Rheinpfalz „Konkurrenzverein eine Schnapsidee“

Der Luitpoldturmverein wurde im August 2007 gegründet. Initiator zur Gründung war der ehemalige Forstdirektor Klaus Albert. Als aktiver Mitstreiter engagierte sich von Anfang an Franz Mayer. Bis dato war Albert Vorsitzender, Mayer sein Stellvertreter. Nun hat Mayer seine Mitgliedschaft aufgekündigt und lädt stattdessen zur Gründung eines neuen Luitpoldturmfördervereins ein: für Mittwoch, 12. April, 18 Uhr, im Landgasthaus Luitpoldturm auf dem Hermersbergerhof.
Laut Albert kam der Rückzug seines Stellvertreters überraschend. In seinem Antwortschreiben an Mayer habe er als Vorsitzender des Luitpoldturmvereins das Engagement seines Stellvertreters gewürdigt, erklärte er gegenüber der RHEINPFALZ. Erstaunt sei er gewesen, dann aus dem Amtsblatt für die Gemeinde Wilgartswiesen zu erfahren, dass Mayer die Gründung eines neuen Vereins anstrebe, sagt Albert. Für den im geschäftsführenden Vorstand als Schriftführer engagierten Stephan Neuberger ist die Neugründung ein „Konkurrenzverein“. Über die Gründe sagte er auf Anfrage nur, dass es „zu weit führen würde zu schildern, was sich in den letzten beiden Mitgliederversammlungen abgespielt hat“. Da Albert wegen Krankheit nicht anwesend gewesen sei, habe Mayer als sein Stellvertreter die Versammlung geleitet und „dazu genutzt, volle zweieinhalb Stunden auf die Mitglieder einzureden“. Als er bei der letzten Versammlung von allen anwesenden Mitgliedern überstimmt wurde, habe Mayer versucht, mit Hilfe eines Rechtsanwalts die Beschlüsse der Versammlung anzufechten, was ihm nicht gelang, so Neuberger, selbst Rechtsanwalt. Es ginge um den Gestattungsvertrag mit dem Forstamt Hinterweidenthal über die bauliche und touristische Betreuung des Luitpoldturms durch den Verein, erläutert Neuberger. „Mit dem Vertrag sollte der bisher ungeklärte vertragslose Zustand, der immer wieder Probleme bereitet hatte, beendet werden“, so der Jurist. Bei den Verhandlungen sei das Land durch die Landesforsten vertreten worden. Man habe sich problemlos einigen können. Der Vertrag sei in der vergangenen Woche unterschrieben worden. „Wir bedanken uns bei den Vertretern des Landes, die sehr viel Verständnis für unsere Situation gezeigt haben“, betont Neuberger. Man habe sofort eingesehen, dass der Verein mit dem Vertrag nur das Recht erhalten wolle, etwas für den Turm zu tun, „dass wir aber keine Pflicht übernehmen können“. Es sei deshalb ausdrücklich festgehalten worden, dass man keine Pflicht habe, den Turm in seinem baulichen Zustand zu erhalten, und auch keine Verkehrssicherungspflichten übernehme. Das Land wiederum prüfe, wie es im Vertrag steht, mit einem Sachverständigen jährlich den Turmzustand. Wenn Mängel festgestellt werden, sei der Verein berechtigt, „aber nicht verpflichtet“, diese zu beheben. „Ganz wichtig war uns, dass wir nun auch das Recht erhalten, bei Arbeiten am Turm die Waldwege mit Fahrzeugen zu benutzen“, betont Neuberger. Der Gestattungsvertrag sei vorsorglich allen Mitgliedern zugeleitet worden. Es gab 29 schriftliche Rückmeldungen, alle positiv, keine Gegenstimme, so Neuberger. Zu der vorgesehenen Gründung eines weiteren Fördervereins erklärte Neuberger: „Es kann gar nicht genug Vereine geben, die sich um den Luitpoldturm kümmern. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft.“ Dennoch stellt er fest, dass es „eine Schnapsidee“ sei. Mayer sei wohl aus Verärgerung darüber ausgetreten, dass er bei der jüngsten Versammlung von allen Mitgliedern überstimmt worden sei. „Mayer hat es den Mitgliedern insgesamt nicht leicht gemacht, weil er stets seine Meinung hat durchsetzen wollen. Und die Hinzuziehung eines Rechtsanwalts, um die Beschlüsse zu kippen, ist ein Affront gegen die Entscheidungsfreiheit eines jeden Einzelnen gewesen“, betont Neuberger. Neuberger sagt, er sei mit der Entwicklung des Luitpoldturmvereins „sehr zufrieden“. Man habe einige Tausend Euro investiert und den Turm stilgerecht auf Vordermann gebracht. Zudem führe man jährlich große Putz- und Aufräumaktionen durch. „Entscheidend beteiligt waren wir daran, dass die drohende Verspargelung des Pfälzerwalds durch Windkraftanlagen verhindert werden konnte. Das war auch ein Erfolg unseres Vereins“, bilanziert er.