Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Kaiserslautern: Mit Gästeführern an der Barbarossaburg auf Zeitreise

Herold Klaus Frölich ließ bei der Führung als „Hochzeitsgast“ von Richard von Cornwall und Beatrix von Falkenburg das Mittelalte
Herold Klaus Frölich ließ bei der Führung als »Hochzeitsgast« von Richard von Cornwall und Beatrix von Falkenburg das Mittelalter aufleben.

Mit einer Führung durch das mittelalterliche Kaiserslautern haben die Gästeführer der Stadt gemeinsam mit dem Stadtmuseum der Hochzeit des römisch-deutschen Königs Richard von Cornwall mit der niederrheinischen Grafentochter Beatrix von Falkenburg gedacht. Auf den Tag genau vor 750 Jahren heiratete das Paar in der Kaiserburg und der Stiftskirche.

Wie kam ein Engländer auf den deutschen Thron? Mindestens so spannend war für die zwar nicht Hunderte, so doch mehrere Dutzend „Hochzeitsgäste“ am Sonntag die Frage, warum der mit seinen 60 Jahren nicht mehr ganz so junge Neffe von Richard Löwenherz die Hochzeit mit seiner 16 Jahre jungen Herzensdame ausgerechnet in Lautern feiern wollte.

Angereist waren in zeitgenössischer Gewandung Guda von Hohenfels, Herrin zu Reipoltskirchen (Jutta Lingohr) – noch im robusten Reisegewand – und Fatima von Jerusalem (Anita Frölich), die der Engländer seinerzeit mitgebracht haben soll, sowie als Herold Werner von Bolanden (Klaus Frölich). Erfreut haben dürfte die Gäste die einleitende Erklärung der Vorsitzenden der Gästeführer, Silke Kretzschmar, und des Leiters des Stadtmuseums, Bernd Klesmann, zur Bedeutung der Stadt im Mittelalter.

Antworten auf historische Fragen

Nach einem Rundgang durch die engen unterirdischen Gänge und die wieder entstehenden Reste der Barbarossaburg bekam die Hochzeitsgesellschaft in der Stiftskirche Antworten auf viele Fragen. In Vertretung ihres Gatten war Kunigunde, Königin von Böhmen (Ingeborg Schüler), eigens angereist, um im dunkelroten, mit Gold geschmückten Gewand die Braut zu würdigen. Sie sei reich gewesen. Vor allem aber hätten ihre Schönheit und Tugend, dazu ihr Charakter den 60-Jährigen fasziniert. Der Chronik zufolge sei er nach der Hochzeit keine Nacht von ihrer Seite gewichen.

Von wegen Romantik und Zuneigung: Es seien vor allem wirtschaftliche und machtpolitische Gründe gewesen, die im Mittelalter zu Heiraten geführt hätten, schilderte Kirchenführerin Kerstin Brechtel. Aus der Schutzgewalt des Vaters in die des Gatten, ab 15 heiratsfähig und mit sieben verlobt: Zweck der Heirat seien Zeugung von Nachkommen und Vermehrung des Vermögens gewesen.

Weil die Kapelle im Schloss für die Gäste zu klein war, wurde das Paar im gotischen Chor in der ansonsten noch romanischen Stiftskirche getraut. Anschließend seien sie nach England gereist und am 5. August in Dover in Ehren empfangen worden, berichtete Chronist Thomas Klöckner.

Blieb die Frage offen, wie der Engländer damals auf den deutschen Königsthron kam und weshalb er in Kaiserslautern heiratete? Zum einen gehörten nicht nur der Palast, sondern auch das Land und die Menschen dort dem deutschen König. Sie hatten dafür zu sorgen, dass die Hochzeit auf das Trefflichste versorgt wurde, schilderte Historiker Jürgen Keddigkeit im Stadtmuseum. Er ging von ein paar Hundert Gästen aus.

Den Engländer auf dem deutschen Thron erklärte Keddigkeit mit der Art der Thronfolge in Deutschland. Anders als in England oder Frankreich habe es keine Erbmonarchie, sondern entsprechend ihrem Ursprung im germanischen Recht eine Wahlmonarchie gegeben. Im 13. Jahrhundert hatte das Wahlreich demnach bei diversen Erzbischöfen, Pfalzgrafen und Markgrafen gelegen. Eine kleine Ausstellung zu Richard von Cornwall ist derzeit im Kaiserslauterer Stadtmuseum zu sehen.

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