Kultur Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Landau: Karl Valentins Sketch „Orchesterprobe“ als abendfüllende Komödie in der Festhalle

Placeholder-Image

„Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.“ Dies ist eines von vielen geflügelten Worten, die der Komiker und Volkssänger Karl Valentin der Nachwelt hinterlassen hat. Am Mittwoch kam das Publikum in der Landauer Festhalle in den Genuss seines brillanten Sprachwitzes.

Deshalb wird hier noch einmal gesagt, was schon gesagt ist. Selbst auf die Gefahr hin, dass der Valentin sich von seiner Wolke im Himmel herab aufregt und eins seiner berühmten Zitate herabruft: „Ich weiß gar net, was die Kritiker da alles finden, in meine Sachen. I will doch bloß, dass die Leut’ lachen.“

Zwischen den beiden Weltkriegen hat Karl Valentin die Leut’ vor allem in München, aber auch in Wien und Berlin, zum Lachen gebracht mit seinen Sketchen – 20 Jahre lang mit Liesl Karlstadt an seiner Seite. Seine von Natur aus hagere, in Notzeiten abgemagerte Gestalt unterstrich seine unschlagbare Körperkomik zusätzlich.

„Die Orchesterprobe“ ist eine Persiflage auf das Herabschauen der Münchner Hochkultur auf die volksnahen Vorstadtcombos und wurde 1933 verfilmt. Gerald Kauer, Bele Turba und Christian Auer haben daraus eine abendfüllende musikalische Komödie entwickelt.

Darum Geht’s: Ständige Unterbrechungen einer Probe durch einen Musiker bringen den Kapellmeister schier zur Verzweiflung. Im Original von Liesl Karlstadt gespielt, übernimmt in der aufbereiteten Version Bele Turba mit Verve diese wortgewaltige und bewegungsreiche Rolle. Amüsiert beobachtete das Landauer Publikum, wie Geigenbogen und Taktstock zum Fechtkampf dienen. Bewunderndes Raunen begleitete das Austrinken der Maßkrüge auf Ex. Nicht zu vergessen den verbalen Austausch, in dem Valentins genialer Sprachwitz zum Tragen kommt. „Geben’s doch zu, dass Sie letztes Jahr mit ,nächstes Jahr’ heuer g’meint ha’m“, provoziert der Musiker den Chef. Oder wenn der Kapellmeister mahnt: „Musikalische Begleitung braucht eine geeignete Bekleidung.“ Und wenn er sich über die schlechten Musiker aufregt: „Ich kann mir dann vom Publikum wieder anhör’n, dass es nicht zum anhör’n war.“

Arrangeur Christian Auer ist der Mann am Klavier und glänzt als Solist, wenn er einer singenden Säge die Barcarole aus Hoffmanns Erzählungen entlockt. Schade nur, dass die drei weiteren „echten“ Orchestermitglieder nicht namentlich erwähnt sind, denn Blechbläser, Saxofonistin und Cellist glänzten mit brillanten Soli.

Karrer mimt Valentin mit aufgeklebter Spitznase, leidenschaftlicher Spielfreude und bewundernswerter Akrobatik. Ab und an haben auch die Landauer sachte gelacht. Wenn der Posaunist beim umständlichen Einstecken der Wasserklappe den Stuhl samt Bein ans Instrument hängt. Oder wenn sich die Schnecke der Geige im Eingriff der Unterhose verhakt. Und die Zuschauer haben sich zum Echo-Singen anstiften lassen.

Der Schlussapplaus fiel aber eher verhalten aus. Ob sich das mit einem der bekanntesten Valentin-Zitate erklären lässt?: „Mögen hätt’ ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut.“

x