Kultur Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Landau: Mirja Boes reitet gerne auf Peinlichkeiten herum, so auch am Donnerstag im Gloria

Je mehr Frauen auf der Bühne, desto besser, ist Mirja Boes überzeugt. Und dass ihr Freund in ihren Shows öfter sein Fett weg bek
Je mehr Frauen auf der Bühne, desto besser, ist Mirja Boes überzeugt. Und dass ihr Freund in ihren Shows öfter sein Fett weg bekommt, meine sie nur spaßig. Archivfoto: Franck

Interview: Mit ihrer Musik- und Comedy-Show „Auf Wiedersehen! Hallo!“ kommt die rheinische Spaßmacherin Mirja Boes am Donnerstag ins Landauer Gloria. Am Telefon erzählte sie, weshalb sie am liebsten auf Peinlichkeiten herumreitet und was ihr selber mal peinlich war.

Tragen Sie gerade Ihr Kameragesicht? Laut Ihrer Agentur proben Sie jetzt für eine TV-Sendung.
Nö, kein Kameragesicht. Momentan sitz ich im Auto und bin auf Tour mit meiner Band, den Honkey Donkeys. Aber gestern Abend stand ich vor der Kamera. Wir haben für die neue Kindersendung von VOX gedreht – „Herrlich ehrlich“. Es ist eine Familien-Gameshow, die ich moderiere. In dem Format müssen Eltern unter Beweis stellen, wie gut sie ihre kleinen Sprösslinge kennen und einschätzen können.

Sie sind selbst zweifache Mutter, allerdings eine späte Mutter. Warum?
Meine Söhne habe ich mit 40 und 42 Jahren geboren. Vorher hat sich das mit der Familiengründung einfach nicht ergeben.

Frau Boes, sind Sie auf der Bühne so böse, wie Ihr Name?
Nein. Ich kann zwar auch mal zynisch werden. Aber alles ist wohlwollend gemeint. Es ist immer ein kleines Grinsen dabei. Wenn mich die Leute auf der Bühne erleben, merken sie: Die meint das gar nicht so böse.

Aber Ihre Familie bekommt auf der öfter mal ihr Fett weg, besonders Ihre Mutter?
Meine Mutter kommt am Ende das Tages immer gut weg. Was ich erzähle, sind wahre Geschichten aus dem Alltag heraus. Dazu muss man stehen. Und meinen Freund frage ich um Erlaubnis, bevor ich etwas über ihn bringe. Wenn er später die Aufnahmen sieht, sagt er oft: Ich komme aber schlecht weg. Dann sage ich, es ist alles spaßig gemeint. Und dann ist es auch okay.

Warum sind Männer Ihre bevorzugte Zielscheibe für Spott?
Es ist das andere Geschlecht, das man so schön beobachten kann und auf dem man so schön herumklopfen kann.

Sie reiten gern auf Peinlichkeiten herum. Was ist einer Mirja Boes peinlich?
(denkt kurz nach) Vor drei Wochen bei einer Taxifahrt ist mir der Fuß eingeschlafen. Als ich ausstieg, ist mir der Fuß weggeknickt und ich bin in einen Busch gefallen. Der Taxifahrer dachte wohl, ich hätte sie nicht alle. Bei dem Sturz habe ich mir einen Muskelfaserriss geholt, musste dann aber über mich selbst lachen.

Im Trailer zur neuen Show lobt ein Fan Ihren „Menstruations-Humor“. Sie gehen steil auf die 50 zu. Wann kommt der Wechseljahr-Humor?
Wenn es mal so weit ist, wird das sicher auch Thema sein. Ich rede ja immer über den Alltag, dann gehören die Wechseljahre dazu. Das wird bestimmt sehr lustig.

Dann müssen Sie sich aber sputen. Ihre aktuelle Show ist laut Pressetext Ihre „wahrscheinlich definitiv wirklich allerletzte Abschiedstour“.
Der Klappentext ist mit einem Zwinkerauge gemeint. Natürlich höre ich nicht auf. So lange die Leute Spaß an mir haben, mache ich weiter.

