Kultur Südpfalz
Landau: Neue Konzepte müssen her, wenn das Haus am Westbahnhof überleben will
Will das Landauer Haus am Westbahnhof überleben, muss der Trägerverein Leben und Kultur seine Finanzierung auf neue Füße stellen. Das Haus haben die Mitglieder mit eigenen Händen und eigenen Mitteln gebaut und seither weitgehend ehrenamtlich verwaltet.
Das Geld reicht nicht mehr – da sind sich Christa Müller, Peter Damm und Patricia Lang vom Vorstand einig. Das Programm und die Bürokraft als einzige Festangestellte hat der Verein mit Spenden, Eintrittsgeldern und einem Landeszuschuss finanziert. Jetzt (erst), nach über 30 Jahren, wird’s eng. Wenn sich nichts an der finanziellen Lage ändert, kann der Verein niemand Neues verpflichten, wenn die derzeitige Bürokraft demnächst in Rente geht. Doch die braucht es für die Koordination, um den Betrieb am Laufen zu halten - wenigstens auf Basis eines Minijobs, sagt Lang.
Wenn sich nichts an der finanziellen Situation ändert, kann der Verein niemand Neues verpflichten, wenn die derzeitige Bürokraft demnächst in Rente geht. Doch die braucht es für die Koordination, um den Betrieb am Laufen zu halten - wenigstens auf Basis eines Minijobs, sagt Lang.
Keine Zuschüsse von der Stadt
75.000 Euro im Jahr kostet der Betrieb des Kulturzentrums, erklärt Damm. Allein 1000 Euro pro Monat fließen in den Gebäudeunterhalt – hinzu kommen Strom, Gas und Wasser. Um die 20.000 Euro im Jahr erhält das Haus am Westbahnhof vom Land. Das Geld muss allerdings jedes Jahr auf Projekte bezogen neu beantragt werden – seine strukturelle Förderung, die für Kulturtreibende verlässlicher war, hat das Land längst eingestellt. Die Stadt Landau hat bisher nichts zum Topf beigesteuert: noch nicht einmal für die Musikschule. „In manchen Jahren liefen bei uns fünf Gruppen musikalische Früherziehung gleichzeitig“, erzählt Müller. Nur wenn’s ganz eng wurde, weil beispielsweise eine Heizungsreparatur anstand, sei die Sparkassenstiftung mal mit einer kleinen Spende eingesprungen.
Der Verein Leben und Kultur besteht aus 20 Mitgliedern und 50 Fördermitgliedern. Jeder von ihnen gibt, so viel er kann und will. Und jeder arbeitet auch so viel ehrenamtlich, wie er möchte. Zehn gehören zum harten Kern derer, die sehr viel mit anpacken, 20 bis 30 gehören zum „unverzichtbaren Netzwerk“, schätzt Lang.
„Manches nicht mehr finanzierbar“
Das meiste aber musste schon immer über Eintrittsgelder reinkommen. Anfangs habe der Verein mit Auftritten bekannter Künstler ein Polster erwirtschaften können, erinnert sich Lang. Doch mit der Zeit seien in der Südpfalz immer mehr Kulturangebote aus dem Boden geschossen.
Zugleich seien die Ausgaben etwa für die Künstlersozialkasse gestiegen und die Brandschutz-Auflagen verschärft worden, sodass jetzt nur noch maximal 180 Besucher eingelassen werden dürfen – und da habe das Haus mit seinen Fluchtwegen noch Glück gehabt, sagt Lang. „Die Gefahr, ein Defizit einzufahren, ist mit den Jahren größer geworden. Das Haus am Westbahnhof könne zwar auf einen Tross an treuen Besuchern zählen. „Doch Veranstaltungen haben Löcher gerissen. Darauf haben wir reagieren müssen.“ Manches sei jetzt eben nicht mehr finanzierbar.
Jetzt sind also neue Konzepte zur Konsolidierung des Betriebs vonnöten. „Keep the train rollin’“ ist der erste Streich: eine Benefizreihe, in der Künstler ohne Gage auftreten, um Spenden für das Haus am Westbahnhof zu mobilisieren. Der zweite sind neue Formate wie „Bühne frei“, bei der die Zuschauer so viel zahlen dürfen, wie sie wollen. Der dritte sind Angebote zur Raumnutzung, die in Helferstunden abgegolten werden können: durch Schülergruppen oder Vereine wie die Landauer Liederleute. Zumindest an den Nebenkosten müssen sie sich künftig beteiligen.
