Eisenberg Kutilk neben Dampfnudeln

Die Thailänderinnen Nongnoot Frank (vorne) und Supak Berg (ganz rechts) zeigen den Landfrauen, wie man Frühlingsrollen zubereite
Die Thailänderinnen Nongnoot Frank (vorne) und Supak Berg (ganz rechts) zeigen den Landfrauen, wie man Frühlingsrollen zubereitet.

Unter dem Motto „Integriert is(s)t gut“, ein Projekt, das vom Landfrauenverband gefördert wird, haben die Kerzenheimer Landfrauen einen Integrationskochkurs veranstaltet. Dabei herrschte am Freitagabend reges Treiben in der Küche der Kerzenheimer Mehrzweckhalle. Vier Gerichte aus unterschiedlichen Nationen bereiteten Frauen aus der Türkei, Venezuela, Thailand sowie eine Kurdin aus der Türkei gemeinsam mit den 20 Teilnehmern zu.

Fasziniert schauen die Teilnehmer der Thailänderin Nongnoot Frank aus Göllheim bei der Zubereitung der Frühlingsrollen über die Schulter. Die 40-Jährige hat sich aus einem ganz besonderen Grund für dieses Gericht entschieden: „Thailändisches Essen ist sehr beliebt, besonders in Europa. Und es ist gar nicht schwer, die Frühlingsrollen zu kochen.“ Unter den Hobbyköchen sind auch zwei Männer, die dem Verein angehören. „Ich interessiere mich für Rezepte aus aller Welt. Frühlingsrollen kennt man zwar, aber die Zubereitung war mir bislang fremd. Jetzt weiß ich, auf was ich achten muss“, freut sich Egon Hahn. Während Nongnoot Frank die Glasnudeln in der Pfanne wendet, kümmert sich ihre Freundin Supak Berg aus Dreisen um die Teigblätter. Die Kerzenheimer Landfrau Heike Rogozinski ist begeistert von dem vielfältigen kulinarischen Angebot an diesem Abend: „Ich kann mitmachen und bekomme es direkt gezeigt. Außerdem bekommen wir die Rezepte im Anschluss ausgehändigt. Zuhause werde ich alles ausprobieren.“ Natürlich hat sie auch Fragen an die Köchinnen und möchte von der Venezolanerin Tajmattie Kalka wissen, ob man zu dem Milchreis, der gerade im Topf vor sich hin köchelt, auch Obst isst. So sei es meistens in Deutschland, fügt die Kerzenheimerin hinzu, die leidenschaftlich gerne Kochbücher sammelt. Die 50-jährige Tajmattie Kalka lebt seit fünf Jahren in Kerzenheim und beantwortet die Fragen in gut verständlichem Deutsch. „Wir machen Rosinen in den Milchreis“, erklärt sie. Das Rezept habe sie von ihrem Großvater, der indische Wurzeln hat. Demnach sei die Zubereitung mit Kardamom, Nelken und Zimt eher eine indische Speise. „Es ist eine Kindheitserinnerung für mich“, sagt die Venezolanerin. „Das schmeckt toll, ähnlich wie unser Milchreis“, stellt Heike Rogozinsiki nach dem ersten Abschmecken fest. Man dürfe nur nicht an die Kalorien denken, scherzt sie. Derweil knetet Behiye Kökmen aus Eisenberg ihren Bulgurteig für die kurdische Spezialität Kutilk und zeigt wahren Körpereinsatz. Denn der Teig aus Wasser, Mehl und Bulgur ist fest und benötigt Erfahrung, um die richtige Konsistenz zu erhalten. Die Kurdin hat Verstärkung mitgebracht. Ihre 18-jährigen Zwillingstöchter Aryen und Arin unterstützen sie tatkräftig. Aryen Kökmen findet das Projekt spannend, mit anderen Kulturen gemeinsam zu kochen: „Essen verbindet Kulturen. Jeder kann etwas vom anderen lernen.“ So sieht es auch Denise Schneller, die Vorsitzende der Landfrauen Münchweiler. Die 52-Jährige ist extra zum Integrationskochkurs nach Kerzenheim gekommen, da die Landfrauen in ihrer Gemeinde auch einen solchen Kochkurs anbieten werden. „Integration erachte ich als notwendig. Wir sollten nicht nebeneinander her, sondern miteinander leben. Dadurch werden Vorurteile gegenüber anderen Kulturen abgebaut. Wissen ist für mich nicht Macht, sondern wichtig, um zu verstehen, wie andere leben. Kochen ist dafür eine tolle Gelegenheit.“ Für die Türkin Ayse Tasdemir aus Eisenberg ist es nicht das erste Mal, dass sie türkische Speisen für die Kerzenheimer Landfrauen kocht. „Wir hatten schon Kochkurse nur mit türkischen Gerichten. Ich lebe in Deutschland und möchte von meinen Nachbarn gerne wissen, wie sie leben und essen. Wir müssen in den Dialog treten“, findet die 49-Jährige. Viel Aufwand ist ihr Gericht Sultan Begendi, Hackfleisch mit Auberginen, deshalb hat sie zuhause schon mal das Gemüse geschnitten. Arbeit haben sich auch die Landfrauen mit ihrem Gericht, Dampfnudeln mit Kartoffelsuppe, gemacht, das im Anschluss mit allen Gerichten auf den Tisch kommt. Das Hefegebäck duftet bereits in der Pfanne. Margit Liedtke-Zieroth, die Vorsitzende der Landfrauen, sagt: „Unser Integrationskochkurs ist ein voller Erfolg. Ich könnte mir vorstellen, dass ein weiterer Kurs mit vielen Nationen bald folgen wird. Ein Türkisch-Kochkurs ist bereits geplant.“

x