Edesheim
Jonathan Zelter bei den Schlossfestspielen
Zwar waren nicht so viele erschienen wie wohl von den Veranstaltern und dem Künstler erhofft, der guten Laune des Sängers und seiner vierköpfigen Band tat das aber keinen Abbruch. Zelter, in Wittlich-Bombogen zur Welt gekommen und heute in Mannheim lebend, ist privat und beruflich rundherum glücklich. Er lässt das auch gerne spüren bei Auftritten. Für ihn läuft es gerade einfach rund. Drei Alben gehen auf sein Konto. Auftritte in der ARD-Serie „Verrückt nach Meer“, der RTL2- Show „Die Pop Giganten“ und im „ZDF-Fernsehgarten“ haben dafür gesorgt, dass man seinen Namen jetzt überall in Deutschland kennt. Seine erste zusammenhängende Tour durch die größten Städte der Republik steht im Oktober an.
Abseits der Bühne hat Zelter seinen Traumpartner gefunden, und mit dem Stück „Frieden in mir“ bekennt er sich offen zu seiner Homosexualität. „Mein Leben fing mit Versteckspielen an. Jetzt lieg’ ich neben ihm und weiß genau: Ich bin verliebt in diesen Mann“, heißt es da. Frei von Zwängen kann sich Zelter jetzt mit ganzer Kraft seiner Musik widmen.
Seine Hit ist Hymne bei Hochzeiten
Die lässt sich nur schwer einordnen. Der 26-Jährige, der am Freitag Geburtstag hatte, pendelt zwischen leichter Schlagermusik und zeitgemäßem Pop mit bedeutsameren Texten. Das Edesheimer Publikum, unter dem der weibliche Anteil deutlich in der Überzahl war, freute sich über beide Seiten. Sein Hit „Ein Teil von meinem Herzen“ hat sich seit seinem Erscheinen 2015 in rasanter Geschwindigkeit zur meistgespielten Hymne bei Hochzeiten entwickelte.
Und er hat ihm das Image des Schmusesängers par excellence eingebracht, das heute Fluch und Segen zugleich für ihn ist. Auf der Internetseite Schlagerplanet, ein wichtiges Forum für Fans von Florian Silbereisen und Co., steht über Zelter zu lesen: „Mit seinen braunen Rehaugen und dem Dackelblick schaut Jonathan Zelter viel mehr aus wie der nette Mann von nebenan, als ein Musikstar.“ Denselben Eindruck hinterließ er auch auf der Schlossbühne. Dabei arbeitet er mit seinem aktuellen Album „2030“ gerade daran, seinen Ruf aufzuwerten.
Gespür für eingängige Melodien
Das Zeug dazu hat er, das wurde bei seinem Auftritt deutlich. Doch ihn als Singer/Songwriter einzustufen wie die Veranstalter, überspannt den Bogen etwas. Zelter ist ein sympathischer Sänger, talentierter Texter und fähiger Komponist mit einem guten Gespür für eingängige Melodien. In der Rolle des bescheidenen, leidgeprüften Weltverbesserers kann er Menschen von sich einnehmen. Großen Anteil, dass ihm dies gelingt, hat seine Begleitband um Bassist Alexander Broschek, die ihrem Frontmann, der bei vielen Songs selbst Klavier spielt, die notwendige Sicherheit gibt.
Die Texte freilich ähneln im Strickmuster einander. Zelter singt von einer unangenehmen Situationen, die wahrscheinlich jeder schon mal durchmachen musste. Und dann bietet er im Refrain einfache Lösungen an: „Sei immer du selbst“, „Der erste kleine Schritt“, „Mach was du liebst“. Damit scheint er einen Nerv zu treffen. In jüngster Zeit erhält er sogar häufiger Aufträge für Songs von Stars der Szene. Vier dieser Lieder hat er in Edesheim zwar nicht komplett präsentiert, aber angespielt und vorgestellt: „Wolkentänzer“ (Michelle), „Deine Liebe ist wie Gold“ (Semino Rossi), „Ich will, dass du glücklich bist“ (Patrick Lindner) und „Don’t Worry my Love“ (Peggy March).
Und dann glühen die Handys
Worauf alle gewartet hatten, sparte sich Zelter bis zum Schluss auf: „Ein Teil von meinem Herzen“, den Schmachtfetzen schlechthin. Viele schwenkten dazu die Taschenlampen ihrer Handys über den Köpfen.