Rheinpfalz „Keine vorschnellen Rodungen“

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Neustadt. Wie Schäden im Weinbau durch die Kirschessigfliege am besten bekämpft werden können, ist zurzeit unter Fachleuten ein großes Thema. Umstritten ist, wie sinnvoll es ist, Brombeerhecken, die die Fliege zur Ei-Ablage liebt, radikal zurückzuschneiden. Deshalb wird es in Neustadt 2015 nur den auch sonst üblichen Rückschnitt geben.

Die Kirschessigfliege hat im vergangenen Jahr deutschlandweit Landwirte und Winzer in Angst und Schrecken versetzt. Das in Asien beheimatete Insekt, das 2011 erstmals in Deutschland aufgetaucht war, verbreitete sich rasant und richtete sowohl im Obstbau als auch im Weinbau immensen Schaden an. Jetzt geht es um die Frage, ob vorbeugende Maßnahme möglich sind. Einer der Vorschläge: ein möglichst radikaler Rückschnitt der Brombeerhecken auf den Ausgleichsflächen in den Wingerten. Denn die Drosophila suzukii, so der wissenschaftliche Name der Kirschessigfliege, liebt dunkle Früchte. Die Stadtverwaltung schließt das zurzeit jedoch aus. „Wir wissen nicht, was das bringt“, sagt Waltraud Blarr (Grüne), die als Beigeordnete für Landwirtschaft und Umwelt zuständig ist. Nach bisherigem Kenntnisstand könne das Entfernen der Brombeeren sogar kontraproduktiv sein. Die Insekten könnten vermehrt in die Weinberge gehen, wenn ihnen andere Lebensräume genommen werden. Die Stadt will deshalb in diesem Jahr an einigen Stellen Brombeerhecken entfernen, an anderen bewusst auf den Rückschnitt verzichten. „Dann können wir hinterher vergleichen“, sagt Thomas Baldermann, Leiter der städtischen Umweltabteilung. Um bei dem üblichen jährlichen Rückschnitt gezielt vorgehen zu können, hat die Verwaltung alle Ortsteile angeschrieben mit der Bitte, sogenannte „Hotspots“ aufzuzeigen, also Flächen, die vom Befall mit der Kirschessigfliege besonders stark betroffen waren. Seit Kurzem lägen alle Rückmeldungen vor, sagte Baldermann. Bis Anfang Februar soll jetzt entschieden werden, wo und in welchem Umfang Brombeeren zurückgeschnitten werden, damit die Arbeiten bis Ende Februar beendet werden können. Danach nämlich sind solche Arbeiten wegen der Brutzeit der Vögel verboten. Baldermann betonte aber, dass Ausnahmen möglich seien. Sollte sich im Lauf des Jahres herausstellen, dass weitere Rodungen notwendig seien, könne eine Befreiung vom Artenschutzgesetz erwirkt werden. Laut Baldermann ist aber noch gar nicht absehbar, wie groß das Problem in diesem Jahr wird. Die Kirschessigfliege ist frostempfindlich, länger anhaltende Minusgrade könnten die Populationen deutlich verkleinern. Selbst in Italien, wo die Kirschessigfliege schon länger ein Problem darstellt, habe es Jahren gegeben, in denen der Befall sehr gering ausgefallen sei. „Im vergangenen Jahr war der Winter extrem mild, dazu kam noch Regen im August“, erklärt Baldermann. Beides habe die Ausbreitung der Kirschessigfliege gefördert. Die Rückschnittarbeiten der Stadt werden sowohl mit dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz (Mußbach) als auch mit der Oberen Naturschutzbehörde, der SGD Süd, abgestimmt. Von letzterer wurde bereits bei den Weinbautagen darauf hingewiesen, dass ein radikaler Rückschnitt aus Naturschutzgründen nicht möglich sei. Berücksichtigt werden muss auch, dass die „verbuschten“ Flächen teilweise in Privatbesitz oder im Besitz der Bahn sind. Die finanziellen Mittel für den Rückschnitt stehen laut Baldermann im Haushalt bereit. Für Graben- und Wegeunterhaltung seien 63.000 Euro eingeplant: „Das reicht auch dann, wenn sich im Lauf des Jahres herausstellt, dass zusätzliche Arbeiten nötig sind.“ Damit wies er Befürchtungen der FWG zurück, das Geld könne nicht reichen. Die Freien Wähler hatten deshalb in der Stadtratssitzung im Dezember zusätzliche 30.000 Euro beantragt, waren aber mit dem Vorstoß gescheitert. (kkr)

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