Landau Irische Schauspielertruppe versetzt Hamlet ins dritte Jahrtausend

In seinem Innern gärt es: Hamlet, hier umringt von seiner Mutter Gertrude und seinem Onkel Claudius.
In seinem Innern gärt es: Hamlet, hier umringt von seiner Mutter Gertrude und seinem Onkel Claudius.

„Hamlet: Cybermadness“ heißt das aktuelle Stück des renommierten Cyclone Rep Theatre aus Irland, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Shakespeare für ein junges Publikum zu erschließen. Dass die begehrte Company nun eine Woche lang in Landau gastiert, ist ein Knüller, den die Integrierte Gesamtschule (IGS) zündet.

Von „Hamlet“, Shakespeares wohl berühmtesten Drama, hat gewiss jeder schon mal etwas gehört. Auch wer die tragische Geschichte um den dänischen Prinzen nicht schnurgerade wiedergeben kann, erinnert sich bestimmt an den Geist seines ermordeten Vaters, der nach Rache sinnt, weshalb Hamlet seinen Onkel Claudius töten soll. So gerät der Titelheld in psychische Krisen, die schreckliche Handlungsfolgen auslösen.

Noch über 400 Jahre nach seinem ersten Bühnenauftritt im „Globe Theatre“ in London ist der Kernsatz seines wichtigsten Monologes ein geflügeltes Wort: „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage.“ Eine Frage, die bis heute in vielen Neuinszenierungen aufgeworfen wird und deren Antworten stets auch den jeweiligen Zeitgeist widerspiegeln. Eine besonders aktuelle, dabei speziell auf Schüler ab der Sekundarstufe ausgerichtete Inszenierung hat das Cyclone Rep Theatre erarbeitet. Sie ist eine renommierte, auf Shakespeare spezialisierte Company, die mit ihrem Stück „Hamlet: Cybermadness“ im April nach Landau kommt.

Gastspiel ohne IGS Landau undenkbar

Zu verdanken ist dieses außergewöhnliche Gastspiel, das in moderner englischer Sprache und radikalem Gegenwartsbezug auf die Bühne gebracht wird, in erster Linie der IGS Landau und deren Projekt „English Drama“. Direktorstellvertreter Ralf Gauweiler erklärt: „Jeweils 20 Kinder der achten Jahrgangsstufe absolvieren dabei einen einwöchigen Workshop, der quasi ,Theater im englischen Sprachbad’, inklusive Abschlussvorstellung bietet.“ Angeleitet wird der seit zehn Jahren heiß begehrte Workshop von irischen Theaterleuten – und so kam vor zwei Jahren auch Marcus Bale nach Landau, um mit den IGS-Eleven den Sommernachtstraum zu inszenieren.

Bale erinnert sich noch gut an die tolle Atmosphäre bei dem Projekt und daran, dass er dabei genauso viel Spaß hatte wie die jungen Mimen und ihr Publikum. Weil er aber auch Manager und Mitglied des renommierten Cylone Rep Theatre ist, das 2024 über die Förderung „Irish Culture in Germany“ eine Tournee durch Deutschland machen kann, hatte er sofort Landau auf dem Radar für eine Gastspielwoche. Im Gespräch mit dem Vollblut-Theatermann, der in Buenos Aires geboren ist, seit über 20 Jahren aber in Irland lebt, wird klar, dass der Hamlet, den er mitbringt, ein Hammer sein wird.

Parallelen zu „Social Media Anxiety Disorder“

Der Titelheld und seine Mitstreiter werden ins dritte Jahrtausend gebeamt, wo sie all den Problemen, die ihnen Shakespeare aufgeladen hat, mit modernen Medien begegnen müssen. „Wir bringen die Idee ein, dass Hamlets ,Wahnsinn’, der sich unter anderem aus der Schwierigkeit speist, keine Entscheidungen treffen zu können, auch von ,Social Media Anxiety Disorder’ befeuert wird“, verrät Bale. Damit nimmt er Bezug auf das bei Jugendlichen immer stärker auftretende Phänomen der zwanghaften Nutzung von Smartphone-Technologie – einer Sucht, die sich in dem Bedürfnis äußert, ständig online präsent sein zu müssen, sämtliche News und Likes unentwegt kommentieren zu müssen. Dieser „immer aktive Status“, so Bale, kann psychische Probleme wie Angstzustände, Paranoia und Depressionen auslösen – und damit ganz ähnliche Symptome, unter denen auch Hamlet litt.

ale wird nicht die Rolle des Hamlet spielen, sondern als dessen Onkel Claudius, als Polonius und Totengräber auftreten. Ihm ist es wichtig, die Charaktere „so lebensnah, echt und normal wie möglich“ darzustellen. Zudem soll die Schwere der Handlung, der Themen und Gefühle durch „so viel Humor wie möglich“ ausbalanciert werden. Damit greift die Company auf ein Stilmittel zurück, das schon Shakespeare selbst als „tool“ benutzte, um seine Dramen leichter verdaulich zu machen. Darüber hinaus wollen die Schauspieler mit ihrem Publikum ins Gespräch kommen. Mittels Fragebögen können sich Schulen auf das Theaterstück vorbereiten und der Company Rückmeldungen geben, die bei den Vorstellungen berücksichtig werden.

Info

„Hamlet: Cybermadness“, Inszenierung: Cyclone Rep, Irland, in englischer Sprache. Es gibt einige freie Plätze bei den Vormittagsvorstellungen für Schulen am 8. 9. 10. 11. und 12. April, jeweils 11 Uhr und eine öffentliche Abendvorstellung am 11. April, um 19 Uhr; alle Vorstellungen sind im Haus am Westbahnhof, Landau. Karten gibt es über Ralf Gauweiler per E-Mail: R.Gauweiler@igs-landau.de oder telefonisch unter 06341-134565

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