Edesheim
Komikerduo Die Feisten bei den Schlossfestspielen
Die Feisten machen ihrem Namen keine Ehre. Vor allem Matthias Zeh mit seinen langen Steckerlbeinen, die er gern in X-Form rhythmisch fortbewegt, ist ein ganz dünnes Handtuch. Sein Partner Rainer Schacht kokettiert gern mit seiner Glatze und punktet beim Publikum, weil der Göttinger der Liebe wegen jetzt „in Monnem“ wohnt. „Kürzlich ist mir schon ein Alla rausgerutscht“, meint er stolz. Das Duo ist der Restbestand aus dem Trio „Ganz schön feist“, das sich 2013 aufgelöst hat.
Was von Anfang an aufhorchen lässt, sind die sehr markanten rauchigen Stimmen der singenden Comedians, die ihre Songs selber komponieren. Sie brauchen keinen elektronischen Schnickschnack, klingen selbst a cappella gut. Ihre ganze Show ist minimalistisch, die beiden sind sich selbst auf der Schlossgrabenbühne genug. Allerdings ist eine beachtliche Zahl von Instrumenten aufgebaut („wie bei der musikalischen Früherziehung“), sogar eine indische Sitar kommt zum Einsatz. Manchmal wabert aus einer Ecke ein dünner Rauch, der von Scheinwerfern babyrosa oder sonnengelb gefärbt wird; den hätte man sich auch sparen können.
Augen auf bei der Namensgebung
Dreimal ist das Konzert verschoben worden, jetzt bedanken sich Die Feisten innig bei ihren Fans, dass sie ihre Karten behalten haben und nach Edesheim gekommen sind. Nach einer gesungenen Begrüßung, die selbst „den Hausmeister, der den Strom anstellt“ nicht auslässt, beginnt das eigentliche Programm.
In der ersten Halbzeit gibt es Texte, die das Zuhören lohnen, es sind genaue Alltagsbeobachtungen, ironisch beleuchtet, ins Absurde gekippt. „Wenn ich mich schlaflos durch die Nächte quäle, gucke ich – Verkaufskanäle“ singt Rainer Schacht und macht sich gnadenlos über die „einmaligen“ Angebote wie „Lappen mit Wappen und Fellpantoffeln aus Pellkartoffeln“ lustig. Mit Sitarbegleitung schluchzt Matthias Zeh: „Auch wenn man’s mir nicht ansieht, ich heiße Ranchid.“ Genauer gesagt Ranchid Siddharta Schulze, gezeugt auf einem Indienurlaub. Dem Namensträger verhunzt der Name das ganze Leben, bis er endlich Chantal Doreen Müller kennenlernt. Fazit des herzzerreißenden Lieds: Eltern, denkt nach, bevor ihr euren Kindern Namen gebt.
Nach der Pause halten die Zoten Einzug
Höchst vergnüglich ist die Schilderung einer Kreuzfahrt, die sich für einen Single unter 3000 Mitreisenden zu einer wahren Höllenfahrt entwickelt: Seekrankheit, Möwenkacke und Tischnachbarin Inge, die ihm „das Fleisch von den Knochen quatscht“. Auch hier gibt das Duo seinen Zuhörern einen guten Rat mit: „...und ich habe jetzt begriffen, vor der Buchung niemals kiffen“.
Nach der Pause und einem Schorle im Schlosspark freut man sich auf die Fortsetzung der feisten Comedy, die scheinbar auf Zoten verzichtet und manchmal ein wenig an die Liedermacher lang vergangener Zeiten erinnert. Doch dann geht es deutlich gröber her. In „Brunzuela“ arbeitet sich das Duo an der Beziehungskiste „schöne junge Frau, reicher alter Mann“ ab und verzichtet nicht auf das kleinste Klischee. „Ich bin James Bond“, behauptet Matthias Zeh in einem Lied und spielt dabei, Vorurteile inklusive, einen psychisch gestörten Mann. Sicher, Comedians brauchen nicht politisch korrekt zu sein, aber: Muss das wirklich sein? Jedenfalls gibt es dafür besonders viel Beifall.
Das Publikum tobt
Das gilt auch für „Junggesellenabschied über 50“: Die beteiligten Männer lassen es nicht krachen, sondern klagen ausgiebig über den Zustand ihrer Prostata, fehlende Erektionen und ähnliche Malaisen. Und das alles hübsch musikalisch verpackt. Der Höhepunkt dieses Stilwandels ist mit dem Song „Sie will immer nur ficken“ erreicht. Das Duo ist ganz stolz darauf, dass er im Radio lange nicht gespielt werden durfte, oder höchstens „zur Prime-Time nachts um drei“.
Große Begeisterung vor dem Schloss, das als einziges ungerührt bleibt. Das Publikum tobt, dass sich das Wasser im Graben kräuselt, und bekommt vier Zugaben. Zeh und Schacht grinsen und greifen bereitwillig immer wieder zu den Instrumenten. Man kriegt den leisen Verdacht nicht los, dass die Zugaben von vornherein eingeplant waren. Nach der langen Durststrecke steht man eben gern auf der Bühne.