Landau
Weniger Hitze, mehr Überblick: Weinerlebnis beginnt ein neues Kapitel
Kurz nach der Eröffnung am Freitag um 15 Uhr herrscht bereits reger Betrieb in der Landauer Festhalle. Die ersten Besucher betreten den Saal und ziehen mit Probiergläsern und kleinen Beuteln mit Bauernbrot durch die Reihen, bleiben an den Ständen stehen, sprechen mit Winzern und vergleichen die ersten Tropfen.
Temperaturen sind in der Festhalle angenehmer
Im 38. Jahr hat die Weinmesse den Standort gewechselt und findet erstmals in der Festhalle statt. 41 Winzer aus Landau und von der Südlichen Weinstraße präsentieren ihre aktuellen Weine und Sekte. Viele kennen die Veranstaltung noch unter dem Namen Weintage rund um das Alte Kaufhaus im Zentrum Landaus. „Hier sind die Temperaturen kühler und angenehmer“, sagt Aussteller Matthias Dollt vom Weingut Hochdörffer aus Nußdorf. Zusammen mit seiner Frau Sabine Hochdörffer ist er dort für den Keller und Vertrieb zuständig. Im Frank-Loebschen Haus, in dem er auch schon dabei war, sei es oft zu warm gewesen. „Da hat man die Weine kaum kalt bekommen.“
Sieben Weine hat Thomas Dollt mitgebracht, darunter Grüner Silvaner, Weißburgunder und Scheurebe – „diese Sorte ist unser Aushängeschild“. Rotwein hat er ebenfalls im Angebot, „doch im Frühsommer greifen die meisten zu Weißweinen“, sagt er. Nebenan ist der Stand seines Zwillingsbruders Thomas Dollt vom elterlichen Weingut aus Flemlingen. „Das ist eine gute Ergänzung“, sagt er und lacht. Matthias Dollt rechnet damit, dass er in den zwei Tagen des Weinerlebnisses etwa 35 bis 50 Flaschen zum Probieren ausschenken wird. Auch am Samstag wird von 15 bis 20 Uhr offen sein.
Auch dabei ist Frank Spiegel vom Weingut Ellermann-Spiegel aus Kleinfischlingen, das rund 45 Hektar bewirtschaftet. Besonders freut er sich über junge Besucherinnen und Besucher: „Das sind die Weintrinker von morgen.“ Besonders hervor hebt er seinen Viognier Goldkapsel. Diese Weißweinsorte wurde lange Zeit praktisch nur im französischen Rhône-Tal angebaut. Sie ist geprägt von Pfirsich- und Aprikosenaromen. Der Wein hat einen Alkoholgehalt von 13 Prozent.
Persönliche Begegnung wichtig
Bewusst andere Wege geht das Weingut Kleinmann aus Birkweiler. Riesling sucht man an diesem Stand vergeblich; stattdessen konzentriert sich der Betrieb seit vergangenem Jahr auf Burgundersorten. Betriebsnachfolger Sven Grünewald, der „Ziehsohn“ von Inhaber Matthias Kleinmann, blickt gespannt auf das neue Messekonzept.
Die Gäste können bei Gefallen den Wein direkt bei den Winzern bestellen. Aber für viele Betriebe geht es nicht nur um den Verkauf. Die persönliche Begegnung spielt eine zentrale Rolle: Fragen stellen, neue Weine entdecken, die Menschen hinter den Produkten kennenlernen. Unter den Gästen sind auch Patricia und Klaus Wolff aus Wörth. Seit vielen Jahren besuchen sie die Veranstaltung und reisen dafür mit dem Zug an. Für sie liegt der Reiz vor allem darin, an einem Ort einen umfassenden Überblick über die Weingüter in der Südpfalz zu erhalten.
Klare Anordnung der Stände
„Man kann viele Weine probieren, neue Winzer kennenlernen und sich inspirieren lassen“, sagen sie. Der erste Eindruck von der Festhalle fällt positiv aus, auch wenn das bisherige Ambiente in der Landauer Innenstadt „seinen besonderen Charme hatte“. Gleichzeitig schätzen beide die neue Übersichtlichkeit. Alle Winzer seien auf einen Blick zu sehen, die Wege sind kurz und die Orientierung ist einfach.
Ähnlich äußern sich Annemie Bischoff und Jonathan Laub von der Landjugend Göcklingen. Gemeinsam mit Freunden nutzen sie den Besuch der Weinmesse als Ausflug. Gestartet sind sie mit einem Weißburgunder. Besonders gefällt auch ihnen die klare Anordnung der Stände. „Wir probieren jetzt ein bisschen und nach Hause geht es mit dem Taxi.“
Bernd Wichmann ist einer der beiden Geschäftsführer der Veranstaltungsgesellschaft Landau-Südliche Weinstraße, die für das Weinerlebnis verantwortlich zeichnet. Auch er ist vor Ort und beobachtet das Treiben. Er ist guter Dinge, dass der neue Standort gut ankommt.