Rheinpfalz Kaiserslautern: Saltatio Mortis bringt elftes Album auf den Markt
Die Mittelalter-Rockband Saltatio Mortis um den aus Kaiserslautern stammenden Sänger Jörg Roth alias Alea der Bescheidene bringt am Freitag ihren inzwischen elften Tonträger auf den Markt. Auf „Brot und Spiele“ zeigt sich die Formation von einer rockigen und kritischen Seite. Manchen schon länger existierenden Bands wirft man ja mitunter vor, sie würden „immer das Gleiche“ spielen und sich nicht weiterentwickeln. Tun sie es, heißt es wiederum, sie würden ihre Tradition vernachlässigen und sie klängen nicht mehr so wie früher. Der Mittelalter-Rock-Band Saltatio Mortis ist nun das Kunststück einer sicheren Gratwanderung zwischen Ursprung und Fortschritt auf ihrer morgen erscheinenden Produktion „Brot und Spiele“ in mehrerer Hinsicht gut gelungen. Und der aus Kaiserslautern stammende Sänger Jörg Roth alias Alea der Bescheidene hat daran einen Anteil ...
Alte Strategie neu definiert
Früher hatten die einzelnen Saltatio-Mortis-Produktionen mal wechselseitig mehr den typischen Mittelalter-Sound, mal klangen sie eher nach modernem Rock. Auch die Themen gingen im Laufe der Zeit schon mal mehr hin zu einer kritisch beleuchteten Gegenwart. Auf „Brot und Spiele“, dem nunmehr elften Studioalbum der Gruppe, hat man nun diese Doppel-Strategie anders angelegt.
Der Standard-Teil des Albums besteht aus 13 Titeln, in denen die Band auf einem neuen Level der Vielseitigkeit mit (auch, aber eben längst nicht nur) „klassischem“ Instrumentarium vielfach auf rockigen Schienen hochenergetisch nach vorne prescht. Das klingt oft anders als die früheren rockigen Partien der Band, hat mitunter etwas von bekanntem „Deutschrock“, ohne hier allerdings in ausgetretenen Mainstream-Pfaden zu landen. Dafür sorgen bei Saltatio Mortis unter anderem etwa schon die unter die Haut gehenden Themen, deftig-eingängige Refrains und nicht zuletzt Jörg Roths auf einem erhöhten Level des Ausdrucks angekommene starke Singstimme. Bestes Beispiel hierfür ist neben „Dorn im Ohr“ das Band-Paradestück „Große Träume“ (von dem es auch ein aussagekräftiges Video auf YouTube gibt). Hier geht es um das zeitlose Thema der persönlichen Entwicklung, das Roth zwischen bekannt-markanter und neuer, mit in dieser Form noch kaum je gehörter Energie und Ausdrucksdichte präsentiert. Nicht schlecht das alles, aber bisweilen halt etwas anders. Dem Trend der Band, sich immer wieder kritisch mit aktuellen Tendenzen auseinanderzusetzen, folgt Saltatio Mortis auf ihrem neuen Werk im Übrigen besonders mit den Stücken „Europa“ und „Besorgter Bürger“.
Duett mit Die-Happy-Sängerin Martha Jandová
Auf auffallend ungewohnte Wege begeben sich Saltatio Mortis und speziell ihr Sänger sowohl im Text als auch in der Musik im Titel „Spur des Lebens“. Stilistisch noch einmal deutlich außerhalb des von der Band Gewohnten, beschäftigt sich hier Alea mit einem extra-hohen Gänsehaut-Faktor in der Singstimme zusammen mit Die-Happy-Sängerin Martha Jandová mit Zukunftsängsten, ungeborenem Leben und persönlicher Verantwortung. Sehr hörenswert!
Man muss sich indes keine Sorgen machen, dass Saltatio Mortis sich allzu sehr von ihren Anfängen entfernt. Das deutlichste Indiz dafür ist die Bonus-CD mit dem vielsagenden Titel „Ad Fontes“ (lateinisch für „Zurück zu den Wurzeln“) auf der Sonder-Edition des Albums. Gleich noch einmal dreizehn Titel sind darauf zu finden. Und die klingen einfach nur nach Saltatio Mortis: Gemäß des Bandnamens vielfach tanzbare Titel mittelalterlich anmutend in Wort und Ton, meist – und da hat nun Alea, der Bescheidene, eben wieder einen großen Anteil daran – unter die Haut und ins Ohr gehend.
Modern und doch traditionell
Modern und traditionell – beides ist Teil dieser Produktion. Saltatio Mortis ist sich treu geblieben und schaut zugleich sowohl kritisch auf die Gegenwart als auch ein bisschen in die Zukunft. Die eigene Zukunft könnte, was den Erfolg von „Brot und Spiele“ angeht, wohl durchaus so viel Erfolg zeigen, wie sie einst den beiden vorangegangnen Alben der Formation zuteil wurde. Die waren nämlich nach ihrem Erscheinen jeweils gleich auf Nummer eins der deutschen Charts eingestiegen ...