Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Kunst- und Einkaufsnacht: Regen bremst Resonanz

Blickfang in der Bahnhofstraße: Manfred und Martina Heiner bewundern eine der Karossen der Oldie-Freunde Pfalz.
Blickfang in der Bahnhofstraße: Manfred und Martina Heiner bewundern eine der Karossen der Oldie-Freunde Pfalz.

Zum Start der Frankenthaler Kunst- und Einkaufsnacht am Freitag kam der Regen. Wer gerade losziehen wollte, blieb vielleicht deshalb zu Hause. Es war ruhig in der Fußgängerzone und den Geschäften. Wo Bands spielten und das Publikum unter Markisen und Zeltdächern Schutz fand, herrschte dennoch gute Stimmung.

Herausgeputzte Oldtimer und aktuelle Automodelle zogen bei prasselndem Regen höchstens echte Liebhaber an. Dem Weinangebot auf dem Rathausplatz wurde wohl auch nicht gut zugesprochen. So packte der Stand der Monsheimer Wiesenmühle schon früh zusammen. „Es ist bestimmt toll hier, wenn das Wetter mitmacht. Aber hier stehen, nass werden – das bringt nichts“, sagte Angela Kolakowsky. Gegen 20 Uhr hatte sie noch kein Glas Wein ausgeschenkt.

Den Vorzug hatten an diesem Abend die Indoor-Aktionen. Hilfreich war ein Programmheft, um Angebote gezielt ansteuern und Zeiten planen zu können. In der Kundenhalle der Sparkasse waren – zumindest beim letzten Durchlauf des etwa 25-minütigen Mini-Theaterstücks des Theaters Alte Werkstatt – die Stühle fast alle besetzt, einige Zuhörer standen sogar. Vielleicht auch deshalb, weil potenzielle Zuschauer schon am Eingang auf die Vorstellung animierend hingewiesen wurden. Auch wer Melanie Gaugs und Birgit Kargs etwa halbstündige „Soiree im Thalia“ mit literarischen Texten und Tänzen genießen wollte, musste das schon planen. Direkt vor der Buchhandlung gab es keinen auffälligen Hinweis, um Publikum anzulocken.

„Frontpainting“ fällt aus

In den meisten Läden war das Kulturangebot im Schaufenster oder im vorderen Bereich platziert – zusammen mit Getränken und Häppchen. Neun bildende Künstler beteiligten sich, Anette Krahnke-Höner mit Engelbildern und Nicoleta Steffan mit unterschiedlichen Serien waren gleich in drei Läden vertreten. Im Haushalts- und Eisenwarengeschäft Kisling präsentierte Steffan Arbeiten zum Thema „aufblühen, keimen, gedeihen“. Zurück zu den Wurzeln, also? Die Künstlerin erläuterte, die Bilder seien im Rahmen eines Auftrags für einen Jahreskalender mit Blumenmotiven entstanden. Zudem, betonte sie, „Mohnblumen zu malen, habe ich nie aufgegeben“. Zarte Wiesenblumen mit winzigsten Flimmerhärchen, Mohn- und Phantasieblumen mit neonfarbenen Blüten waren als Hingucker im Schaufenster platziert.

Dach überm Kopf: Im Cafe Quito spielten am Freitag »The Fossils«.
Dach überm Kopf: Im Cafe Quito spielten am Freitag „The Fossils“.
Eine Frau, viele Instrumente: Missy Canis improvisierte im Kunsthaus Melodien und baute sie zu Songs zusammen.
Eine Frau, viele Instrumente: Missy Canis improvisierte im Kunsthaus Melodien und baute sie zu Songs zusammen.
Flinke Feder: Steffen Boiselle versorgte die Besucher mit schnell gezeichneten Porträts.
Flinke Feder: Steffen Boiselle versorgte die Besucher mit schnell gezeichneten Porträts.
Wetterfest – das galt auf dem Rathausplatz für Zuhörer und Musiker gleichermaßen. Auf der Bühne: die Countryband »Nash«.
Wetterfest – das galt auf dem Rathausplatz für Zuhörer und Musiker gleichermaßen. Auf der Bühne: die Countryband „Nash“.
Disco in leise: Holger Koch und Claudia Mohr aus Ludwigshafen tanzen in der Stadtbücherei zu Musik aus dem Kopfhörer.
Disco in leise: Holger Koch und Claudia Mohr aus Ludwigshafen tanzen in der Stadtbücherei zu Musik aus dem Kopfhörer.
Historisches im Schaufenster: Das Kaufhaus Birkenmeier hatte mit Lokalhistoriker Dieter König eine Postkarten-Ausstellung organi
Historisches im Schaufenster: Das Kaufhaus Birkenmeier hatte mit Lokalhistoriker Dieter König eine Postkarten-Ausstellung organisiert.
Kunst in der Parfümerie: Dort zeigte Traudel Görtz Aquarellmalerei.
Kunst in der Parfümerie: Dort zeigte Traudel Görtz Aquarellmalerei.
Ohne Schirm ging gar nichts am Freitag: Blick auf den Rathausplatz, wo neue und ältere Modelle verschiedener Automarken zu bewun
Ohne Schirm ging gar nichts am Freitag: Blick auf den Rathausplatz, wo neue und ältere Modelle verschiedener Automarken zu bewundern waren.
Bunte Kreationen für mutige Models: Fotograf Thomas Detzner beim Shooting in der Blumen-Oase.
Bunte Kreationen für mutige Models: Fotograf Thomas Detzner beim Shooting in der Blumen-Oase.

