Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Internationaler Tag der Wälder: Kinder legen Grundstein für zukunftsfähigen Wald in St. Julian

Ihr Wald soll auch den Klimaveränderungen der Zukunft trotzen: Quinten Frey, Finn Glück und Philip Lukas (von links). Foto: Saye
Ihr Wald soll auch den Klimaveränderungen der Zukunft trotzen: Quinten Frey, Finn Glück und Philip Lukas (von links).

Vermutlich wären nur wenige Menschen auf die Idee gekommen, an einem Samstag diesen steilen Hang mit vielen Stolperfallen zu erklimmen. Doch Kinder und ihre Begleiter taten es der Natur zuliebe: Sie pflanzten am Internationalen Tag der Wälder Bäume und Sträucher am Dorfrand hinter der Evangelischen Kirche, um eine Grundlage für einen Wald zu schaffen, der auch den Klimaveränderungen der Zukunft trotzt.

Noch immer wirkt der Abhang mit seinen Totholzresten und vereinzelt hervor lugenden Büschen recht trostlos. „Doch im Sommer wird es hier auch wieder grünen“, zeigte sich Gabi Kleinhempel überzeugt. Die Leiterin des Forstamtes Kusel begleitete die Kinder, Eltern und Großeltern bei der Pflanzaktion, ebenso wie Ortsbürgermeister Philipp Gruber und Dietmar Antoni, Leiter des Forstreviers Lauterecken. „Schön, dass Sie da sind und mit uns an einem nachhaltigen Wald arbeiten wollen“, begrüßte Gruber die Teilnehmer vor dem Dorfgemeinschaftshaus. Die Bereitschaft der Bürger zeige, dass die sich verändernde Klimasituation in den Wäldern nicht nur von Forstleuten wahrgenommen werde.

Wohl nur eine von 20 Douglasien wird 60 Jahre überstehen

Bis die jüngst gepflanzten Bäume jedoch wirklich baumhoch sein werden, werden Jahrzehnte vergehen. Die Kinder und ihre Begleiter schnappten sich das vor der Kirche bereitliegende Material und machten sich auf ins unebene, kahle Gelände. „Von der Gruppe aus rund 20 Douglasien, die wir heute setzen, rechnen wir mit gerade mal einem Baum, der 60 bis 80 Jahre überdauert – das ist dann unser Zukunftsbaum“, erklärte Forstwirt Andreas Geib den eifrigen Kindern. Von Forstleuten werden Zukunftsbäume immer mit einem Z markiert. Beim Einsetzen der jungen Pflanzen war darauf zu achten, dass die Wurzel tief und gerade in die Erde reicht. „Sonst kann es sein, dass er später schief aus der Erde wächst“, merkte Geib an. „Und das wollen wir ja vermeiden.“

John-Luca Glück durfte die erste Douglasie einpflanzen. Mithilfe einer Ramme beförderte er den Akazienstab mit wenigen Anschlägen in den Boden und erhielt Lob von allen Seiten. Der Holzstab wurde dann mit einem Kabelbinder an der Wuchshülle befestigt, in der sich der junge Baum befindet. Die Hüllen, sogenannte Tubex-Röhren, helfen beim Anwachsen und schützen das Bäumchen vor Wild. „Bei guten Wetterbedingungen schafft es der Baum in zwei bis drei Jahren aus der Hülle raus“, erläuterte Geib. Die 20 Douglasien hatten ihren neuen Bestimmungsort schnell erreicht; die noch steilere und gefährlichere Hanglage ein paar Meter darüber war schon einige Tage zuvor mit 200 kleinen Douglasien bestückt worden.

Die Arbeit ist noch nicht getan

Am Samstag wurden zudem 80 Sträucher gesetzt: Hartriegel und Faulbaum. „Diese sollen als Nahrung für Bienen und Insekten dienen“, sagte die Fortsamtsleiterin, außerdem kämen diese Arten ganz gut mit Hitze und Trockenheit klar. Lilly und Emily Johnson gruben einige der Strauchpflänzchen ein. Die letzte Arbeit am Hang hinter der Kirche ist nach Samstag aber noch nicht getan, weiß Kleinhempel: „Es gibt Büsche und Gewächse, die die Jungbäume schnell überwuchern können, da muss man dann immer mal wieder Hand anlegen.“ Die Zukunft des Mischwaldes, der hier entstehen soll, lege man aber auch in die Hände der Natur: „Der Wind wird die Samen verschiedener Bäume und anderer Pflanzen herbeitragen. Unser Ziel ist es, dass hier am Ende ein schöner Mischwald entsteht.“

Bei der Arbeit: Hannes (ganz links) und Lukas mit ihrem Onkel Steffen Rumikewitz.  Foto: Sayer
Bei der Arbeit: Hannes (ganz links) und Lukas mit ihrem Onkel Steffen Rumikewitz.
x