Rheinpfalz Jungstorch Nummer zehn wird vermisst

Die Brüder (hier ein Bild vom Juni) sind die einzigen besenderten 2018er-Störche aus der Westpfalz.
Die Brüder (hier ein Bild vom Juni) sind die einzigen besenderten 2018er-Störche aus der Westpfalz.

Traurige Botschaft aus Westafrika: Jungstorch Franco vom Kirschbacherhof ist vermutlich tot. Stimmt das, ist er das zehnte Todesopfer unter den 19 Jungstörchen aus der Pfalz, die dieses Jahr einen GPS-Sender bekamen. Sein Bruder Hans hält sich noch immer in Marokko auf, wo es im November über 20 Grad warm ist. Von Franco gab es am 26. September das letzte Lebenszeichen aus dem Grenzgebiet zwischen Mauretanien und Mali.

Beide in diesem Jahr auf dem Kirschbacherhof nahe Dietrichingen geschlüpften Weißstörche erhielten Mitte Juni von Wolfgang Fiedler von der Vogelwarte Radolfzell am Bodensee einen GPS-Sender, als einzige Jungstörche in der Westpfalz. Beide waren, so Fiedler, kerngesund und hatten sich mit einem Gewicht von vier Kilogramm ideal entwickelt. Wie gut ihre e Verfassung war, wird auch an dem langen, beschwerlichen Reiseweg übers Meer nach Afrika deutlich, den sie gemeistert haben. Am Max-Planck-Institut für Vogelkunde in Radolfzell erwartet man kein Lebenszeichen mehr von Franco, auch wenn die Netzversorgung in Mali unterentwickelt und längere Sendepausen normal seien. Auch beim Rheinland-pfälzischen Storchenzentrum in Bornheim hat man wenig Hoffnung, ihn lebend zu finden. Allerdings verweisen die Ornithologen auf das Schicksal der Störchin Jessica vom Kirschbacherhof, zu der 2015 ebenfalls der Funkkontakt abgerissen war, nachdem sie die Sahara überquert hatte. Sie hielt sich damals im Nigerdelta zwischen Mali und Burkina Faso auf. Im Frühjahr 2016 gab es von Jessica wieder ein Lebenszeichen – und auch in diesem Jahr, als sie nach Europa zurückkam. Allerdings weist ihr Sender eine Störung auf, sodass ihr genauer Aufenthaltsort nicht mehr bestimmt werden kann. Die pfälzischen Storchenfreunde hoffen, dass Jessica 2019 brüten wird. Dann würde ihr Ring abgelesen und damit ihr Aufenthaltsort bekannt werden. Die Wissenschaftler des Max-Plack-Instituts in Radolfzell bedauern nicht nur den Tod von Franco, sondern auch den Verlust des Senders. Die Grenzregion in diesem Teil Afrikas sei sehr unsicher, und zudem gebe es keine Vogel- und Wildtierorganisation, mit der man verlässlich zusammenarbeiten könne. Üblicherweise gelinge es, die Sender wieder zurückzuholen und dadurch auch die Todesursache des Storches noch aufzuklären. Der Wert eines Senders liegt bei 2500 Euro. Francos Sender wurde von den Bewohnern des Kirschbacherhofes gespendet. Für Storchenbetreuer Hans Göppel vom Naturschutzbund Nabu im Zweibrücker Land ist dieses Forschungsprojekt eine spannende Geschichte mit vielen neuen Erkenntnissen über den Vogelzug der Störche. Niederschmetternd sei jedoch die hohe Zahl der Verluste bei den Jungstörchen wie bei den Alttieren. „Über das Schicksal der 120 weiteren Jungstörche, die im August das Zweibrücker Land verlassen haben, wird man nur wieder etwas erfahren, wenn irgendwo in den kommenden Jahren ihr Ring abgelesen wird“, sagt Göppel, der es jedoch „fast beruhigender“, findet, „dass man von diesen Storchenbabys kaum Rückmeldungen über Zwischenfälle bekommt“. Trotzdem müsse man auch hier von einer hohen Sterberate ausgehen. Die beiden älteren Störche aus der Region, Christian und Pirmin vom Kirschbacherhof, befinden sich in Spanien im Hinterland der Costa Brava.

x