Rheinpfalz Kein Bargeld mehr

2006 war das VR-Bank-Mobil noch die Zukunft. Zwölf Jahre später ist das Fahrzeug defekt und die Volksbank Kaiserslautern hat ihr
2006 war das VR-Bank-Mobil noch die Zukunft. Zwölf Jahre später ist das Fahrzeug defekt und die Volksbank Kaiserslautern hat ihren mobilen Service auf dem Land aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt.

Es kann kein Bargeld mehr in Schmalenberg abgehoben werden und es gibt auch keine Möglichkeit mehr, Überweisungen zu tätigen. Die Volksbank Kaiserslautern, die Schmalenberg und weitere Orte im Landkreis Südwestpfalz wie die Nachbargemeinden Heltersberg und Geiselberg einmal wöchentlich mit dem Bankbus VR-Mobil anfuhr, hat diesen Service eingestellt. Auslöser war, dass der Bus kaputt ist und eine Reparatur sich nicht mehr lohnt. Diese Entscheidung stieß am Dienstag bei der Ratssitzung in Schmalenberg auf Kritik.

„Die Frage ist: Wie kommen unsere älteren Mitbürger, die diesen Service regelmäßig genutzt haben, nun zu ihrem Geld?“, fragte Achim Gundacker. Im Holzland gebe es jetzt keine Möglichkeit mehr, Bargeld zu erhalten, da auch in Heltersberg und Geiselberg keine Automaten stehen. Der Kreis bemühe sich zurzeit, Lösungen für die ärztliche Versorgung auf dem Land zu finden, aber mindestens so wichtig sei es, dass die Menschen auf dem Land die Chance hätten, Bankgeschäfte zu tätigen. Im August 2006 hatte die damalige VR-Bank Westpfalz, die zwischenzeitlich mit der Volksbank Kaiserslautern fusionierte, den Bankbus, das VR-Mobil, angeschafft. Zuvor waren etliche Filialen geschlossen worden. Der Bus steuerte einmal wöchentlich von der Filialschließung betroffene Gemeinden im Kreis Südwestpfalz an. Dieser Bus ist nun in die Jahre gekommen und defekt. Mindestens 250.000 Euro würde ein neues mobiles Bankfahrzeug kosten. Eine Investition, die sich nicht lohne, auch angesichts der Kundenfrequenz nicht. Bevor eine Bank eine solche Entscheidung treffe, schaue sie sich die Zahlen genau an, sagte Ralf Schmalenberger. Das VR-Mobil sei ein Angebot gewesen, bei dem die Bank draufgelegt habe. In Zeiten fehlender Zinsspannen, von denen die Bank ihre Angebote bestreite, sei das nicht mehr darstellbar. Da gebe es, auch für eine Genossenschaftsbank, wirtschaftliche Zwänge. Dazu komme, dass die Bankenlandschaft ohnehin komplett im Umbruch sei. „In zehn Jahren wird es Banken, so wie wir sie kennen, wahrscheinlich nicht mehr geben“, so Schmalenberger. Die Frage, wie Menschen auf dem Land an Bargeld kommen und Bankgeschäfte tätigen können, werde sich in Zukunft sicher nicht mehr in der aktuell drängenden Form stellen, waren sich die Ratsmitglieder einig. Denn die jungen Menschen wachsen mit Online-Banking auf, um Bankgeschäfte abzuwickeln. Aber es gebe eben noch sehr viele Mitbürger, nicht nur ältere, die auf einen Bankservice angewiesen seien – zumindest in Form von Automaten, sagte Arnd Schmalenberger. Gerade für Ältere sei zudem der persönliche Kontakt zum Bankmitarbeiter wichtig gewesen, unterstrich Achim Gundacker. „Ich weiß nicht, ob sich das Geldinstitut damit einen Gefallen tut“, ergänzte er. Die Problematik, dass Banken kaum noch Überschüsse erwirtschaften, sahen alle. Aber die notwendigen Abstriche würden beim Kundenservice gemacht, nicht bei den Gehältern der Bankvorstände. „Es ist eine Genossenschaftsbank, die eine andere Grundidee hat, bei allem Verständnis für wirtschaftliche Zwänge bei den Geldinstituten“, sagte Bürgermeister Peter Seibert. Die Volksbank Kaiserslautern habe zum Beispiel in ihrem Leitbild stehen: „Wir sind anders. Wir sind eine Genossenschaftsbank und damit unseren Kunden und Mitgliedern verpflichtet – und das aus Überzeugung.“ Die heute älteren Kunden seien die Kunden gewesen, die in den vergangenen Jahrzehnten auch zum Erfolg der Bank beigetragen hätten. Jetzt, wo sie keine Kredite mehr benötigten und keine interessanten Kunden mehr seien, seien ihre Interessen nicht mehr wichtig, wurde im Rat moniert. Die jetzt von der Bank vorgeschlagene Lösung, dass die Kunden anrufen könnten und einmal im Monat käme ein Bankmitarbeiter vorbei, wurde als wenig hilfreich angesehen. Bargeld werde nicht nur zu einem Termin benötigt, Überweisungen seien nicht nur zu einem Termin fällig. Der Rat beschloss bei einer Enthaltung, eine Resolution zu verfassen. Dazu sollen auch andere, gleichfalls betroffene Kommunen mit ins Boot geholt werden. Es sei schon klar, dass eine Resolution nichts an der Entscheidung ändern werde, aber es gehe darum, ein Signal zu senden, dass man mit dieser Entscheidung nicht einverstanden sei. Benjamin Gundacker regte an, die Resolution so abzufassen, dass sie auch als Argument der Bank gegenüber der Politik dienen könne. Denn es sei deren Aufgabe, für gleichwertige Lebensbedingungen zu sorgen und den ländlichen Raum nicht abzuhängen. Eventuell müsse die Förderung eines solchen Bankangebots überlegt werden.

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