Rheinpfalz Kritik an bestehender Zuschussregelung

Die Synode des protestantischen Kirchenbezirks Lauterecken fordert die Landeskirche auf, bei den finanziellen Zuweisungen die Anzahl der Kirchengebäude künftig stärker zu berücksichtigen. Einem entsprechenden Antrag des Odenbacher Pfarrers Jochen Walker stimmte die Synode am Mittwoch einstimmig zu.
Auf Initiative des Odenbacher Presbyteriums wird sich nun die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz erstmals nach der 2009 entschiedenen Neuregelung der Baumittelvergabe mit dem Thema befassen müssen. Bisher hatten Kirchengemeinden 60 Prozent einer Baumaßnahme selbst getragen, 40 Prozent waren Zuschüsse aus Speyer. Diese waren wegen der angespannten Finanzlage auf 20 Prozent gekürzt worden. Zugleich konnten aber finanzschwache Gemeinden aus einem Härtefonds der Landeskirche zusätzliche Mittel erhalten. Dieser Fonds wurde abgeschafft. Nach dem neuen „Homburger Modell“ müssen die Gemeinden Rücklagen für Instandhaltungen bilden. Parallel dazu verteilt die Landeskirche Baumittel in Höhe von rund vier Millionen Euro pro Jahr an die 19 Kirchenbezirke. Als Parameter dienen Gemeindemitglieder und Gebäudebestand. Der Odenbacher Vorstoß geht nun dahin, bei der Berechnungsgrundlage die Anzahl der zu unterhaltenden Gebäude stärker zu berücksichtigen. Der Hintergrund: Während die Zahl der Gemeindemitglieder kontinuierlich sinkt, bleibt die Anzahl der Gebäude weitgehend konstant. Für die Odenbacher Gemeinde etwa, die mit vier denkmalgeschützten Kirchen, zwei Gemeindehäusern und einem Pfarrhaus über zahlreiche Gebäude verfügt, bedeutet dies, dass sie nicht mehr in der Lage ist, diese allein zu unterhalten. Laut Walker erhält die Gemeinde mit 2053 Mitgliedern, zu der neben Odenbach die Orte Gangloff, Adenbach, Roth, Becherbach, Ginsweiler und Reiffelbach gehören, rund 50.000 Euro Schlüsselzuweisungen. Die Hälfte davon fließe in die Instandhaltung von Gebäuden. Der Verkauf eines Gemeindehauses sei beschlossen, zudem seien zwei Kirchbauvereine gegründet, und es gebe jährliche Sammlungen, schilderte Walker die Bemühungen des Presbyteriums: „Wir kommen bei weitem nicht an die geforderte Summe heran.“ Aktuell bereitet ihm das marode Kirchendach in Gangloff Sorgen. Kostenpunkt: 90.000 Euro. „Wir stehen am Punkt Null, sollen weitere Rücklagen bilden“, berichtete er von dem Dilemma. Im Presbyterium mache sich daher immer mehr Unmut breit. Die Mitglieder wollten nicht immer nur über die Finanzmisere reden, sondern Gemeindearbeit gestalten, sagte Walker. Zudem gebe es Druck von der Landeskirche, wenn der Haushalt nicht ausgeglichen sei. „Dabei wirtschaften die Presbyter schon jetzt sparsamst“, schilderte Walker. Dies sei kein tragbarer Zustand. Die Gemeindemitglieder seien nicht bereit zuzusehen, wie Gebäude verfallen, die einen hohen historischen Wert haben. Nach Aussagen von Verwaltungsamtsleiter Erhard Hübner sind rund 60 Prozent der Gemeinden im künftigen Dekanat „An Alsenz und Lauter“, das die bisherigen Kirchenbezirke Lauterecken, Rockenhausen, Otterbach und Winnweiler umfassen wird, betroffen. „Wir können überzeugt sein, dass das nicht nur ein Lauterecker Problem ist“, sagte auch der Vorsitzende der Bezirkssynode, Rudi Kochenburger. In der Landeskirche gebe es kaum ein Dekanat, das diese Schwierigkeiten nicht kenne. In Kusel wurde vor kurzem der Verkauf eines Pfarrhauses beschlossen. Kochenburger, Mitglied der Landessynode sowie der Kirchenregierung, plädiert dafür, dass der Diskussionsprozess zu diesem Thema in Gang kommt. Einstimmig beschloss die Bezirkssynode, den Antrag an die Landessynode weiterzugeben. Anstatt dass Presbyterien in Zukunft darüber beraten müssten, welche Kirchengebäude einem „kontrollierten Zerfall anheimgegeben werden müssen“, regt Walker zum Nachdenken über eine Solidarität „reicher“ Gemeinden mit den schwächer gestellten an. In diesem Zusammenhang hält er die Wiedereinführung eines Notfonds bei der Landeskirche für ein geeignetes Instrument. (suca)