Nach Landau kommen Sie mit sechs Herren – bitte stellen Sie uns Ihre Begleitung vor.
Das sind die Honkey Donkeys – exzellente Musiker, die sich für keinen Scherz zu doof sind. Sie werden unter anderem Udo Lindenberg, die Wildecker Herzbuben und Elvis imitieren.

Werden Sie auch als Imitatorin auftreten?
Nein, ich bin ich. Ich sitze auf der Bühne und trinke ein Bier. Und die Jungs schenken mir ein Lied.

Lassen Sie mich raten: Ihr berühmtes Partylied „20 Zentimeter, nie im Leben kleiner Peter“?
(lacht) Genau das.

In einem früheren Leben kannte man Sie unter dem Künstlernamen „Möhre“. Wie kam das? Sie sind doch blond.
Als Kind mochte ich die Sendung Rappelkiste mit den Klappmaulfiguren Ratz und Rübe. Ich hatte eine quietschige Stimme, so wie Rübe. Und da hat meine Oma mich so genannt. Die Kinder in der Schule meinten aber, die heißt doch Mirja und muss daher Möhre gerufen werden. Exakt so ist der Name entstanden.

Ist – künstlerisch gesehen – Carolin Kebekus Ihre jüngere und Gerburg Jahnke Ihre ältere Schwester?
Schwestern würde ich nicht sagen. Wir sind kollegial verbunden. Mit der Kebekus bin ich schon aufgetreten und war bei Jahnkes „Ladies Night“ dabei. Es ist gut, dass in der Comedy-Szene viele weibliche Generationen vertreten sind. Je mehr Frauen, desto besser.

Haben es Frauen in Ihrer Branche schwer?
Das ist so ein Klischee. Ich glaube, es gibt grundsätzlich weniger Frauen, die sich da ran wagen. Aber wenn Frau ihrer Linie treu bleibt, hat sie dieselben Chancen wie die Männer.

Verstehen Sie sich als Komikerin, Comedian oder Kabarettistin?
Ich finde den Begriff Komikerin am besten. Er hört sich schön altbacken an und passt zu mir.

Haben Sie auch mal eine ernste Rolle gespielt? Etwa in der Serie „Notruf Hafenkante“?
Da hatte ich eine Gastrolle als Frau Jörgensen. Aber selbst die hatte lustige Seiten. Ich bin gerne Komikerin, und genau in dieser Schublade bleibe ich.

Ihre nächsten Projekte?
Mein Terminkalender ist bis 2020 voll. Nach der aktuellen Showtournee soll es im kommenden Herbst eine neue Show geben. Im Fernsehen startet im Dezember bei VOX „Herrlich ehrlich“. Dort läuft derzeit die Kochshow „Grill den Henssler“, in der ich mal Kandidatin war, jetzt Jurorin bin und zu der wir im März neue Folgen drehen.

Da wird es Ihnen nicht an Rezepten für Ihr Restaurant fehlen?
Das Lokal in Essen heißt „Villa Vue“. Ich habe es vor anderthalb Jahren mit zwei Freunden eröffnet. Ich stehe dort nicht am Herd. Bin eher Gast, verteile auch mal Kaffee und Kuchen.

Termin

Die Musik- und Comedy-Show „Auf Wiedersehen! Hallo!“ mit Mirja Boes und den Honkey Donkeys gastiert am Donnerstag, 14. November, um 20 Uhr im Gloria-Kulturpalast Landau. Tickets zu 29 Euro sind erhältlich im Gloria, online unter www.gloria-kulturpalast.de, beim Rheinpfalz-Ticket-Service sowie in allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Zur Person

Fünf Deutsche Comedy-Preise räumte die Komikerin Mirja Boes bisher ab – zuletzt für ihre Rolle in der RTL-Serie „Beste Schwestern“. Auf der Mattscheibe ist die 1971 geborene Komikerin vom Niederrhein seit 2002 zu sehen, als Moderatorin und Schauspielerin. Bekannt wurde sie 2003 in der Sketchcomedy-Serie „Die dreisten Drei – Die Comedy-WG“. Auf der Bühne ist Boes seit zwölf Jahren mit Soloprogrammen erfolgreich. Weniger bekannt ist ihre Arbeit als Hörbuchsprecherin. Studiert hat die vielseitige Künstlerin Italienisch, Spanisch und Musik- und Medienwissenschaften sowie Musical.

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