Rheinpfalz Kein „schleichender Arbeitsplatzabbau“
„Jetzt müssten Entscheidungen getroffen werden“, sagt Markus Becker, Betriebsratsvorsitzender des GKN Gelenkwellenwerks in Kaiserslautern. „Wir stecken gerade mitten in den Budget-Beratungen für das nächste Jahr“, entgegnet Stefan Wenzel, Werkleiter und einer der beiden Geschäftsführer. Im Mai hat das britische Unternehmen Melrose GKN übernommen, die Auswirkungen auf Belegschaft und Unternehmen sind laut Betriebsrat noch unklar.
In dem Kaiserslauterer GKN-Werk werden von fast 400 Mitarbeitern Antriebswellen und Komponenten für Kraftfahrzeuge hergestellt – mittlerweile nicht mehr hauptsächlich für Opel. Auf dem Opel-Firmengelände im Westen der Stadt ist das Gelenkwellenwerk ansässig. Laut GKN-Betriebsratschef Markus Becker habe man früher fast zu 90 Prozent für Opel produziert, heute liege der Anteil bei rund 20 Prozent, während ein Großteil der Produktion an Mercedes und BMW gehe. Bis 2020/21 sei die Auftragslage noch okay, dann werde es ungewiss, schildert Becker. Dass GKN im Mai von dem britischen Finanzdienstleister Melrose aufgekauft wurde, erhöhe die Zukunftssorgen der Beschäftigten zusätzlich. Becker: „Wir sind froh, dass wir nicht mehr so von Opel abhängig sind, aber wir können uns nicht sorgenfrei unterhalten.“ Denn nach der Übernahme sei „völlig unklar, wie die sich langfristig verhalten“. Derzeit seien die Umsätze noch okay, aber die Zukunft sei ungewiss: „Wir wissen nicht, wie es mit Opel nach der PSA-Übernahme weitergeht. Wir wissen auch nicht, was Melrose mit uns vor hat. Und es zeichnet sich noch nichts ab, was uns die Produktion im Werk über die nächsten Jahre sichert.“ Becker nennt ein Beispiel: „Der Dieselskandal ist für uns alles andere als umsatzfördernd.“ Allerdings, das sei eine Chance, könnten die GKN-Antriebswellen auch in Elektro-Fahrzeugen verbaut werden. Nun gelte es abzuwarten. Für die vergangene Woche sei ein Besuch von Wirtschaftsprüfern angekündigt gewesen. Becker: „Die Situation in der Branche ist nicht vertrauenserweckend, dass sich nun alles zum Besseren wandelt.“ Ganz so schwarz wie in einer E-Mail an die RHEINPFALZ dargestellt, sei die Situation bei GKN aktuell nicht. In der E-Mail war von „schleichendem Arbeitsplatzabbau“ die Rede. Becker: „Soweit ich weiß, sind in den vergangenen Monaten acht Leiharbeiter-Stellen abgebaut worden. Dazu gab es noch drei reguläre Eigen-Kündigungen.“ Das bestätigt Werkleiter und einer der beiden Geschäftsführer, Stefan Wenzel: „Wir hatten ein starkes erstes Halbjahr, jetzt läuft es schwächer, und wir müssen reagieren.“ Das geschehe über die Zeitarbeitnehmer. „Seit Jahresbeginn hatten wir allerdings auch mehr Leiharbeiter beschäftigt, als sonst“, unterstreicht Wenzel. Nach seinen Angaben arbeiten momentan 360 Beschäftigte fest bei GKN in Kaiserslautern, und es sind noch 25 Leiharbeiter befristet angestellt. Der Werkleiter berichtet aus den „Budget-Meetings“, die in diesen Tagen liefen: „2020 ist zu weit. Da ändert sich noch zu viel. Wer kann heute schon sagen, wie sich Amerika unter Präsident Trump verhalten wird oder wie sich der Brexit auswirkt?“ Gerade der Brexit sei „eine Hausnummer für das Automobilgeschäft“. Konkreter sei es beim Budget für 2019. „Da haben wir ein bisschen weniger Umsatz als in diesem Jahr: Statt 112 sind 108 Millionen Euro kalkuliert.“ Dass weniger Aufträge von Opel kommen, „tut uns schon weh“, sagt Wenzel. Aber man sei dabei, Produktion aus Schwesterwerken nach Kaiserslautern zu holen. „Da gibt es aber noch nichts Handfestes.“ Der Opel-Rückgang sei für das Kaiserslauterer Werk insofern schlecht, weil zwei Fertigungslinien nur für Opel-Produkte nutzbar seien. Zudem sei die Fertigung stets interessant gewesen, weil „wir die Opel-Produkte komplett hier im Haus fertigen konnten“. Zu den neuen Eigentümern, Melrose, könne Wenzel nichts Negatives sagen: „Wir Kaiserslauterer haben da keinen Kontakt, das macht eine höhere Ebene. Aber bislang haben die uns nicht reingeredet.“ Derzeit laufe ein Findungsprozess, Melrose schaue sich die Abläufe und die Zahlen genau an. „Wir können schalten und walten wie normal“, sagt Wenzel. Dass man versuche, Prozesse zu optimieren, sei in jedem Unternehmen üblich. Wenzel bekräftigt: „Wir wollen unsere permanente Belegschaft halten, also brauchen wir Zeitarbeiter, um flexibel auf Abrufe reagieren zu können.“