Contwig RHEINPFALZ Plus Artikel Genussfest in Contwig: Junge Leute versuchen sich an Großmutters Küche

„Himmel und Erde“: Björn Bernhard (rechts), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, packt am Grill bei Metzgermeist
»Himmel und Erde«: Björn Bernhard (rechts), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, packt am Grill bei Metzgermeister Walter Bold mit an, um ein Gericht zu machen, das viele junge Leute nicht mehr kennen.

Zum vierten Mal hat die Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land am Wochenende zum Genussfest eingeladen, diesmal ins Freizeitgebiet nach Contwig.

Neun Vereine haben am Sonntag an ihren Ständen kulinarische und flüssige Genüsse angeboten und das Fest zusammen mit dem großen Publikum zu einem Erfolg gemacht. Landfrauen aus Althornbach, Contwig-Stambach, Vinningen und Mauschbach, der Quadclub Dietrichingen, der Motorsportclub Contwig, die Contwiger Angler, der SV Großsteinhausen sowie der Ortsverschönerungsverein Großbundenbach haben sich ins Zeug gelegt, Helfer mobilisiert und jeweils eine Speise- oder Getränkekarte angeboten, die sich sehen lassen konnte. Freunde süßer Speisen sind mit Dampfnudeln, Belgischen Waffeln und Kuchen sowie beispielsweise gebrannten Wal- und Haselnüssen aus Großbundenbach genauso auf ihre Kosten gekommen wie diejenigen Besucher mit richtig Hunger und Lust auf rustikalere Dinge. Flammkuchen, Wasserbüffelburger aus Mauschbach und Lyonerpfanne sowie Bratkartoffeln mit Leber- und/oder Blutwurst waren nur einige der angebotenen Speisen. Der Angelsportverein Contwig bot Lachs-, Bismarckherings- und Krabbenbrötchen an, allerdings allesamt nicht aus dem nahen Schwarzbach kommend.

Viele Besucher waren mit dem Fahrrad in Contwig, denn in Zweibrücken und Contwig fand am Sonntag zeitgleich zum Genussfest der Fahrradtag statt, was viele Besucher dann mit einem Besuch im Freizeitgebiet verbunden hatten. Eine Gruppe beispielsweise war eigens aus Käshofen mit dem Radl da. „Das einzig Dumme ist, dass wir auf dem Weg nach Hause den Berg wieder hinauf müssen“, sagte eine der Radlerinnen, die standesgemäß im Radtrikot gekleidet war. Besonders großen Andrang gab es am Getränkestand des Contwiger Motorsportclubs, denn das drückend-schwüle Wetter sorgte für viel Durst bei den Besuchern, die zudem Livemusik genießen konnten.

„Himmel und Erde“: Um 14 Uhr ist alles leer

Unter all den Spezialitäten ragte „Himmel und Erde“, also Bratkartoffeln mit gebackener Blutwurst, heraus. Die kredenzte der Quadclub Dietrichingen. Und zwar mit selbstgemachter Blutwurst von Walter Bold aus Großsteinhausen. Der gelernte Metzger hat die Leber- und Blutwurst sowie den Lyoner an seinem Arbeitsplatz in der Metzgerei Strasser in Queidersbach selbst hergestellt; insgesamt 18 Kilo plus 40 Kilo Kartoffeln. Die haben allerdings nur bis kurz nach 14 Uhr gereicht, dann hieß es: all und leer. Dass die Gerichte so gut ankamen, hat Walter Bold nicht besonders überrascht: „Wir haben zwar nicht gedacht, dass es von Anfang an so gut einschlägt, aber es funktioniert, trotz der Hitze. Die Älteren kennen die Gerichte ja, das gab es früher öfter Zuhause. Heute kocht das ja kaum noch jemand, deshalb war die Idee des Quadclubs gut. Und bei den Jungen siegt oft die Neugier, die probieren das, auch wenn sie es nicht kennen“, erklärte der Metzgermeister. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Quadclub großen Erfolg mit dem gleichen Essensangebot bei seiner Premiere auf dem Genussfest in Hornbach.

Den RHEINPFALZ-Lesern verriet Walter Bold das Erfolgsrezept für seine gute Blutwurst: Ein frisch geschlachtetes Schwein muss es sein, und zwar nicht irgendeines, sondern eins vom Bauer, das nicht allzu groß ist. „Dann ist es gereifter und hat weniger Wasser im Fleisch und mehr Aroma“, erklärt Bold. Dazu kommen nur Naturgewürze: Pfeffer, Muskat, Koriander, Nelken, Majoran und Salz sowie Zwiebeln. „Wir wiegen zwar grob ab, aber abschmecken tun wir immer mit drei Leuten. Es soll deftig sein“, erklärt er. Mit Kartoffeln gebe das eine runde Sache. Er selbst und seine Frau essen das Gericht auch gerne, aber kochen tut nur er.

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