Rheinpfalz „Kicker, Kämpfer, Legenden“

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Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus richten die Stadt Idar-Oberstein und der Verein „Schalom“ am morgigen Freitag, 19 Uhr, eine Gedenkveranstaltung in der Göttenbach-Aula aus. Im Mittelpunkt steht die Eröffnung der Ausstellung „Kicker, Kämpfer, Legenden – Juden im deutschen Fußball“, die in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau gezeigt wird.

Die Ausstellung thematisiert die Bedeutung von Juden im deutschen Fußball, wie die Stadt Idar-Oberstein mitteilt. „Jüdische Spieler, Trainer, Journalisten und Funktionäre haben den Fußball in Deutschland populär gemacht. Sie waren Pioniere des deutschen Fußballs, wurden umjubelt, verehrt und respektiert“, heißt es in der Ankündigung. Auch galten sie als Vorbilder im Sinne des sportlichen Gedankens des Fairplays. Ihre revolutionären Visionen und Methoden setzten Maßstäbe, die den deutschen Fußball lange prägten, so die Ausstellungsmacher. Als beispielsweise der FC Bayern München 1932 zum ersten Mal den deutschen Meistertitel errang, wurden auch der jüdische Vereinspräsident Kurt Landauer und der jüdische Trainer Richard „Little“ Dombi wie Helden in München gefeiert. 1933 wurden diese Karrieren schlagartig beendet. Bis zum 10. November 1938 durften Juden nur noch in jüdischen Vereinen spielen, danach wurden ihnen alle Sportaktivitäten verboten: Sie teilten das Schicksal aller europäischen Juden, viele wurden verfolgt und in Konzentrationslagern ermordet. So spiegelt die Ausstellung zwar das Schicksal der jüdischen Fußballer wider, macht aber auch exemplarische die Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen deutlich und zeigt, wie diese Mechanismen im Nationalsozialismus funktionierten. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielten deutsche Juden nie wieder eine vergleichbare Rolle im deutschen Fußball, ihre Verdienste wurden verdrängt und gerieten in Vergessenheit. Die Ausstellung „Kicker, Kämpfer, Legenden“ will dieses Kapitel deutscher Fußballgeschichte wieder in Erinnerung rufen, setzt sich im Schlussteil aber auch mit den heutigen Entwicklungen im Fußball auseinander. Denn Ausgrenzung und Diskriminierung im Sport sind keine Themen, die der Vergangenheit angehören. Seit Jahren wird beobachtet, wie die rechtsextreme Szene bemüht ist, im Fußball Einfluss zu gewinnen – oft mit Erfolg. Für sein Buch „Angriff von Rechtsaußen – Wie Neonazis den Fußball missbrauchen“ hat Ronny Blaschke mit Neonazis, Sozialarbeitern, Forschern und Vertretern aus Politik und Verfassungsschutz gesprochen. In seinem Vortrag am Montag, 30. Januar, wird der Journalist einen Überblick über Fußball und Rechtsextremismus geben. Dazu gehört auch die Vorstellung von Präventionsmodellen, mit denen dem Einfluss Rechtsextremer begegnet wird. Die Lesung mit Blaschke findet um 18.30 Uhr in der Göttenbach-Aula statt. Blaschke arbeitet als freier Journalist in Berlin. Er ist unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, Deutschlandfunk und die RHEINPFALZ tätig und veröffentlichte bislang vier Bücher über Diskriminierung im Sport. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Julius-Hirsch-Ehrenpreis des Deutschen Fußball-Bundes. Zu der Gedenkveranstaltung am Freitag werden Idar-Obersteins Oberbürgermeister Frank Frühauf, der Schalom-Vorsitzende Axel Redmer sowie Klaus Schulz, Diakon in der evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau, erwartet. Außerdem stellt Sporthistoriker Lorenz Peiffer von der Leibniz-Universität Hannover in einem Vortrag die Geschichte des jüdischen Fußballs in der NS-Zeit sowie die Entwicklung in Idar-Oberstein dar. Für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung sorgt das Saxofon-Ensemble. Der 27. Januar ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Seit 2005 richten die Stadt Idar-Oberstein und der Schalom-Verein aus diesem Anlass gemeinsam eine Gedenkveranstaltung aus. In Israel ist der Tag ein Nationalfeiertag. Jedes Jahr ertönen am 27. Januar um 10 Uhr für zwei Minuten landesweit die Sirenen, das öffentliche Leben steht im Gedenken still. Info Die Ausstellung in der Göttenbach-Aula ist vom 30. Januar bis 20. Februar jeweils montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. |suca

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