Eisenberg
Lautersheim: Ratssitzung mit Überlänge
Eine Marathonsitzung hat der Ortsgemeinderat Lautersheim am Donnerstagabend absolviert. Von den vier Stunden, die allein der öffentliche Teil dauerte, war mehr als die Hälfte belegt mit der Abwägung der Einwendungen und Hinweise von Bürgern, Behörden und sonstigen Trägern öffentlicher Belange zum Bebauungsplan des zweiten Bauabschnittes „In den Bohngärten“, über die einzeln abgestimmt werden musste. Einiges gab Anlass zum Schmunzeln.
Bürgermeister Thomas Mattern hatte sich ein großes Glas mit einem Erfrischungsgetränk auf den Tisch gestellt – in weiser Voraussicht. Denn ihm standen 128 Minuten Vorlesen bevor: Jede Stellungnahme musste er im Detail den Ratsmitgliedern und den sechs interessierten Bürgern zur Kenntnis bringen – bis zur Heiserkeit. Mehr als 100 Ämter und Institutionen konnten sich nach der zweiten Offenlage der ersten Änderung des bereits 2006 rechtskräftig gewordenen B-Plans Ende 2019 schriftlich äußern. Neben wesentlichen Anmerkungen zu Müllabfuhr, Hochwasserschutz und Radonbelastung war darunter auch manches Überflüssige.
Viele Kuriositäten
So zum Beispiel die Stellungnahme des Landesbetriebs Mobilität Worms. Darin wird auf die bereits vorangegangenen Anmerkungen vom 24. April 2018 nach der ersten Offenlage verwiesen. Das musste von Mattern verlesen werden, ebenso wie die dazu gehörige Abwägungsempfehlung der Verbandsgemeinde Göllheim. Das hätte man sich sparen können, meinte die Bauamtsleiterin Melanie Vatter, die über den korrekten Verfahrensablauf wachte und für Fragen zur Verfügung stand. Die Behörde hätte einfach mitteilen können, dass sie keine erneute Stellungnahme abgeben möchte. Ebenso unnötig schien ein Hinweis des Vermessungs- und Katasteramtes Westpfalz. Dort heißt es allen Ernstes: „Die Schreibweise von Flurstücksbezeichnungen mit ,-’ ist nicht üblich, entweder mit ,/’ oder korrekterweise wie in der Liegenschaftskarte üblich mit horizontalem Strich zwischen Zähler und Nenner.“
Auch hier hatte der arme Bürgermeister wieder die Abwägungsempfehlung vorzulesen. Anschließend war vom Rat der Beschluss zu fassen: „Die Plangrundlage wird ausgetauscht. An der Planung wird festgehalten. Durch die redaktionelle Anpassung wird keine erneute Beteiligung und/oder Offenlage erforderlich.“ Das nickte das Gremium einstimmig ab, vielleicht auch, weil die Mitglieder inzwischen schon einigermaßen müde gelesen waren und keine Kraft mehr aufbringen wollten, um Kommentare abzugeben. Fürs Augenrollen hat die Energie noch gereicht.
Köstlich auch – und damit soll es jetzt genug sein – manche Worterfindung. Schreibt die Vodafone GmbH doch von der „Beauskunftung Richtfunk“.
Radon im Boden
Hellwach waren Mandatsträger und Bürger, als es um die Klarstellung vom Landesamt für Geologie und Bergbau ging, dass „das Plangebiet innerhalb eines Bereichs liegt, in dem erhöhtes und teils hohes Radonpotenzial ermittelt wurde“. Die Behörde rät den Bauherren dringend dazu, den Gehalt des radioaktiven Edelgases über drei bis vier Wochen messen zu lassen, „um für die Situation angepasste bauliche Vorsorgemaßnahmen“ treffen zu können. „Unsere Böden enthalten alle Radon“, informierte Vatter das erstaunte Auditorium. Dies werde aber nur bei Altbauten zum Problem, neue Häuser seien ausreichend abgedichtet.
Zu Irritationen führte die Forderung der Verbandsgemeinde Leiningerland, die Ableitung von Schmutzwasser in die Kläranlage Eistal West auf 200 Liter pro Sekunde zu begrenzen, um eine Überlastung des Leitungsnetzes bei Starkregen zu verhindern. „Wenn’s regnet gehen die Leute doch nicht häufiger aufs Klo“, sagte Markus Salzmann verwundert. Vatter konnte aufklären: Beim Neubaugebiet muss Regen- und Abwasser getrennt abgeleitet werden, aber in den älteren Bereichen des Dorfes lägen noch Mischwasserkanäle.