Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Kosten für Neubau „für uns alle ein Schock“

Unter anderem diese Skizze, wie das neue Rathaus aussehen soll, zeigten die Architekten der Werkgemeinschaft Landau am Mittwoch
Unter anderem diese Skizze, wie das neue Rathaus aussehen soll, zeigten die Architekten der Werkgemeinschaft Landau am Mittwoch den Mitgliedern des Verbandsgemeinderates. Geplant ist ein dreistöckiges Gebäude, das nicht ganz die Form eines Würfels hat.

Das neue Rathaus der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben wird 50 Prozent teurer als vor einem Jahr gedacht: 7,8 Millionen Euro. Die SPD wollte deshalb auf einen zentralen Raum verzichten. Für Bürgermeister Thomas Peifer ist das aber undenkbar.

Thaleischweiler-Fröschen. „Die Macht der ersten Zahl“ nannte Architekt Jürgen Sebastian von der Werkgemeinschaft Landau im Verbandsgemeinderat am Mittwoch, was den Ratsmitgliedern so im Magen lag: 5,3 Millionen Euro sollte der Neubau kosten, hieß es vor einem Jahr. Damals hatte ein Planungsbüro verschiedene Varianten untersucht – darunter auch eine Sanierung in Thaleischweiler, die Nutzung eines Reno-Gebäudes und eine geteilte Verwaltung in Thaleischweiler und Wallhalben. Das Ergebnis: Ein Neubau sei auf 50 Jahre gesehen am günstigsten. Dem sei nach wie vor so, auch wenn es jetzt teurer wird, sagte Verbandsbürgermeister Thomas Peifer gleich zu Beginn, noch bevor die Planer dem Verbandsgemeinderat ihre Ideen vorstellten und Zahlen nannten. Dass das Gebäude nun aber 7,8 Millionen Euro kosten soll und damit um die Hälfte teurer würde, daran störten sich vor allem SPD und FWG.

Ratssaal ist zentrales Element

Wie berichtet, soll das Gebäude links des jetzigen Rathauses gebaut werden, wo derzeit noch eine Schotterfläche als Parkplatz dient. Der Entwurf sieht einen dreistöckigen Würfel vor – zumindest annähernd –, wobei nur das Erdgeschoss durchgängig bebaut ist und in der Mitte als zentrales Element den Ratssaal für Sitzungen hat. Das ist für den Landauer Architekten Jürgen Sebastian „auch bissel eine symbolische Geschichte“, wie er erläuterte: Der Rat tagt nicht mehr im obersten Stockwerk, von wo er herabschaut. Man wollte „den Ratssaal auf Augenhöhe zu den Bürgern bringen“, erklärte Sebastian. Die beiden Obergeschosse sitzen wie ein eckiges O auf dem Erdgeschoss. Der erste Stock hat somit einen begehbaren Innenhof. Sebastians Kollegin Simone Walter hat die Aufteilung so geplant, dass die Büros mit viel Publikumsverkehr im Erdgeschoss liegen: Bürgerdienste, Schulen und Kindergärten, Feuerwehr, öffentliche Angelegenheiten. Die Abteilung zentrale Dienste soll ins erste Obergeschoss, Finanzen und Bauen ins zweite. Planer Michael Mager aus Schindhard, der sich um die Technik kümmert, möchte den Strom mit einer Photovoltaikanlage erzeugen und das Gebäude mit einer Gas-Wärmepumpe heizen und kühlen. Was mit dem alten Rathaus passiert, ist laut dem Beigeordneten Markus Bold noch nicht endgültig entschieden. In der Planung ist davon die Rede, es abzureißen und auf dem Gelände Parkplätze anzulegen. Es sei aber auch denkbar, dass es verkauft und weitergenutzt wird, sagte Bold im Gespräch mit der RHEINPFALZ.

Alles zusammen soll laut den Landauer Planern 7,8 Millionen Euro kosten. „Die Kosten haben wohl einige im Rat erschüttert“, stieg SPD-Sprecher Jörg Juner in die Diskussion ein. „Ich kann nicht ein goldenes Ei verlangen für 3,50 Euro“, räumte er ein. Dennoch sei das Verwaltungsgebäude „ein Zweckbau“. Er schlug deshalb vor, auf den Ratssaal zu verzichten und für Sitzungen nach Wallhalben oder in die Aula der Grundschule in Thaleischweiler auszuweichen.

Hinter Entwurf steckt Philosophie

Davon war Planer Sebastian überhaupt nicht begeistert. Hinter dem Entwurf stecke eine Idee, ein Konzept, eine Philosophie, sagte er. Die Frage „Wie springen wir mit dem Ratssaal um“ sei nicht unwesentlich gewesen. Und wenn er den Auftrag gehabt hätte, einfach eine Verwaltung zu bauen, „dann wäre das eine gänzlich andere Geschichte“. Es sei unseriös, spontan eine Zahl zu nennen, wie viel man bei einem Verzicht auf den Ratssaal sparen könnte, sagten sowohl er als auch Simone Walter. Sebastian war zudem wenig begeistert davon, einfach die Planung zu nehmen und den Sitzungssaal herauszunehmen: „Ich tu’ mir schwer damit, das Erdgeschoss zuzuschütten.“

Unterstützung bekamen die Planer von Verbandsbürgermeister Peifer, für den ein neues Rathaus ohne Sitzungssaal „unvorstellbar“ ist. Schließlich gehe es nicht nur um die Sitzungen des Verbandsgemeinderates, sondern solch ein Saal werde auch gebraucht für die Werke, für die Ausschüsse, für Empfänge und die Kreismusikschule. Außerdem dränge die Zeit, weil man die Förderanträge bis Ende September auf den Weg bringen müsse. Für Willi Schwarz (CDU) ist der Saal „kein Prestigeobjekt“. CDU-Sprecher Dietrich Bauer räumte ein, dass die massive Kostensteigerung „für uns alle ein Schock“ gewesen sei. Dennoch sei der Neubau die beste Lösung. Man habe zwei Tage zusammen gesessen, um ein Planungsbüro auszuwählen, und man solle die Planung nun nicht abspecken. Dieter Feick (CDU) sagte, man müsse sich nicht wundern, wenn man irgendwann niemanden mehr für die Arbeit in der Verwaltung finde.

FWG sieht viele Fragezeichen

Heftige Kritik kam von der FWG. Weil unter anderem noch ein Bodengutachten fehlt, sah Martin Eichert „noch verdammt viele Fragezeichen“. Berthold Martin fand es unvorstellbar, dass der Bauausschuss und die Ortsbürgermeister nicht vorab informiert wurden, und er erinnerte daran, dass einige Kosten gar nicht bezuschusst würden, darunter die Einrichtung: Wenn der Bau fertig ist, „haben wir noch keinen Stuhl“. FWG-Sprecher Peter Sammel wunderte sich über die Kostenschätzung aus dem Jahr 2018, und er forderte unter anderem, den Plan zu überarbeiten.

Die SPD beantragte eine zehnminütige Sitzungsunterbrechung, um die Argumente abzuwägen. Danach folgte sie mehrheitlich der CDU: Der Rat beschloss mit den zwölf Stimmen der CDU, den zwei Stimmen der FDP und mit vier Stimmen aus der SPD, die Förderanträge auf Basis der vorliegenden Planung auf den Weg zu bringen. Drei SPDler enthielten sich, die FWG-Fraktion stimmte komplett dagegen.

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