Kultur Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Landau: Die Uni hat mit Ekaterini Kepetzis eine neue Professorin für Kunstgeschichte

Ekaterini Kepetzis, die neue Professorin für Kunstgeschichte an der Uni Landau. Zuvor lehrte sie unter anderem an der Universitä
Ekaterini Kepetzis, die neue Professorin für Kunstgeschichte an der Uni Landau. Zuvor lehrte sie unter anderem an der Universität Köln. Foto: Iversen

LANDAU. 30 Jahre hat sie in Köln gelebt, nun unterrichtet sie als Professorin an der Uni Landau Kunstgeschichte und Kunstvermittlung. Ekaterini Kepetzis lebt sich gerade ein in der Südpfalz, und obwohl sie im Oktober nicht leichten Herzens weggegangen sei aus der rheinischen Metropole, entdecke sie gerade viele lebenswerte Aspekte an ihrem neuen Wohnort.

Natürlich sei es ein großer Sprung von der größten philosophischen Fakultät Deutschlands in eine kleine Uni-Stadt. „Aber das Wichtigste ist die Neugier“, betont sie. „Die kann man auch in einem kleinen Umfeld wecken. Das ist jedenfalls mein Anspruch an mich. Und ich hoffe, dass meine Studierenden davon profitieren, dass ich einen breiten Hintergrund mitbringe.“ Sie selbst ist sehr angetan von den „sehr interessanten“ Angeboten im Frank-Loebschen Haus, die sie entdeckt hat.

Es sei spannend, wie anders die Südpfalz sei. Allein in der Architektur: Mit Verblüffung habe sie die vielen Häuser aus Gründerzeit und Jugendstil gesehen – Köln sei sehr bürgerlich geprägt und halte sehr stark seine mittelalterliche Tradition wach. Regelrecht begeistert ist Kepetzis von der Nähe Landaus zu Frankreich und einer echten kulinarischen Neuentdeckung: Esskastanien.

Die 50-Jährige ist im griechischen Athen geboren und schon früh mit den Eltern nach Deutschland gekommen. Aufgewachsen ist sie in Hagen am Rand des Sauerlands. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Kunstgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts. Aber sie möchte als Professorin natürlich die gesamte stilistische Palette abdecken. „Ich bin breit aufgestellt und breit interessiert.“ Zuletzt hat Kepetzis sieben Jahre an der Uni Köln unterrichtet, vorher auch schon in Bochum, Wuppertal und an der Kunstakademie Kassel.

Die angehenden Lehrer unterweist sie jetzt in Landau in der historischen und theoretischen Seite der Kunst. Für die praktische ist nach wie vor ihre Kollegin Tina Stolt zuständig. Am 31. Januar, wenn die Kollegin des Kunstinstituts ihre Ausstellung „Line-up“ in der Villa Streccius eröffnen, will sie sich der Öffentlichkeit vorstellen. Sie selbst aber ist nicht beteiligt. „Ich führe ein Bildertagebuch in Skizzen“, erzählt Kepetzis, „aber nicht mit dem Anspruch, es öffentlich vorzustellen.“ Sich mit Malmitteln auch praktisch zu beschäftigen – beispielsweise zu erfahren, wie anders sich Kreide als Bleistift auf Papier verhält –, bringe aber viel für das Verständnis von Kunst.

Zur Theorie gehört nicht nur die Kunstgeschichte, auch die Kunstkritik, Fragen zur Hängung und Ausstellungskonzeption. Ihre aktuelle Vorlesung kreist um Kunstbilder und Künstlerbilder. Warum malt sich beispielsweise Eugène Delacroix in einem Selbstbildnis wie Michelangelo in einer Schaffenskrise? Um das zu verstehen, müsse man wissen, dass Delacroix 1849 gerade den größten Auftrag seiner Karriere bekommen hatte: das Deckenbild für den Apollo-Saal im Louvre zu malen. Und das Selbstbildnis war wohl eine andere Methode, mit den Selbstzweifeln umzugehen, als sich in einem Tagebuch darüber auszulassen oder sich daheim im Kämmerlein zu zerfleischen, sagt Kepetzis. Solche Diskurse sind freilich für höhere Semester gedacht. Für jüngere Studenten bietet sie eine Einführung in die Kunstgeschichte. Die haben Abiturienten nicht unbedingt parat, wenn sie an die Uni kommen.

Überhaupt sei die Vermittlung von Kunst heutzutage schwieriger geworden, glaubt die Professorin. Eine Auseinandersetzung mit Kultur sei von zu Hause aus nicht mehr so selbstverständlich wie früher. „Aber vielleicht täuschen wir uns auch in der Einschätzung, dass das früher selbstverständlicher war. Wir müssen offen sein für neue Medien und sie in die Vermittlung einbinden. Museen müssen den Besuchern mehr Möglichkeiten geben, interaktiv tätig zu werden. Kultur ist nicht nur ein elitäres Vergnügen.“ Welchen Stellenwert sie in der Gesellschaft habe, sei wichtig für unser Selbstverständnis als Mensch, für unsere Herkunft, unsere Geschichte. Und sie präge auch die Region, in der wir leben.

Als berufliches Sprungbrett ist der Wechsel nach Landau nicht gedacht: „Ich bin hier, ich will bleiben“, betont Kepetzis. Sie ist übrigens nicht auf Empfehlung gekommen. Die Stellausschreibung habe sie in der „Zeit“ entdeckt. Eines vermisst sie aber jetzt schon: die gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. „Ich merke, dass ich ein Auto brauche.“ Ein Beispiel: Um nach Speyer zu kommen von Landau – das sind nur rund 30 Kilometer – brauche man mit dem Zug zwei Stunden.

Termin

Unter dem Titel „Line-up“ ist eine Werkschau des Kunstinstituts der Uni Landau vom 1. Februar bis 15. März in der Landauer Villa Streccius zu sehen. Dozenten geben Einblicke in das eigene Schaffen jenseits der Lehre. Bei der Eröffnung am Freitag, 31. Januar, um 20 Uhr übernimmt Ekaterini Kepetzis die Einführung und stellt sich dabei der Öffentlichkeit vor. Oberbürgermeister Thomas Hirsch und Dekan Lothar Bluhm begrüßen die Gäste. Es singt das Vokalensemble der Uni. Zur Finissage am 15. März, 15 Uhr, moderiert Kepetzis ein Künstlergespräch mit Mark Fritzsche, Ana Laibach, Eckart Steinhauser und Johanna Trautmann.

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