Speyer Ein Bayer für Speyer: Bastian Fuchs wird Domorganist
Gut ein Jahrzehnt, bevor er selbst Domorganist in Speyer wurde, hat Bastian Fuchs für die große Orgel des Doms schon ein Stück geschrieben. „Lobgesang“ heißt es, komponiert 2015 für die Seifert-Orgel im Dom und für deren bisherigen Domorganisten Markus Eichenlaub, dessen Nachfolge Fuchs nun antritt. Die Melodie, erzählt er, sei ihm auf der Heimfahrt von Regensburg gekommen, nach dem letzten Unterricht an einem Freitag. Einfach so.
„Er trommelt anders“
Geboren wurde Fuchs 1994 in Neumarkt in der Oberpfalz, Orgel spielt er seit seinem achten Lebensjahr, zunächst bei Regionalkantor Peter Hummel in Berching. Als Ministrant in der Klosterkirche, erzählt er, habe er große Augen bekommen, sobald die barocke Orgel mit ihrem Prospekt von 1720 angestrahlt wurde: „Irgendwann will ich mal da oben sitzen.“ Eine Kindergärtnerin hatte da längst etwas bemerkt: „Er trommelt anders als die anderen.“
Das Thema „Dom“ war früh dabei. Schon sein erster Orgellehrer hatte als Regionalkantor Verbindungen zum Dom in Eichstätt, und über einen Freund stand Fuchs als junger Musiker mit verschiedenen Domorganisten in Kontakt, etwa in Passau und Bamberg. Was dann folgt, lässt sich als Lebenslauf lesen: Studium der Kirchenmusik in Regensburg, danach in Nürnberg Masterabschlüsse in Orgel und Orgelimprovisation, beide mit Bestnoten, den in Improvisation zusätzlich mit Auszeichnung. Dazu Vertretungen und Assistenzen an den Domen in Regensburg, Passau und Eichstätt, wo er Assistent des Domkapellmeisters war und zeitweise die Chöre leitete, zuletzt München in der Mariahilf-Kirche und als Assistenz der Münchner Dommusik. Sein erstes Amt als Domorganist wird er nun im August antreten.
Man spielt den Raum
„Qualität ist ein ganz wichtiges Wort“, sagt Fuchs, und meint damit keinen Glanz, sondern einen Maßstab, den er sich selbst setzt: hoher Anspruch, und zugleich eine Musik, zu der jeder Zutritt hat. Vom Pontifikalamt bis zur kleinen Werktagsmesse reiche die Spannbreite, und gerade die kleinen Dienste nimmt er ernst: müde am Morgen hinüber, drei, vier Lieder, eine Handvoll Menschen. „Man bleibt dadurch in diesem ganz Niederschwelligen, wo es einfach um die Sache geht.“ Es seien gerade diese Messen, die ihn an die Anfänge erinnerten.
Die Instrumente, auf denen er das tun wird, hat die Werkstatt Seifert gebaut: die große Orgel auf der Westempore, 2011 geweiht, und die kleinere Chororgel auf dem Königschor von 2008, die sich auch zusammen spielen lassen. Die Hauptorgel sei eine große Universalorgel mit dem dunklen, aus Frankreich kommenden Kathedralenklang, sagt Fuchs, die Chororgel ihre feinere Schwester, gut für Buxtehude oder Mendelssohn, fast kammermusikalisch, mit einem mitteltönigen Werk sogar für Renaissance. Was ihn am meisten beschäftigt, ist aber neben dem Klang die bauliche Eigenschaft: dass dieses Instrument den riesigen Raum, der die Menschen darin sonst verschluckt, tatsächlich in den Griff bekommt. „Man spielt nicht nur Orgel, sondern man spielt den Raum“, sagt er. Der Raum ist ihm auch Anstoß für seine Improvisationen.
Den Dom kennt Fuchs seit Jahren. Seit 2011 war er immer wieder hier; auf dem Weg zu Konzerten ein Zwischenstopp. Seine besten Momente, erzählt er, habe er, wenn er die Gelegenheit hatte, abends zu üben. Um an die Orgel zu gelangen, muss er durch den leeren Dom, dann setze er sich oft erst eine Weile in eine Bank. „Alleine in diesem Raum zu sein, das kann man nicht beschreiben.“ Der gewaltige Begriff der „größten erhaltenen romanischen Kirche Europas“ habe ihn immer fasziniert. Sitze man dann darin, müsse man zuerst begreifen, wie klein man ist. Die Steine dort vorn, die vor 1000 Jahren zur Zeit Kaiser Konrads II., gesetzt worden sind, seien älter als jede Notenschrift, mit der sich aufschreiben ließe, was er heute spielt.
Bayern und Pfalz
Es ist die erste Stelle seines Lebens außerhalb Bayerns. Doch ganz verliert er die Verbindung zur Heimat nicht, denn kirchenrechtlich ist sein neues Bistum bis heute bayerisch: Das Bistum Speyer ist Suffraganbistum des Erzbistums Bamberg und damit Teil der bayerischen Kirchenprovinz – ein Erbe aus der bayerischen Zeit der Pfalz, das selbst deren Trennung von Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg überdauert hat. Und an der Bamberger Domorgel sitzt zudem sein einstiger Lehrer: Markus Willinger, bei dem Fuchs in Nürnberg Orgel studierte.
In Speyer dagegen geht einer: Eichenlaub, sein Freund, wechselt nach Heidelberg. Den Speyerer Dom als Klangort, sagt Fuchs, kenne er bisher nur mit ihm an der Orgel; als er dort am vergangenen Sonntag Trinitatis dessen letzte Töne hörte, sei ihm durch den Kopf gegangen, dass nun er an der Reihe ist. Neben der räumlichen Nähe – Eichenlaub wohnt weiterhin in Speyer – bleibt der „Lobgesang“, das Stück, das er vor Jahren für diese Orgel und für seinen Vorgänger geschrieben hat. Bekommt man es nun auch von ihm zu hören? Fuchs: „Auf alle Fälle!“