Und der vierte Streich ist eine Neuausrichtung des Programms. „Wir wollen kein Programm bieten, dass wir uns nicht leisten können“, sagt Damm. „Es wird keine Kultur mehr aus dem Katalog geben.“ Stattdessen entstehen gerade Veranstaltungskonzepte, die ganz eng mit einzelnen Mitstreitern verbunden sind und von ihnen auch kuratiert und organisiert werden. An jedem ersten Donnerstag eines Monats findet ein offenes Plenum statt, zu dem jeder willkommen sei. Hier werden Ideen für Projekte vorgestellt wie die Initiative „Omas gegen Rechts“ und der geplante Singer-Songwriter-Wettbewerb, der zweimal pro Jahr stattfinden soll.
Müller, Lang und Damm gehören zu den Mitgliedern der ersten Stunde. „Wir sind mit dem Haus alt geworden“, sagt Lang. „Wir haben schon auch überlegt, jetzt aufzuhören. Aber wir haben gemerkt: Wir haben noch Lust.“ Und Müller ergänzt: „So lange ich krabbeln kann, bin ich dabei.“ Statt hinzuschmeißen, wollen sie auch anderen Kultur-Initiativen helfen und beteiligen sich am Forschungs- und Förderprojekt „Kultur im Wandel“ der Uni Landau. Doch irgendwann geht das alles wohl doch einmal zu Ende. Denn eine neue Generation ist nicht nachgewachsen.
Wie ein Gemeindehaus ohne Pfarrer
Entstanden ist der Verein im Umfeld der evangelischen Jugend und der Studentengemeinde. Mit ihrem Engagement für die Dritte Welt, den Umweltschutz und die Friedensbewegung seien die Mitstreiter in der damals noch recht konservativen Südpfalz als radikal abgestempelt worden, erzählt Lang – in der Stadt und selbst in der Kirchengemeinde. Einen Raum hätte ihnen niemand zur Verfügung stellen wollen. „Da haben wir beschlossen, uns selbst einen zu schaffen.“
Sie gründeten einen Verein und ersteigerten das Gelände am Westbahnhof von der Bundesbahn. 40 Leute hätten mit angepackt beim Bau. Der Architekt habe seinen Entwurf so geplant, dass auch Ungeübte Hand anlegen konnten, nachdem sie von Profis eingewiesen wurden, erzählt Damm. Das Material sammelten die Helfer überall in der Gegend in Abbruchhäusern. Die Badausstattung schwatzten sie Baumärkten beim Umbau von Ausstellungen ab. Und die Lampen hingen vorher in der Landauer Nordapotheke. Selbst sämtliche Stühle haben sie selbst lackiert, um Geld zu sparen: „jeden in drei Schichten“, erinnert sich Lang. Und obwohl es auf der Baustelle an jedem Wochenende von Laien wimmelte, sei nie ein ernster Unfall passiert, ergänzt Damm.
1987 war das Haus fertig und auch schnell schuldenfrei, obwohl 375.000 Deutsche Mark (knapp 192.000 Euro) zu Buche standen. Neben sehr erfolgreichen Veranstaltungen halfen die private oder gewerbliche Vermietung des Veranstaltungsraums. „Wir haben viele Anfragen“, sagt Lang.
Ein Ort für Begegnung soll das Haus am Westbahnhof bleiben. Das Konzept klingt wie das eines Gemeindehauses – „eines Gemeindehauses ohne Pfarrer“, betont Lang. Und sie sind stolz, wenn sie von Mietern hören: „Zu euch kann man kommen, egal wo man herkommt.“
Termine
- Benefizkonzert in der Reihe „Keep the train rollin’“ mit Palatine Six am Freitag, 17. Mai, 20 Uhr. Die Coverband spielt Reggae, Rock, Pop und Soul. Mit dabei sind Frontmann Andreas Schaub, Toni Faath (Gitarre), Oliver Müller (Gitarre), Dennis Sturm (Bass) und Stephan Sobiesinsky (Schlagzeug). Bühne frei heißt es wieder am Freitag, 10. Mai, ab 20 Uhr mit Beiträgen aus den Sparten Musik und Comedy.
- Infos unter Telefon 06341 86436, unter www.hausamwestbahnhof.de oder per E-Mail an leben-und-kultur@t-online.de. Konto für Spenden: VR-Bank Südpfalz Landau, IBAN DE71 5486 2500 0000 7330 40