Karlsruhe RHEINPFALZ Plus Artikel Kammertheater führt Rockmusical mit Artistenstunts im Autokino auf

Spielt den Anführer einer Bikergang: Sascha Krebs.
Spielt den Anführer einer Bikergang: Sascha Krebs.

Motorradfahrer fliegen über die Köpfe der Zuschauer hinweg. Ein mysteriöser Fremder steckt in der Todeskugel. Die Zutaten zum Musical „Heart Rock“ sind rockig und poetisch zugleich. Ingmar Otto, der Intendant des Kammertheaters Karlsruhe, hat es eigens für die Autokino-Bühne auf dem Karlsruher Messplatz geschrieben. Dort wird live gespielt, gesungen, musiziert.

„Heart Rock“ ist in vieler Hinsicht eine Premiere, sagt Ingmar Otto. Es ist sein erstes Stück für die ganz besonderen Gegebenheiten und Möglichkeiten des Messplatzes. Da durch die Corona-Regeln ein normaler Spielbetrieb auf den eigenen Bühne in der Alten Bank und im K2 nicht möglich ist, laufen schon Stücke wie die „Comedian Harmonists“ . Hier hat er rund 500.000 Euro in die Miete zweier Autokino-Leinwände und Tontechnik samt eigener Frequenz von der Bundesnetzagentur investiert. Und die Menschen strömten in gute alte Autokino.

In dieser Zeit lernte Otto die Artisten des Zirkus Flic Flac kennen, die nicht wussten, wie es für sie weitergehen sollte. Spontan kam ihm die Idee, etwas zusammen auf die Beine zu stellen. „Ich habe nicht einfach die Artisten zum Stück dazu addiert, sondern für sie handlungstreibende Nummern geschrieben“, sagt Otto. Und darum geht’s in „Heart Rock“: Thor, Anführer einer Bikergang, und Cindy stehen kurz vor der Hochzeit. Cindys Mutter Angie hofft, dass die beiden ihren Gebrauchtwagenhandel weiterführen.

Waghalsige Nummern im Globe of Speed

Aber warum fühlt sich Cindy so angezogen von dem geheimnisvollen Inder, den sie in der Nacht vor der Hochzeit in einem der Autos findet? Ist aus der Beziehung zwischen Thor und Cindy schon die Luft raus? Die beiden brennen durch, Thor schäumt vor Eifersucht, seine Gang nimmt mit ihren Motorrädern die Verfolgung auf. Und da es sich bei der Gang um zehn Artisten handelt, fliegen sie als Mad Flying Bikes 20 Meter über die Zuschauer hinweg und vollführen im Globe of Speed waghalsige Nummern. „Es ist ein bisschen wie Karl May auf Motorrädern, wenn der Unbekannte, der über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt, in die Todeskugel gesperrt wird“, verrät Otto.

Dazu rockt die Band Titel wie „Highway to Hell“. Mit Sascha Krebs hat Otto einen Hauptdarsteller gefunden, der – tätowiert und mit langen Haaren – vom Typ her absolut authentisch ist für einen Rocker wie Thor. Michaela Hanser („Heiße Zeiten“) spielt Mutter Angie, Maja Sikora („Traumschöff“) sucht als Cindy die wahre Liebe und Bernd Gnann ist in der Rolle des nicht allzu cleveren Polizisten Rudi davon überzeugt, Cindys Vater zu sein. Im Finale werden alle Beziehungskisten aufgedröselt.

Am besten im Liegestuhl zu genießen

Erst vor drei Wochen hat er das Stück zu entwickeln begonnen. Noch schreibt Otto an der letzten Szene. Doch am Mittwoch schon haben die Proben angefangen. „Ich kenne die Darsteller und habe ihren Tonfall im Ohr, wenn ich die Figuren und Charaktere entwickle“, sagt Otto.

Die Premiere findet am 10. Juli statt, Aufführungen laufen bis zum 1. August. Was auf der Bühne passiert, wird live auf die beiden großen Kinoleinwände übertragen. Der große Vorteil: Es ist auch zu sehen, was im Inneren von Angies Wohnwagen passiert. Und wer kein eigenes Auto hat, muss nicht außen vor bleiben. Otto hat mit dem Karlsruher Stadtmobil vereinbart, dass sich Zuschauer ohne Aufpreis in eines der geparkten Stadtmobile setzen können. Besonders angenehm lässt sich das Musical in einem der Liegestühle und Funk-Kopfhörern verfolgen.

Info

Tickets gibt es online über www.autokino-karlsruhe.de, an der Theaterkasse in der Alten Bank Karlsruhe sowie unter Telefon 0721 23 111.
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