Rheinpfalz Innenwelt, Außenwelt: »Räume der Anderen I« in Landau
Wie konstruieren Künstler Räume? Ab welchem Punkt erscheint Malerei räumlich? Wo wird der Raum selbst zum Hauptereignis eines Bildes?
Und wie verhält sich eigentlich die dreidimensionale Kunst, die Plastik, zu dem Raum, in dem sie gezeigt wird?
Aus dem Werk von Malerin Isa Dahl
Auf derlei Fragen antwortet Landaus Städtische Galerie derzeit mit der zweiteiligen Ausstellung „Räume der Anderen“. Der erste Part – der zweite folgt ab 24. März – verdichtet acht künstlerische Positionen zum Thema. Und siehe da: Manchmal genügt schon ein schwungvolles, schön rhythmisiertes Über- und Untereinander geschmeidiger Pinselstriche, um, bei aller Abstraktion, den Eindruck von Tiefe und Räumlichkeit entstehen zu lassen. Die entsprechenden Beispiele stammen von der Malerin Isa Dahl.
Interieurs
Regelrechte Interieurs malen hingegen Edite Grinberga und Eva Schaeuble. Dabei machen Grinbergas Raumansichten, die nicht zuletzt durch ihren Stil und ihr kühles Kolorit an den dänischen Interieurmaler Vilhelm Hammershøi erinnern, vor allem auf die Abwesenheit des Menschen aufmerksam, während Schaeuble ihre kleinen, intimistischen Interieurs mit zahlreichen kunsthistorischen Zitaten spickt. Mal sind es Picasso-Skulpturen, mal Manet-Gemälde, die in dieser Bilderserie ein einziges Thema umkreisen: den Stierkampf. Wobei das blutige Ritual hier aus weiblicher Perspektive umgedeutet wird, indem sich Schaeuble dezidiert immer wieder auf jenes Manet-Bild bezieht, in welchem der Maler 1862 sein erstes Lieblingsmodell Victorine Meurent im Kostüm eines Toreros verewigte. Schaeuble ist in Landau auch mit vier Fayencen vertreten, Majolika-Vasen, deren Deckel plastisch gestaltete Frauenköpfe sind. Wobei sich die Frage aufdrängt, was diese doch recht kitschigen Kanopen mit dem Raumthema zu tun haben. Geht es hier um die Vase als Äquivalent des (weiblichen) Körpers? Das wäre dann mindestens so banal wie das Video „Zwiefach“, für das Pfalzpreisträgerin Sarah Mock Reisebilder und Stadtansichten auf zweigeteiltem Monitor assoziativ collagierte. Da wirkt wesentlich suggestiver, was Monika Schmid und Dorothée Aschoff anzubieten haben: nämlich einen „Baldachin“ aus Vliesstofffetzen (Schmid), der in der mit neobarockem Stuck verzierten Rotunde der Villa Streccius wie ein zartes Wölkchen aus Frühlingsblütenblättern schwebt, und „Landschaften“ aus Kohlestrichen (Aschoff), die an Makroaufnahmen von Pflanzen gemahnen.
Maler aus Husum
Der in Husum geborene Maler Jochen Hein ist mit nur einem Werk in der Schau vertreten, dieses aber ist das beste. Heins Gemälde „Park II“ erweist sich als trickreicher Eyecatcher. Von weitem betrachtet wirkt die grüne Parklandschaft fast fotorealistisch, je näher man an das Bild herantritt, desto stärker zerfällt es jedoch in einen Teppich einzelner Farbpünktchen und Striche. Dass es Hein gelingt, mit Hilfe einer derartig divisionistischen Malweise perfekte Illusionen von Naturräumen zu erzeugen, ist überaus faszinierend.