Rheinpfalz
Löwen in Glockenturm: Steinbacher haben Ideen, um Tourismus zu fördern
Wenngleich Steinbach erst in diesem Jahr zusammen mit Hohenöllen als Schwerpunktgemeinde im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms anerkannt wurde – die Dorfmoderation läuft bereits seit August vergangenen Jahres. Einer der fünf Arbeitskreise befasst sich mit Tourismus – und der hat etliche Ideen, unter anderem zur Nutzung des Glockenturms.
Der Ideenspeicher ist voll, nun befinde man sich in der Realisierungsphase, erläuterte Moderator Klaus Dockendorf im Gespräch mit der RHEINFALZ. Der gebürtige „Sanger“, im Ortsteil Sangerhof im benachbarten Henschtal geboren und aufgewachsen, moderiert nicht nur alle Arbeitskreise, für ihn ist die dörfliche Weiterentwicklung der Gemeinden im gesamten Landkreis eine Herzensangelegenheit, wie er sagt: „Ich bin der geborene Dorferneuerer, aufgewachsen in einem Vier-Generationenhaushalt mit neun Leuten am Tisch.“
Löwen werden in Speyer begutachtet
In Sachen Tourismus gilt es, die Pfründe, die kleinen und großen Schätze, die eine Gemeinde hat – oft im Verborgenen versteckt –, hervorzuheben und zu bewahren. Ein solcher Schatz ist zweifelsfrei die jüdische Geschichte Steinbachs, die sich im Jüdischen Museum eindrucksvoll widerspiegelt. An jenem Museum wird der geplante Wanderweg „Jüdische Kultur“ direkt vorbeiführen, der wie auch der Bergmannsbauernweg die bereits vorhandenen Rundwanderwege des Begehbaren Gesichtsbuches – geboren in der früheren Verbandsgemeinde Schönenberg-Kübelberg – ergänzen wird.
Apropos Pfründe: Da ist noch die gemeindeeigene Sammlung aus römischen und keltischen Funden, die in einer Vitrine im Museum bestaunt werden kann. Und es gibt zwei mächtige Portal-Löwen, die einst auf der Gemarkung aus dem Verborgenen aufgetaucht waren. Derzeit werden die steinernen Tiere in Speyer von Experten der Landesarchäologiebehörde begutachtet. Die Archäologen haben laut Dockendorf signalisiert, dass die mächtigen Skulpturen rückgeführt werden können, sofern in Steinbach eine entsprechende Räumlichkeit bereitgestellt werden kann. Darüber hinaus müssen Transport und Restaurierung sichergestellt sein.
Brandschutz muss geklärt werden
Zugegeben, die mächtigen Skulpturen passen räumlich wie auch thematisch genauso wenig in das kleine Museum wie die römischen und keltischen Exponate. Dockendorf weiter: „Wir haben mal in den benachbarten Glockenturm reingeschaut und dort auf der Fläche von drei auf drei Metern einen entsprechenden Platz für die Löwen gefunden.“ Auch die römischen und keltischen Funde könnten im Turm untergebracht werden. Kurzum, geht es nach dem Willen des Arbeitskreises, soll der Glockenturm der Frühgeschichte Steinbachs gewidmet werden. Während die Kreisverwaltung keine denkmalschutzrechtlichen Bedenken erhebt, ist die baurechtliche Situation – mit Blick auf den Brandschutz – noch zu prüfen, wie Dockendorf berichtet.
Übrigens: Ein Zwillingsbruder des Turmes steht im benachbarten Börsborn. Beide Türme waren ein Geschenk der Reichsgräfin Marianne von der Leyen, die von 1775 bis 1791 von Schloss Blieskastel aus auch über sieben Ortschaften der „Herrschaft Munchwilr“ residierte.
Altes Handwerk lebendig werden lassen
Trotz alledem, ein Museum muss heute mehr als ein Ausstellungsort von Exponaten sein, will es seine Attraktivität behalten. Das jüdische Leben in Steinbach ist untrennbar verbunden mit Isidor Triefus, der vor mehr als 120 Jahren im Ohmbachtal die Diamantschleiferindustrie gründete. Es gab neben den vielen Schleifereien aber auch den Viehhandel und im 19. und bis weit ins 20. Jahrhundert im Dorf eine kleine Schuhmacherwerkstatt sowie eine Schmiede. Beide Handwerke befanden sich nicht unweit von Glockenturm und Museum. Dieses Handwerk wieder lebendig werden zu lassen, gehört ebenso zum Ideenspeicher wie die Zubereitung eines koscheren Kaffees, der Besuchern im Museum kredenzt werden soll.
Werkeln wie vor 100 Jahren und dabei jede Menge Geschichte aus längst vergangenen Tagen mit allen Sinnen erleben, daran will der Arbeitskreis weiter arbeiten. Klar ist aber auch, dass das alles Geld kostet. Der Ortsgemeinderat wird Förderanträge stellen müssen, damit aus dem Topf der Dorferneuerung Zuschüsse kommen. Tourismus bedeutet aber auch, Besuchern Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten anzubieten. Auch hier denkt die Gruppe über den Tellerrand, über die Ortsgrenze hinaus, und deshalb gehts am 18. Mai auf Exkursionskurs in die Nachbarschaft...