Kultur Südpfalz
Karlsruhe: Ausstellung „Paris, Paris!“ in der Städtischen Galerie
Von Karlsruhe aus morgens mit dem TGV nach Paris und abends wieder zurück, ist ja heute machbar. Aber schon 1852 gab es eine Eisenbahn-Direktverbindung von Straßburg in die französische Hauptstadt, die im 19. Jahrhundert zur führenden Kunstmetropole Europas und damit auch zum Sehnsuchtsort deutscher Künstler wurde. Professoren und Studierende der 1854 gegründeten Karlsruher Akademie und anderer Ausbildungsstätten zog es für kurze oder auch längere Zeit an die Seine.
Von Willy Storck
Vom dortigen Kunstbetrieb, und dem savoir vivre überhaupt, dürften nicht wenige der überwiegend recht jungen Leute zunächst geschockt gewesen sein. Im offiziellen Deutschland, zumal im Kaiserreich, wurde der französischen Kunst Geringschätzung entgegen gebracht. Aber dort gab es nicht diesen starren Akademiebetrieb wie zu Hause, es war immer etwas in Bewegung an Stilen und künstlerischen Experimenten, malende Frauen waren nicht ausgegrenzt, und Aktstudien wurden am lebenden Modell geübt.
Einige blieben nur Tage oder wenige Woche, andere Jahre oder auf Dauer. Hans Thoma etwa blieb nur 16 Tage, und doch ist die Begegnung mit Gustave Courbet und seiner Malerei nicht ohne Wirkung geblieben. Auch bei anderen sind die Einflüsse der Parisaufenthalte erkennbar.
Vor diesem Hintergrund zeigt die Städtische Galerie Karlsruhe jetzt die Sonderausstellung „Paris, Paris! – Karlsruher Künstler an der Seine 1850-1930“ . Chronologisch und nach mehreren Themenbereichen gegliedert ergibt sich eine facettenreiche Schau auf einen erstaunlichen Kunsttransfer zwischen Paris und Baden.
Der Zeitraum von Mitte des 19. bis zum Beginn der 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts wurde auch deshalb bewusst gewählt, weil in eben dieser Zeit ein reger Kulturaustausch stattfand. Auch nach der Unterbrechung durch den Ersten Weltkrieg war der Faden keineswegs gerissen. Dafür sorgten erst die Nazis, die etwa einen Otto Laible als „Französling“ denunzierten und ganze Kunstströmungen gleich mit.
Rund 200 Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle, Grafiken, auch einige Bildhauerarbeiten von 120 Künstlern, darunter mit Martha Kropp, Alexandra von Beckholtz, Melitta und Clara Johanna Ris immerhin vier Frauen, haben die Kuratorinnen Brigitte Baumstark und Sylvia Bieber zusammengetragen. Alle diese Künstler hatten zumindest zeitweise einen Bezug zu Karlsruhe oder seiner Akademie. Angefangen mit Franz Xaver Winterhalter, der bei seiner Ankunft in Paris 1834 bereits badischer Hofmaler war und schon im Jahr darauf am Pariser Salon teilnahm. Von Laible und Hubbuch beispielsweise sind Aquarelle und Grafiken mit Pariser Motiven vom Anfang der 1930er-Jahre zu sehen.
Die Ausstellung soll denn auch durchaus „ein politisches Statement für Europa vermitteln“, wie Kulturamtsleiterin Susanne Asche bei der Eröffnung betonte: „Zumindest Kunst kennt keine Grenzen und lässt sich nicht dauerhaft vereinnahmen.“ Prädikat: Unbedingt ansehen.
Info „Paris, Paris! – Karlsruher Künstler an der Seine 1850-1930“, bis 2. Juni in der Städtischen Galerie Karlsruhe, Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 18 Uhr. Eintritt acht Euro, Katalog 25 Euro. Begleitprogramm mit Führungen.