Rheinpfalz „Kompass“ wird fortgesetzt

Der Begleitausschuss der lokalen Partnerschaft für Demokratie im Kreis, die sich um die Umsetzung des Bundesprogramms „Demokratie leben“ im Landkreis Südwestpfalz kümmert, hat das erste Projekt für das Jahr 2016 bewilligt.
Das Sonderprojekt „Kompass“ des Internationalen Bundes (IB), das bereits in diesem Jahr sehr erfolgreich lief, wird fortgesetzt. Gefördert wird es mit 8800 Euro. Schwerpunktthemen werden die Begriffe Freiheit und Stärkung des Selbstwertgefühls sein. Hier geht es etwa darum, Muslimen aufzuzeigen, welch hohe Bedeutung der Begriff Freiheit in der deutschen Kultur hat und was damit alles verbunden ist. Dazu gehörten auch Alltagsdinge wie das Problem, dass mancher muslimische Vater seine Töchter nicht am Schwimmunterricht teilnehmen lassen möchte. Die Teilnehmer des bisherigen Kompass-Projekts, die sich intensiv mit Themen wie Religion, Religionsfreiheit und damit Verständnis für andere Religionen auseinandergesetzt haben, werden in das Nachfolgeprojekt als Lotsen und Paten eingebunden. Vier weitere Projektideen waren in der ersten Runde eingereicht worden. Über zwei konnte der Begleitausschuss nicht entscheiden. Es waren Projektideen der Kreisvolkshochschule (KVHS) , bei denen die aktuelle Flüchtlingssituation stark im Fokus gestanden hätte, in Anlehnung an Projekte aus dem Jahr 2015. Unter anderem war vorgesehen, eine fixe Anlaufstelle einzurichten, die Flüchtlinge bei auftauchenden Fragen schnell an Fachleute vermitteln könne. Dass es diesen Bedarf gibt, hatte die sozialpädagogische Begleitung der Sprachkurse gezeigt. Die KVHS müsse ihre Projekte noch mal überarbeiten, erläuterte Marika Keller, die Fachkoordinatorin des Lokalen Demokratie-Projekts. Auf Bundesebene sei deutlich gemacht worden, dass Projekte, die sich ausschließlich an Flüchtlinge wenden – das wäre bei den KVHS-Projekten in der jetzigen Form der Fall – nicht förderfähig seien. „Die Mehrheitsgesellschaft muss erreicht werden, das ist ganz entscheidend bei der Bewilligung von Fördermitteln“, erläuterte Keller. Die Projekte würden jetzt überarbeitet. Dem Punkt „Begegnung“ soll eine gewichtige Rolle zukommen. Auf Bundesebene sei deutlich gemacht worden, dass 2016 ein Schwerpunkt dem Bereich „Willkommenskultur“ gelten solle. 218 Kommunen beteiligen sich bundesweit an dem Programm. Die Bundesmittel, die zunächst mit 40,5 Millionen Euro veranschlagt waren, wurden zwischenzeitlich auf 50,5 Millionen Euro aufgestockt. Wie diese zusätzlichen zehn Millionen verteilt werden, sei noch nicht entschieden. Die Lokalen Partnerschaften gingen bundesweit aber davon aus, dass ihnen mehr Geld für Projekte zur Verfügung stehen wird. In der Südwestpfalz sind es derzeit 55.000 Euro. Kein Ausschlusskriterium sei es mehr, wenn eine Lokale Partnerschaft kein eigenes Jugendforum habe, informierte Keller über weitere bundesweite Neuerungen. Gerade in Flächenlandkreisen wie der Südwestpfalz sei es schwierig, das kreisweit zu organisieren. Lokal funktioniere es aber durchaus. Das Jugendforum Wasgau sei sehr aktiv und kooperiere mit dem Jugendforum Waldfischbach-Burgalben. Jugendforumsbestrebungen gibt es in Thaleischweiler-Fröschen und Contwig – Ausgangspunkt sind jeweils die beiden Integrierten Gesamtschulen. Mit der Realschule plus in Hausenstein möchte das Jugendforum Wasgau auch etwas gemeinsam angehen. Für die Vernetzung verstärkt auf soziale Medien zurückzugreifen biete sich hier an, merkte der Kreisbeigeordnete Peter Spitzer an. In kleineren Gruppen laufe das, aber ganz weit öffnen sei schwierig, weil sich dann auch Gegner dieser Projekte darüber artikulieren würden, erklärten Jugendforumsvertreter. Zwei weitere Projektideen, die dem Begleitausschuss vorlagen, wurden grundsätzlich positiv bewertet, die endgültige Entscheidung darüber aber zurückgestellt. Dabei handelt es sich um das IB-Projekt „Wir sind bunt“, das in diesem Jahr gemeinsam mit dem Kindergarten Liederschiedt realisiert wurde. Die Kinder setzten sich zeichnerisch und musikalisch (CD-Aufnahme) mit dem Thema Demokratie auseinander. Dieses Projekt soll 2016 mit einer Grundschule in Klassenstufe drei, vier realisiert werden. Da das Projekt ohnehin erst im zweiten Halbjahr 2016 starten soll, vertagte der Ausschuss die Entscheidung, um abschätzen zu können, welche weiteren Projekte kommen und welcher Förderbedarf vorhanden ist. Noch etwas mehr Informationen werden zum Projekt der IGS Contwig gewünscht. Diese werden den Ausschussmitgliedern zugeleitet, die ihr Votum ohne weitere Sitzung abgeben. Geplant ist hier, dass Schüler einmal pro Woche in die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Zweibrücken gehen. Über gemeinsame Spiel- und Sprachangebote sollen sich beide Seiten kennen- und verstehen lernen. Weitere Projektideen, deren Antrag nicht rechtzeitig fertig wurde, über die kommendes Jahr entschieden wird, sind Themen wie: „Frauen leben weltweit“ (Frauenforum Südwestpfalz), eine Honorarkraft für die ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuer im Mehrgenerationenhaus Waldfischbach und ein dort geplantes Gartenprojekt. Die BBS Rodalben möchte Wokshops anbieten, die Waldritter aus Wallhalben ein Live-Rollenspiel machen und das Otfried-von-Weißenburg-Gymnasium Dahn seine 2015 mit Erfolg umgesetzten Projekte, wie Schülerzeitung, Schul-TV und Work-Shops, fortsetzen. Würden alle vorliegenden Projekte (ohne Kreisvolkshochschule) gefördert, wäre ein Finanzbedarf von 40.000 Euro erreicht. (add)