrem ersten Pfarrbrief geschrieben. Das neu Pastoralteam wirkt seit dem 1. August gemeinsam in der Pfarrei mit Sitz in Waldfischbach-Burgalben. Am 27. August werden beide offiziell in ihre Ämter eingeführt. Die RHEINPFALZ unterhielt sich mit Pfarrer Leineweber.
Dieses „Es ist wie es ist“ in vielen Bereichen des Lebens anzunehmen, „dabei hat mir sicher meine Krankheit geholfen“, sagt Leineweber, der eine Nierentransplantation hinter sich hat. Er habe seine Krankheit und die damit verbundenen Konsequenzen akzeptieren müssen. „Ausgesucht habe ich mir das nicht“, bekennt er lachend. „Es ist wie es ist“, das bedeute in der Pfarrei zum Beispiel, das in der Diözese Speyer beschlossene Gemeindepastoral 2015 und seine Folgen zu akzeptieren. „Die alten Pfarreien sind aufgelöst. Wir sind jetzt eine Pfarrei“, unterstreicht Leineweber. Alles, was zum kirchlichen Leben gehöre, finde in der Pfarrei Heiliger Johannes XXII noch statt, „aber eben nicht mehr in jeder Gemeinde“, verdeutlicht er. Mit Beginn des Jahres 2016 waren die Pfarreien in Weselberg, Heltersberg, Hermersberg, Horbach und Waldfischbach-Burgalben aufgehoben und zur neuen Großpfarrei Heiliger Johannes XXII zusammengeschlossen worden. „Die Auswirkungen der Strukturreform werden uns noch lange beschäftigen“, sagt Leineweber voraus. Für die Christen in der Gemeinde sei es wichtig, das zu akzeptieren „und es als Geschenk Gottes anzunehmen“.
Einige Konflikte in den vergangenen Monaten
Das war in den vergangenen 19 Monaten nicht immer einfach, manchem nicht möglich. Es gab einige Konflikte. Nicht nur zwischen dem vormaligen Leitenden Pfarrer Berthold Koch und Pfarrer Bernhard Walz, die beide mittlerweile Pfarrer in Rente sind, sondern auch in den neuen Gremien. Koch ist, wie berichtet, nach Münchweiler gezogen. Walz bleibt vorerst noch in Hermersberg wohnen. „Dort möchte er im kommenden Jahr noch seinen 70. Geburtstag feiern“, sagt Leineweber. Walz werde in den kommenden Monaten noch die Sonntagabendmesse in Höheinöd halten. Leineweber weiß, dass das neue Team keine leichte Aufgabe übernimmt. Es gehe nicht um persönliche Eitelkeiten, sondern der Kernpunkt der Aufgabe sei, „dass wir mit Gott in Verbindung bleiben. Wenn das alle erkennen, lassen sich die Aufgaben bewältigen“, so der Pfarrer. Noch sei Findungsphase. Es zeichne sich ab, dass er sich verstärkt um Verwaltungsfragen kümmern werde, Kooperator Bernd Schmitt sich seinem Wunsch entsprechend mehr seelsorgerischen Aufgaben widme.
Ökumene soll wieder stärker belebt werden
Für Leineweber und seine Mitstreiter sei ganz wichtig, „dass wir zu einem Miteinander finden. Keiner kann seinen christlichen Glauben alleine leben.“ Das betreffe das Miteinander in allen Ortsgemeinden, die die Pfarrei umfasst, das Miteinander mit Maria Rosenberg und auch das Miteinander mit den evangelischen Christen. Die Ökumene war zuletzt in Waldfischbach-Burgalben nicht mehr so gelebt und gepflegt worden wie zuvor. Beispielsweise 2012, als Leineweber die Nachfolge von Pfarrer Werner Ripplinger in Waldfischbach-Burgalben angetreten hatte. Ripplinger hatte sich stark für die Ökumene engagiert. „Das habe ich gerne übernommen“, erinnert Leineweber. Die Ökumene soll wieder stärker belebt werden. Mit dem evangelischen Pfarrer, David Gippner, gab es bereits Gespräche. Der Wille, miteinander zu arbeiten, den christlichen Glauben gemeinsam zu leben und zu stärken, sei vorhanden. Für ihn stehe fest, das habe sich spätestens jetzt im Luther-Jahr gezeigt, dass „die Ökumene unumkehrbar“ sei. In Heltersberg zeige sich, dass sie gut funktioniere. „Wir sind alle Christen“, unterstreicht Leineweber. Sein evangelischer Kollege David Gippner hat bereits in seinen Gremien angekündigt, dass er im kommenden Jahr einen Mann heiraten wolle. „Das ist für mich persönlich kein Problem“, sagt Leineweber. Er wisse aber, „dass das sicher nicht jeder gut finden wird“.
Wohnräume werden zu Büros
Nicht zum Besten bestellt war zuletzt das Verhältnis zwischen Pfarrei und Maria Rosenberg. Leineweber und der Direktor des Rosenbergs, Volker Sehy, kennen sich bestens, wurden 1996 gleichzeitig zu Priestern geweiht. Zudem wird Leineweber selbst auf den Rosenberg ziehen. Das frühere Pfarrhaus auf dem Rosenberg – gegenüber dem Caritas-Seniorenheim –, das seit einigen Jahren nicht mehr als Pfarrerwohnung genutzt worden war, - wird gerade renoviert. „Ich hoffe, dass ich im September einziehen kann“, sagt Leineweber. Sein Kollege Schmitt hat eine Wohnung in der Nähe des Pfarramts in Waldfischbach gemietet. Das Pfarrhaus selbst wird im zweiten Stock umgebaut. „Wir brauchen mehr Platz für Büros. Es geht hier sehr beengt zu“, sagt Leineweber. Küche und Bad im Obergeschoss bleiben erhalten. Aus den bisherigen Wohnräumen werden drei Büroräume für das Pfarramt. Baustellen im übertragenen Sinn, mit denen sich das neue Pastoralteam befassen muss, sind die Kindergärten in Waldfischbach und Hermersberg. Beide stehen noch in der Trägerschaft der Elisabethenvereine. In beiden Kommunen möchten sie die Trägerschaft abgeben. „Da ist noch alles im Fluss, es sind noch keine Entscheidungen gefallen“, sagt Leineweber. Trägerschaftsübergänge – in Hermersberg hat die Ortsgemeinde Interesse an der Kindergartenübernahme signalisiert, in Waldfischbach-Burgalben war geplant, dass die Kirchengemeinde diese übernimmt – seien sehr kompliziert. Ob in beiden Fällen bis Jahresende abschließend entschieden wird, sei offen. Eine Herausforderung sei, dass die großen Kirchen und Pfarrheime in den Orten unterhalten und renoviert werden müssten. Wenn die Sozialstation in Waldfischbach in ihren Neubau umzieht, müsse überlegt werden, was mit dem Haus geschieht, in dem sie zurzeit untergebracht ist. Es gehört der katholischen Kirchengemeinde.