Karlsruhe RHEINPFALZ Plus Artikel Kostenlawine der Baukosten am Badischen Staatstheater

 Immerhin läuft bislang alles gut im Zeitplan. Denn dauern Baustellen länger, verursacht das immense Mehrkosten.
Immerhin läuft bislang alles gut im Zeitplan. Denn dauern Baustellen länger, verursacht das immense Mehrkosten.

Trotz des eingeplanten Risikopuffers drohen die Sanierung und der Neubau beim größten Karlsruher Kulturprojekt die 700-Millionen-Euro-Marke zu knacken.

Nachdem der Etat bereits 2021 von ursprünglich 324 auf 508 Millionen Euro angehoben wurde, steht nun fest: Auch dieser Kostenrahmen wird kaum zu halten sein. Grund sind die anhaltend hohen Baupreise und zusätzliche technische Anforderungen, die das Projekt deutlich verteuern. Gebaut und saniert wird in drei großen Bauabschnitten. Das so genannte Modul 1 – Neubau des Schauspielhauses – ist bereits in der Ausführung weit vorangeschritten und bei Modul 2 – der Schaffung neuer Proben- und Funktionsräume – sind nach Fällung der Platanen im vergangenen Winter die Bauarbeiten fristgemäß gestartet. Beide Bauabschnitte hatten sich, obwohl sie voll im Zeitplan liegen, um rund 34 Millionen Euro verteuert. Gebaut wird bislang bei stets laufendem Spielbetrieb im Haus.

Mit dem dritten Bauabschnitt, der Sanierung des 1975 eröffneten Bestandsgebäudes, wurde noch nicht begonnen. Er macht, anders als bei Modul 1 und 2, eine Verlegung des Spielbetriebs ins Konzerthaus am Kongressplatz erforderlich. Die Sanierung und Ertüchtigung des Altbaus ist bautechnisch besonders aufwendig und teuer. Hinter den Kulissen ist von Gesamtkosten jenseits von 700 Millionen Euro die Rede, sollte das Projekt unverändert umgesetzt werden.

Der neue Anbau am Badischen Staatstheater Karlsruhe (rechts) mit dem Kleinen Haus.
Der neue Anbau am Badischen Staatstheater Karlsruhe (rechts) mit dem Kleinen Haus.

Diese Zukunftsschätzung jedoch wollte das Badische Staatstheater auf Anfrage der RHEINPFALZ nicht betätigen. Der derzeit offiziell gültige Kostenrahmen betrage jene 508 Millionen Euro. Eine neue Gesamtsumme über diesen Betrag hinaus liege derzeit nicht vor, sagt Lucas Bauer, Leiter der Sanierungskommunikation des Theaters: „Aktuell ruht die Weiterplanung für Modul 3. Es findet eine substanzielle Prüfung der funktionalen und bautechnischen Anforderungen statt, mit dem Ziel der Kostenoptimierung.“

In den kommenden Monaten geht es also ums Überarbeiten der Pläne, wobei es sich nicht um kleine, kosmetische Veränderungen handeln wird, sondern um nachdrückliche Einschnitte in die vor Jahren langwierig erarbeiteten architektonischen Anordnungen. Kann das auch bedeuten, dass das Bauvolumen generell reduziert, die Tiefgründung oder allgemeine Raumplanung geändert wird? Denkbar wäre der Verzicht auf eines der geplanten zusätzlichen Untergeschosse, das eigentlich einen großen Probenraum aufnehmen sollte. Je geringer der Aushub, desto niedriger die Kosten. Würde dieser Raum wegfallen, müssten Probenräume anders im Gebäude untergebracht oder Flächen multifunktional genutzt werden.

Hierzu gab es seitens der Sanierungskommunikation keine detaillierte Auskunft. „Ziel ist es, durch Überarbeitungen des Entwurfes alle Optionen zur Kosteneinsparung umzusetzen“, so Bauer. „Hierbei werden insbesondere kostenintensive Eingriffe in den Bestand geprüft.“

Arbeiten laufen nach Plan

Nach der noch aktuellen Planung liegt der Kostenrahmen für Modul 3 bei 264 Millionen Euro. 2028 soll das Theater die neu errichteten Module 1 und 2 in Betrieb nehmen können. Ebenso ist der Beginn der Sanierung und Erweiterung des Bestandsgebäudes (Modul 3) ab 2028 geplant. Bislang gilt, dass der Gesamtfertigstellungstermin 2034 gehalten wird.

Zwar kann gegenwärtig niemand sagen, auf welche Summe die Kostenlawine anwachsen wird. Gesichert stabil hingegen ist die Struktur der Finanzierung: Stadt Karlsruhe und Land Baden-Württemberg tragen das Projekt weiterhin zu gleichen Teilen. Auf städtischer Seite ist laut Bauer im Haushalt eine jährliche Rate von 20 Millionen Euro bis 2034 vorgesehen, ergänzt durch eine letzte Teilrate im Jahr 2037. Die entsprechende Finanzierungsvereinbarung hierzu wurde Ende 2022 geschlossen.

Parallel dazu haben die Karlsruher Kulturtreibenden, auch das Staatstheater, bei der Erstellung des nächsten Haushalts harte Einsparungen zu befürchten. Einige freie Kulturträger, die von jährlicher Unterstützung weniger tausend Euro abhängig sind, haben schon gewarnt, dass ihre Arbeit bei solchen Einschnitten komplett auf der Kippe steht. Da wird die kulturpolitische Debatte angesichts der nicht abzuschätzenden Millionenbeträge bei der Baustelle Staatstheater umso kontroverser geführt. Am 22. Dezember wird im Gemeinderat über den Haushalt abgestimmt.

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