Kultur Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Karlsruhe: Städtische Galerie zeigt Nachkriegkunst aus ihrer Sammlung

Walter Stöhrer: „Die Toten, Farbholzschnitt“ (1955). Stöhrer wurde 1952-55 in Karlsruhe zum Werbegrafiker ausgebildet, studierte
Walter Stöhrer: »Die Toten, Farbholzschnitt« (1955). Stöhrer wurde 1952-55 in Karlsruhe zum Werbegrafiker ausgebildet, studierte dann an der Akademie unter anderem bei HAP Grieshaber. Seine frühen Grafiken sind eine echte Neuentdeckung.

Zeigen, was man hat. Das ist legitim. So gibt nun die Städtische Galerie Karlsruhe einen Einblick in die in der Nachkriegszeit in der Fächerstadt entstandene bildende Kunst: mit rund 150 Gemälden, Grafiken und Plastiken von 58 Künstlern, darunter übrigens nur fünf Frauen.

Bis auf wenige Ausnahmen stammen fast alle Kunstwerke aus dem durch kontinuierliche Ankäufe, Schenkungen und Nachlässe gewachsenen eigenen Fundus. Der Besucher wird da bei einigen bemerkenswerten Arbeiten auf Namen stoßen, die heute fast vergessen sind. Dazu kommen Aha-Erlebnisse bei Künstlern, die später durch einen anderen Stil bekannt wurden wie im Fall als abstrakter Maler erfolgreichen Walter Stöhrer, der uns hier mit frühen Grafiken so ganz anders begegnet.

Aber auch die Prominenz der Nachkriegsjahrzehnte ist vertreten – von Horst Antes und Klaus Arnold über Erich Heckel, Karl Hubbuch oder Fritz Klemm und Otto Laible bis zu Wilhelm Loth, Heinz Schanz, Wilhelm Schnarrenberger und Emil Wachter. Fast könnte man übersehen, dass der in den späten 50er-Jahren für die wiedererstandene Staatliche Akademie als Impulsgeber so wichtige HAP Grieshaber fehlt. Arbeiten von ihm könnten, so Galerie-Leiterin Brigitte Baumstark, aus konservatorischen Gründen derzeit nicht gezeigt werden. Aber auch so gibt es eine Menge zu sehen. Und zu spüren ist auch etwas von dem jeweiligen Zeitgeist, der manchmal ein Widerspruchsgeist war.

Nicht nur die Stadt lag 1945 großenteils in Trümmern, auch die Kunst samt künstlerischer Freiheit hatte seit zwölf Jahren am Boden gelegen. Künstler waren von den Nazis aus den Akademien entlassen und mit Mal- und Ausstellungsverbot belegt worden, viele waren emigriert, in den Bombennächten des Krieges wurden Ateliers und Werke vernichtet. Die Karlsruher Akademie war schwer beschädigt, es wurde diskutiert, ob man sie wieder einrichten solle. 1947 war es dann soweit – Heckel, Hubbuch und dann auch Laible waren die ersten Nachkriegsprofessoren.

„Tradition und Verpflichtung“ lautete damals das Motto, für das auch die Genannten standen. Inhaltlich war die Rückschau auf Krieg, Hunger und Zerstörung nicht vorrangig, auch wenn in der Ausstellung entsprechende Arbeiten – etwa von Erwin Spuler – zu sehen sind. Vielmehr wollte man nach vorne sehen.

„Tradition und Aufbruch“ ist jetzt die Ausstellung überschrieben. Das verweist darauf, dass es auch hier nach den zwölf Jahren der Verbote und der Indoktrination eine Leerstelle zu füllen galt. So bildete sich in Grieshabers Karlsruher Zeit mit Antes, Schanz und Stöhrer eine Gruppe heraus, die einen Weg zwischen Figuration und Abstraktion suchte. Wilhelm Loth und Herbert Kitzel hatten großen Anteil an der Etablierung der neuen Richtung. Auch außerhalb der Akademie entfaltete sich wichtiges künstlerisches Leben, wofür Namen wie Wladimir von Zabotin, Heinz Barth oder Willi Müller-Hufschmid stehen. Aber wer weiß heute noch von Hans Lapotta, Hanfried Streit oder Anneliese Schemmel?

Nicht vergessen werden soll, dass nicht nur die Nazidiktatur, sondern auch der Kalte Krieg ab den späten 50ern die Kunst beeinflusst hat. Das von Nazis wie Stalinisten gleichermaßen bevorzugte „heroische“ Menschenbild machte gegenständliche Malerei vielen verdächtig. „Abstrakt“ stand für westlich, wenn nicht gleich für dekadent. All das führt die Karlsruher Ausstellung nun zusammen, und manchmal kommt es auch zu einer „Gegenüberstellung“. Da lässt sich dann ganz ideologiefrei vergleichen.

Termin

„Tradition und Aufbruch – Nachkriegskunst in Karlsruhe“ bis 19. Januar 2020 in der Städtischen Galerie Karlsruhe, Lorenzstr. 27 (neben dem ZKM): mittwochs bis freitags 10 bis 18 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Eintritt fünf Euro.

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