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Bernhard Röhrenbeck wollte vor dem Fahrradgeschäft Gruber ein „Live Frontpainting“ anbieten. Auf weißer Leinwand sollte in rund 1,5 Stunden ein Bild vor den Augen des Publikums entstehen. „Ich wollte natürlich jeden Arbeitsschritt erklären, vom Aufbau des Bildes über die Farbgebung bis hin zu kleinen Details wie das Verblenden von Farben“, sagte Röhrenbeck. Doch der Regen habe das Vorhaben zunichte gemacht – er packte ein. „Es ist buchstäblich ins Wasser gefallen“, bedauerte Inhaber Mike Gruber. Auch er wolle jetzt bald schließen. Es war still in der Speyerer Straße; die Bühne dort, ohne Dach und deshalb leer, konnte ihren Zweck als Anziehungspunkt nicht erfüllen.

Mit viel Liebe dekoriert

In der Schlossergasse hatte Friedlinde Hüther im Hörraum der SK Hörakustik zusammen mit Ehemann und Musiker Alexander Hüther ein festes Dach über dem Kopf. Büsten in Ton und Bronze sowie Acryl-, wie Temperamalerei sind noch bis 31. Juli dort ausgestellt. Ein Verzeichnis mit Titeln hilft, die Werke zu verstehen. Ideal ist es, wenn die Künstlerin erläutert. Selbst aktiv werden, konnte das Publikum in der Blumen-Oase. Gemeinsam mit Fotograf Thomas Detzner bot Inhaberin Anja Mechtersheimer ein Foto-Shooting mit floralem Kopfschmuck an. Die extravaganten Kreationen waren bezaubernd, aber Mut brauchte es auch, damit vor der Kamera zu posieren.

Chillen, abtanzen – das war in der Stadtbücherei bei der Silent Disco angesagt. Im Kopfhörer: Musik der 80er-, 90er- oder 2000er-Jahre. Die Tanzfläche befand sich gemeinsam mit der Bar im Obergeschoss. Clemens Drapal, der aus Hamburg kommt und neu in der Region ist, war begeistert: „Es ist eine ganz hervorragende Möglichkeit, mit Musik die Bücherei kennenzulernen.“ Es fehlten aber die Besucher. Das Büchereiteam hatte sich Mühe gegeben und mit viel Liebe den Raum gestaltet. Kleine Lämpchen auf der Treppe und an kleinen Tischchen verliehen dem Ganzen Clubcharakter.

Boiselle kommt gut an

Von der Innenstadt zum Kunsthaus war es – zumindest bei diesem Wetter – ein gewaltiger Fußmarsch. Und dennoch klang Uschi Freymeyer, die dort ihr Atelier geöffnet hatte, auf Nachfrage zufrieden. Etwa 60 Menschen seien gekommen. Und auch das Angebot von Steffen Boiselle, ein ganz persönliches Porträt des Schnellzeichners mit nach Hause zu nehmen, sei sehr gut angenommen worden. Allein die Musik war gewiss ein Hörerlebnis. Missy Canis, die bereits bei einer früheren Ausstellung ihr Können und ihre Kreativität bewiesen hatte, improvisierte Melodien, indem sie mehrere Instrumente nacheinander spielt, aufnimmt und so zum mehrstimmigen Song ergänzt.

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